… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Niklas

Techno ist mein Sound

Niklas Jeroch | Student und Maler | 25 Jahre | aus Bielefeld | wohnt in Neulindenau

Was hat Dich nach Neulindenau getrieben?

Ich bin jetzt das fünfte Jahr in Leipzig und habe auch schon in allen möglichen Stadtteilen gewohnt. Zuerst war es Neustadt-Neuschönefeld, dann war es Plagwitz, dann die Innenstadt und jetzt ist es Neulindenau – das vor allem jobbedingt. Ich habe in der Spinnerei bei Eigen & Art ein Praktikum gemacht und dann arbeite ich noch im Westwerk an der Bar und das waren dann so zwei drei Punkte wieder herzuziehen. Dann habe ich es in Plagwitz nicht so ganz eingesehen schon 300 Euro für eine Wohnung zu zahlen. Dann war klar, dass ich was brauchte, was noch nicht ganz so cool ist und dann habe ich mir mit meinem Kumpel hier mal die Ecke angeschaut. Hier gibt es schon echt geile Wohnungen. Auch die Ruhe genieße ich hier sehr – das ist schon auch ein wichtiges Ding bei mir.

Kannst Du mir Deine Transformation vom Studenten zum Maler erklären?

Ich war schon immer kreativ und habe früher Streetart gemacht. Aber das eher semiprofessionell, aber ich fand es spannend mich kreativ so zu äußern, dass man die Stadt mit verändert. Über die letzten Jahre habe ich fotografiert, Skulpturen gebastelt und immer irgendwas gemacht und bin im kreativen Prozess gewesen – ich habe meine Sachen aber nie ausgestellt. Ich habe die Möglichkeit einfach nie genutzt und es war mir einfach nicht wichtig. Dann habe ich Kunstgeschichte studiert und habe in den letzten zwei Jahren viel auf Leinwand gemalt. Die Wände, die ich früher beklebt hätte, habe ich versucht auf Leinwand umzusetzen. Über die Zeit ist eine eigene Bildsprache entstanden. Letztes Jahr hatte ich so ein typisches Feiergespräch und da wurde ich gefragt: Warum produzierst du denn Kunst, wenn du nicht ausstellst?  Und dann dachte ich, dass sie eigentlich Recht haben. Dann habe ich ein paar Leute angerufen und mal nachgefragt, ob es da irgendwie  Möglichkeiten gibt und dann hatte ich meine erste Ausstellung und das war ziemlich cool und seitdem läuft das.

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Was ist typisch Leipzig im Gegensatz zu Bielefeld?

Bevor ich hergezogen bin hatte ich kein Verständnis für sächsisch und was das bedeutet. Aber ich finde hier gibt es eine gewisse Gemütlichkeit an den Leuten – auch wie sie mit dir umgehen. Auch wenn das ein bisschen gleichheitlich ist wie sie jeden Menschen behandeln, ist das vom Grundprinzip her viel sympathischer als da wo ich herkomme.

Wohin ziehst Du Dich in der Hitze zurück?

Ich bin nicht so der krasse Seefahrer – das ist mir einfach zu weit, obwohl es von mir aus nicht mal weit ist – ich hab da einfach meistens kein Bock drauf. Ich chill meistens einfach auf dem Balkon oder beim Kumpel auf dem Balkon oder am Kanal. Hauptsache ein bisschen die Füße ins Wasser hängen, aber schwimmen muss gar nicht unbedingt sein. Alles was zu Fuß erreichbar ist, ist gut – alles andere nervt mich automatisch.

Was machst Du so nachts in Leipzig?

Techno ist mein Sound. Darüber bin ich dann auch zum Arbeiten ins Westwerk gekommen. Ich war die ersten Jahre, die das aufhatte immer, immer, immer da. Jetzt vor einem Jahr habe ich die Leute alle kennengelernt und dann haben sie Anfang des Jahres neue Leute für die Bar gesucht und dann habe ich ja gesagt. Ich bin auch großer Goa Fan. Da gehe ich dann auch gern auf Open Airs. Da habe ich ein paar Leute, die mich dann anrufen – das ist super, weil ich bekomm das auch immer gar nicht mit.

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Was bewegt Dich sonst noch im Leben?

Das sind vor allem Menschen – wie Menschen so sind. Psychologisch-soziale Geschichten finde ich immer sehr interessant – wie Leute aus welchen Gründen miteinander umgehen. Ich gucke mir viel an, was deren Sozialisation bedeutet und dann deren Umgang mit anderen Leuten. Ich rede ganz, ganz viel und mache das echt gern. Ich glaube, das ist auch häufig recht nervig, aber das ist das was ich am meisten mache. Ich interagiere sehr viel mit Menschen.

Stell Dir vor Du hättest alle Möglichkeiten der Welt und Du müsstest keine Konsequenzen für Dein Handeln tragen. Was würde dann für Dich das größte Glück bedeuten?

Dann hätte ich gern einen 72er Mustang. Das ist echt eine Drecksschleuder, aber es sieht halt echt cool aus. [lacht]

Was würdest Du gern an unserer Gesellschaft verändern?

Boar, da gibt’s so viel! Wenn man aus dem behüteten NRW kommt, wo multikulti gar kein Thema ist und Leute miteinander leben – und dann nach Sachsen kommt.  Aufgrund der Geschichte dieses Bundeslandes verbunden mit der DDR ist hier viel Stagnation – würde ich sagen, dass mich hier politische Sachen doch irritieren – vor allem was so rechtsradikalen Scheiß angeht. Da müsste einfach mehr Aufklärungsarbeit für die Dummdeutschen betrieben werden, dass sie sich mit Dingen, die sie nicht kennen auseinandersetzen. Dann auf jeden Fall eine Gleichstellung bei Frauen und Männern – das ist ein absolutes Muss. Auch eine Gleichstellung von Homosexuellen und LGBTI gehört für mich zu den Hauptthemen. Auch Ernährungspolitik wäre noch ein Thema.

Wie gehst Du mit Kritik um?

Ziemlich gut mittlerweile. Da habe ich echt was gelernt. Früher kam ich da nicht so mit zurecht, weil ich sehr selbstkritisch war und wenn dann andere noch einen drauf gesetzt haben, war das meisten zu viel. Mittlerweile ist das gar kein Thema mehr.

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Was hat Dich als Menschen geprägt?

Viel Naivität im Sinne von – ich schaue mir Dinge erstmal an ohne sie direkt zu bewerten. Dann nehme ich das mit was, worauf ich Bock habe und das was ich gut finde. Das sind auch Sachen wie: Von Kritik lernen, zu bewerten und damit umzugehen.


Vervollständige bitte die Satzanfänge.

  1. Wenn ich nach Hause komme, ziehe ich zuerst die Jogginghose an.
  2. Ein Bild ist fertig, wenn ich das Gefühl habe, dass ich nichts mehr verändern kann.
  3. Wenn ich schlecht drauf bin, gehe ich zum Boxen.
  4. In Leipzig liebe ich das Leben einfach total.
  5. Mein Leben bisher sehr zufriedenstellend und ich freue mich darauf was noch weiter passiert und bin einfach neugierig.