... portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Das Onlinemagazin schafft Transparenz der Leipziger und Leipzigerinnen gegenüber ihrer Meinung zur Stadt und zum Leben.

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Nomathamsanqa

Folge deinem Traum

Nomathamsanqa | Musikerin und Tanzlehrerin seit 16 Jahren | 35 Jahre alt | aus Simbabwe | wohnt in der Südvorstadt

Wie sah dein Leben aus, bevor du nach Leipzig gekommen bist?

Ich habe vor Leipzig in einer großen Produktion namens Mother Africa gearbeitet, die ihren Sitz in Deutschland hatte, aber wir sind durch die Länder Europas getourt. Wir sind aber auch nach Australien und Amerika gereist. Vor zwei Jahren habe ich entschieden allein weiterzumachen. Ich konzentriere mich auf mich selbst. Wenn man in einer großen Produktion arbeitet, ist diese sehr dominant. Man geht für fünf Minuten auf die Bühne und ist nur ein Teil der Show. Ich wollte eine Show mit meinem Gesicht, in der ich von Anfang bis Ende auf der Bühne stehe. Und genau das mache ich heute. Ich hatte ein paar Shows in Wien, in Fulda und auch in Leipzig.

 

Warum hast du dich dafür entschieden nach Leipzig zu kommen?

Ich bin viel durch Europa, insbesondere Deutschland, getourt. Durch die Show kenne ich wahrscheinlich Ecken von Deutschland, die nicht einmal alle Deutschen kennen. Als ich nach Leipzig kam, mochte ich, dass es nicht zu groß und nicht zu klein ist. Ich habe für einige Zeit in Wien gelebt. Wien ist schön, aber mir zu groß. Es ist dort nicht leicht von A nach B zu kommen. Wenn ich hier in Deutschland meine Tanzkurse gebe, ist alles nah beieinander. Hier ist es auch ohne Auto leichter von Ort zu Ort zu kommen. Hier gibt es viele Musikschulen und viele Menschen sprechen Englisch. Das war gut für mich. Ich habe damit begonnen, die deutsche Sprache zu lernen. Aber im Moment ist es für mich gut, wenn ich mich auf Englisch mit den Leuten unterhalten kann, bis ich die deutsche Sprache beherrsche. Leipzig ist die zweitbeste Stadt in Deutschland. Im Internet stand, dass München die beste Stadt ist.

 

Wo fühlst du dich Zuhause?

Mein Zuhause ist in Afrika. Das hier ist mein zweites Zuhause.

 

Was ist für dich der größte Unterschied zwischen deiner Heimat Simbabwe und Deutschland?

Das Essen. Und das Wetter. Das Wetter bei uns ist sehr viel freundlicher als hier. Der Winter hier ist zu kalt.

 

Welches Essen vermisst du hier?

Ich liebe mein traditionelles Essen. Wir haben Gemüse, das nur in Afrika wächst. Das meiste Essen in Afrika ist natürlich, ohne Chemikalien. Der natürliche Geschmack ist, was ich liebe. Wenn ich hier Hühnchen esse und in meiner Heimat, schmecke ich einen großen Unterschied. Unsere Hühner zuhause wachsen natürlich auf.

 

Wie hast du dich dafür entschieden deine Heimat zu verlassen?

Ich war schon immer viel auf Reisen seit der Highschool. Direkt nach dem Highschool-Abschluss habe ich meine erste Tour mit einer Band in England gemacht. Das hat mir viel Spaß gemacht und ich habe auch noch Geld dafür bekommen. Es ist nicht so, dass ich eines Tages entschieden habe, heute die Heimat zu verlassen. Ich war schon immer unterwegs. Letztes Jahr war ich das erste Mal nach zehn Jahren über die Weihnachtsfeiertage zuhause. Aber eigentlich bin ich überall zuhause.

 

Wie denkt deine Familie darüber? Sind sie traurig, dass du so selten zuhaus bist?

Ich habe einen Sohn. Als er ein Jahr alt war, begann ich zu reisen und meinen Traum zu verfolgen. Meine Eltern haben meinen Traum vom ersten Tag an unterstützt und sie verstehen, dass ich viel arbeite. Dank der Technologie kann ich jeden Tag mit ihnen telefonieren oder skypen. Das letzte Weihnachten war sehr schön zuhause. Dieses Jahr werde ich Weihnachten definitiv wieder zuhaus verbringen.

 

Möchtest du noch etwas sagen?

Es ist nie zu spät deinen Traum zu verwirklichen! Folge deinem Traum! Mach, was dir gefällt, nicht, was andere Menschen von dir erwarten. Wenn du etwas aus Leidenschaft machst, tust du es aus vollem Herzen und es wird am Ende gut. Es gibt Eltern, die ihre Kinder zu dem machen wollen, was sie für sie vorgesehen haben. Selbstverständlich will niemand, dass sein Kind Drogendealer oder Alkoholiker wird, aber wenn dein Kind sagt, dass es Fußball über alles liebt, dann geh mit ihm zum Fußball. Unterstütze dein Kind bei seinem Traum. Mein Sohn ist jetzt 14 und wird bald die Highschool beenden und ich versuche wirklich, nicht für ihn zu entscheiden. Er möchte manchmal Doktor werden, mal Lehrer. Und einmal sagte er, er möchte Pilot werden und ich und meine Freunde könnten dann gratis fliegen. Ich frage ihn immer wieder, was er einmal werden möchte, wenn er groß ist. Vor ein paar Monaten sagte er, er möchte Pilot und Anwalt werden. Ich weiß nicht, ob das zusammenpasst. Aber man sieht daran, dass Kinder Träume haben, wenn sie aufwachsen. Mit der Zeit ändern sich diese Träume. Ich erinnere mich noch, als ich jünger war, hatte ich immer den Traum auf einer großen Bühne zu singen. Mit acht Jahren weißt du noch gar nichts über das Leben, aber ich hatte diesen Traum. Und immer wenn der Lehrer in der Klasse gefragt hat, was man werden möchte, sagte ich: Ich möchte Sängerin werden. Manchmal ist jemand einfach dafür geboren etwas Bestimmtes zu tun. Also folge deinem Traum! Dafür ist es nie zu spät.

 

Vervollständige bitte folgende Sätze: 

  1. In 20 Jahren … bin ich eine Großmutter mit einer Musikschule und einem Waisenhaus namens „Nomathamsanqa“. Ich möchte dann immernoch auf der Bühne stehen.
  2. Wenn ich tanze … fühle ich mich frei. Dann bin ich mein eigener Chef. In diesem Moment vergesse ich alle Probleme.
  3. In Leipzig … ist es kalt.
  4. Mein Leben … ist ein Song.

 

* Dieses Portrait ist in Kooperation mit dem interaction Leipzig e. V. auf dem „Women* In Action-Day 2017“ entstanden.