... portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Das Onlinemagazin schafft Transparenz der Leipziger und Leipzigerinnen gegenüber ihrer Meinung zur Stadt und zum Leben.

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Thomas

Vom Labyrinth und Vatersein

Thomas | Heilpraktiker | 45 Jahre | aus dem Westerwald | wohnt in der Südvorstadt

Warum sind wir jetzt hier im Küchenholz am Jahrhundertfeld. Was bedeutet dir dieser Ort?

Wir sind jetzt hier am Labyrinth, weil das für mich ein sehr besonderer Ort ist. Ein magischer Ort. Labyrinthe sind aus der Geschichte her sehr magische Orte und ich finde es einfach besonders, dass Leipzig so etwas hat. Und ich habe vor zwei Jahren hier an diesem Ort geheiratet und habe hier eine wunderschöne Hochzeit verlebt. Seitdem ist das einfach ein sehr besonderer Ort für mich, der mir sehr am Herzen liegt und wo ich auch sonst gern bin, wenn schwere Entscheidungen anstehen oder wenn mir nach Einsamkeit oder Nachdenken ist.

 

Was war deine letzte schwierige Entscheidung, die du hier getroffen hast?

Die letzte Entscheidung, die ich hier getroffen habe, war: Mache ich eine eigene Praxis als Heilpraktiker auf – ja oder nein? Und wie wird diese aussehen?

 

Was ist für dich typisch Leipzig?

Typisch Leipzig ist für mich die Vielseitigkeit und die Kompaktheit. Ich beschreibe Leipzig immer als ein wenig dörflich was die Ausdehnung angeht, wobei das vielleicht zu wenig gesagt ist – aber einfach als Stadt auf Weltniveau, was Kultur und Restaurants betrifft, aber von seiner Ausdehnung so, dass ich kein Auto brauche. Ich erreiche alles mit dem Fahrrad, vom Hochhaus bis ins Grüne, bis an die Seen. Und das macht Leipzig für mich aus. Und von den Menschen die Vielfalt und dieses Bunte. In manchen Vierteln ist noch dieser Nachhall vom Ostcharme gemischt mit weltoffener Studentenstadt.

 

Gibt es auch etwas, was dich nervt?

Ja, insbesondere, wenn der Schnee weg ist, die ganze Hundekacke auf den Gehsteigen. So Geschichten nerven mich. Und jetzt bei dem Wetter – egal, wie schön die Altbauten sind – die überlaufenden Keller. Wenn es jetzt drei Tage regnet, dass man wieder alles hoch räumen muss.

 

Möchtest du selber noch etwas zur Stadt Leipzig sagen?

Also auch als Nicht-Leipziger – ich bin ja damals nicht wegen der Stadt, sondern wegen einer Frau hergezogen, ohne Leipzig so richtig zu kennen – ist mir Leipzig sehr ans Herz gewachsen. Ich fühle mich hier sehr zu Hause. Ich habe zwischenzeitlich für ein paar Jahre beruflich in München gewohnt und es war eigentlich keine Frage, ob es danach Richtung Leipzig oder Richtung Köln geht. Das war für mich sofort klar. Ich habe sechs Kinder – drei eigene, drei „dazugeheiratete“, die ich aber auch als meine so mitbezeichne. Und ich habe seit 8 Jahren kein Auto. Alles mit Fahrrad und Hänger, das hat immer wunderbar funktioniert. Teilauto, wenn mal etwas ist.

 

Wie sah dein Weg zum Heilpraktiker aus?

Mein Weg zum Heilpraktiker, war wie der Weg vieler Heilpraktiker, denke ich, über eigene Themen. Über eigene Themen von Erkrankung, von der eigenen Gesundheit, die nicht so war, wie sie sein sollte, von Stress, von Leiden. Das hat bei mir körpertherapeutisch angefangen, deswegen auch mein Weg. Ich bin eigentlich studierter Elektrotechniker und gelernter Kaufmann. Habe also früher klassisch kaufmännisch gearbeitet. Unternehmen geführt, Auszubildende geleitet, bis dann irgendwann die Gesundheit angefangen hat schlapp zu machen, und die Kinder groß geworden sind, während ich im Büro saß.  Dann hat mein Weg der Naturheilkunde, des anderen Denkens und Fühlens angefangen über Massagen und Körper- und Atemtherapien. Danach kam Psychotherapie, weil ich währenddessen gemerkt habe: Hui, da ist noch mehr.  Und in diesen Psychotherapien kamen dann die Fragen: Was macht der Körper? Was ist mit meinem Körper? Mangelzustände, Vitamine, Mikronährstoffe, Entzündungen, so unterschwellige Entzündungen, die der Hausarzt gar nicht so rauskriegt. Was ist mit meinen Allergien, die ich eigentlich schon habe, seit ich 10 bin?  Und das hat mich irgendwann zu dem Punkt geführt zu sagen, das will ich lernen. Da will ich weiter rein steigen. Und dann bin ich so tief eingetaucht in diese Welt und die Veränderungsprozesse, dass ich an irgendeinem Punkt gesagt habe: Jetzt habe ich so ein Wissen, das möchte ich auch weitergeben. Und das, was ich an diesen drei Säulen, die ich gelernt habe, so spannend finde – was man auch in der Schulmedizin fast gar nicht findet – die Kombination Psychotherapie und Körper. Entweder du gehst zum Psychologen und machst dort Therapie oder du gehst zum Arzt und bekommst dort Antibiotika. Aber wer guckt, was für körperliche Mangelzustände, zum Beispiel was für Vitamine oder Aminosäuren dir dein Stress weg frisst. Und da kann eine Substitution auf der körperlichen Seite ein Turbo sein, viel schneller durch deinen psychischen Stress durchzukommen. Weniger Müdigkeit, weniger Depressionen, macht auch viel mehr die Möglichkeit schneller wieder Licht zu sehen und schneller durch einen psychischen Prozess zu kommen. Und diese Kombination, die habe ich am eigenen Leib erfahren habe und die hat mir gut geholfen, die möchte ich halt auch weitergeben. Und ich glaube, das ist überhaupt einer meiner Antriebe. Dieses Weitergeben. Dieses Gefühl, was zu wissen, was zu können, mit dem ich möglicherweise für andere hilfreich sein kann.

 

Kannst du dich an den Knackpunkt erinnern, wo du gesagt hast: So geht es jetzt einfach nicht weiter?

Oft sind es einzelene Momente, und da war es gar nicht so sehr ein rein körperlich oder krankhafter Prozess bei mir, sondern es war die Feststellung: mein drittes Kind wird groß, kann schon laufen und ich habe wenig davon mitbekommen. Und das war für mich der entscheidende Punkt in meinem Leben, was zu ändern. Ich bin vorher schon als Patient/Klient unterwegs gewesen mit Massagen, Therapien, Coachings. An dem Punkt habe ich aber gesagt: Mal gucken, ob diese Welt nicht nur für meine eigene Gesundheit ist, sondern ob die beruflich auch was für mich sein könnte.

 

Wer oder was inspiriert dich im Leben?

Ich glaube, Inspiration wird von Außen angetriggert, entsteht aber in einem selber. Von daher kann ich gar nicht so genau sagen: Der inspiriert mich. Für Inspiration brauche ich Vorlauf und Ruhe. Also Inspiration entsteht nicht aus: Ich stehe jetzt auf und schnappe mir die Kamera und gehe mal zehn Minuten raus. Sondern ich brauche eine Einstimmung darauf, ein Einstiegsritual durch Atmen zum Beispiel.- Kann man so konkret nicht sagen. Für manche Dinge brauche ich ein bisschen Druck und Stress, für manche Dinge braucht es Ruhe, für manche Musik und Krach.

 

Gibt es noch ein Ziel, das du in deinem Leben verfolgst?

Ja, schon. Ich möchte noch ein bisschen was von der Welt sehen. Ich habe, als ich jung war, mit meinem Vater zusammen schon einige Ecken der Welt entdeckt. Habe dann nicht die Gelegenheit gehabt, so etwas wie ein Auslandsjahr zu machen. Also zu trampen oder Work-and-Travel oder so zu machen. Dann kam Familie und Kinder und ich denke einfach, die Welt ist wie ein Buch, auch wenn man nur ein paar Seiten kennt. Ja, das möchte ich, noch ein paar Seiten in diesem Buch kennen lernen. Und das nicht unbedingt alleine, sondern meinen Kindern das ein Stück weit zeigen. Das die sich nachher gut an mich erinnern, sagen der war ein guter Vater. Hat uns was gezeigt von Leben – war wichtig für uns. Das möchte ich.

 

Gibt es Sachen, die du Leuten auf den Weg mitgeben würdest?

Ja. Ich glaube, dass es einfach wichtig ist, in allem, was wir tun, und in allem, was wir uns vornehmen und auch in allem Ehrgeiz und Visionen, die wir haben, trotzdem ein ganzes Stück mehr Gelassenheit zu üben. Mehr entspannt zu sein und die Dinge einfach passieren und fließen zu lassen. Und dann kommt schon das Richtige zur richtigen Zeit. Vielleicht gerade, wenn es stressig und anstrengend und sorgenvoll und problematisch wird, sich einfach etwas in der Richtung zu sagen. Eigentlich ist das Leben nur ein großes Spiel, wo wir zocken und probieren. Und am Ende können wir daraus eh nichts mitnehmen.

 

Vervollständige den Satz.

  1. Wenn ich jetzt hier stehe, sehe ich die Welt in ihrer Weite und Vielfalt.
  2. Wenn ich heute Abend nach Hause komme, nehme ich ein Stück von dem hier mit. 
  3. In 20 Jahren tanze ich mit meiner Frau barfuß über Wiesen und freue mich auf die nächsten 20 Jahre.
  4. In Leipzig  kann man zu Hause sein. 
  5. Mein Leben  habe ich gelernt zu lieben.