… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

Die letzten Fünf
Reudnitz Volkmarsdorf
Waldstraßenviertel Gohlis
Südvorstadt Connewitz
Alle
Lindenau Plagwitz
Grünau & Rand
Leipzig rauscht...

Reudnitz Volkmarsdorf

Anna

Genießt die geniale Aussicht auf dem Fockeberg

Anna S. | gelernte Hotelfachfrau, Servicefachfrau | 27 Jahre | gebürtige Polin, im Herzen Leipzigerin | wohnt in Schönefeld

Welcher Platz in Leipzig hat für Dich die größte Bedeutung?

Das ist schwierig, weil es viele sind. Man verbindet vor allem nach den 11 Jahren mit vielen Plätzen irgendwas. Also einer meiner Lieblingsplätze ist auf jeden Fall der Fockeberg in der Südvorstadt, vor allem am Abend mit der genialen Aussicht über die Stadt. Aber auch das Völkerschlachtdenkmal, weil es wirklich groß ist – es dich erschlägt. Ich kann mich nur erinnern, als ich das das erste Mal gesehen habe, stand ich da, hab nach oben geguckt und du kommst dir vor wie in einem anderen Land und nicht unbedingt in Leipzig.

24h Leipzig – Was darf man auf keinen Fall verpassen?

Die Frage habe ich schon öfters gehört, vor allem, weil ich im Hotel arbeite. Es kommt immer drauf an, was man mag. Ich denke, das, was alle sagen: Zoo, der sich unglaublich rausgeputzt hat in den letzten Jahren. Generell die Innenstadt. Wir haben die Oper, wir haben das Gewandhaus. Alles an einem Fleck – altes und neues Rathaus. Wenn man halt party- oder kulturwütig ist, generell so die Karl-Liebknecht-Straße hoch- und runterlaufen oder auch die Karl-Heine-Straße in Plagwitz.

3_Anna

Was hat Dich nach Leipzig gezogen?

Das ist eine gute Frage: Meine Eltern. Ich wurde im Prinzip gezwungen und entführt und hier ausgesetzt. Die haben hier Arbeit gefunden, haben im polnischen Konsulat gearbeitet, als es noch hier in Gohlis war und ich hatte mit 15 Jahren nicht besonders viel Auswahl. Ich musste mitkommen, obwohl ich es echt nicht wollte. Ich wollte meine Freunde nicht zurücklassen. Als wir hierher kamen, haben wir auch in Gohlis gelebt. Am Anfang habe ich mich sofort in die Stadt verliebt, aber so richtig. Also ich habe mich hier in den Jahren mehr zuhause gefühlt, als im eigentlichen Zuhause in Polen.

Was macht Dein Schönefeld aus?

[lacht] Das, was mein Stadtviertel ausmacht, ist die wunderbare Eisenbahnstraße, die gefährlichste Straße Deutschlands – wie das Taff bei Pro.Sieben so schön gesagt hat. Was wahrscheinlich auch stimmt, aber ich wurde noch nie überfallen, also passt das schon. Das meiste, was du hörst, wenn du sagst, du wohnst in Schönefeld, ist: „Oh Mein Gott. Das ist ja die Eisenbahnstraße, hast du keine Angst?“ Was die Leute noch sagen: „Das ist ja am Arsch der Welt.“ Aber ist es eigentlich nicht, zumindest nicht, wenn man hier im vorderen Teil wohnt. Die Ecke, die ich hier habe, ist eigentlich voll schön. Es ist ruhig, ich habe einen Park – wie gesagt mich grabscht und quatscht keiner an [lacht]  von daher passts, aber ist nicht unbedingt eines der schönsten Viertel in Leipzig, aber eines der günstigeren. Darum wohnen hier auch immer mehr Leute, also wie in Reudnitz.

Winter, lange Nächte, kalt – Wo trinkst Du am liebsten ein Heißgetränk, um Dich aufzuwärmen?

Das ist schwierig, das sind viele Plätze. Meistens aus Faulheit direkt in der Stadt, in der Innenstadt bei Starbucks – ich steh total auf die Kette , aber ansonsten auch gern mal in der Südvorstadt, also Café Puschkin zum Beispiel mag ich sehr gern.

Denkst Du, Leipzig hat sich in den letzten Jahren verändert?

Extrem. Also wenn man überlegt, was man alles getan hat und alles gebaut wurde und noch gebaut wird, das Gondwanaland oder der City-Tunnel, der zwar nach wie vor ziemlich sinnlos ist, aber egal. Die Höfe am Brühl und die ganzen neuen Geschäfte, die gebaut wurden – es ist der Wahnsinn. Und es wird immer mehr gemacht, also die Stadt lebt.

Stell Dir vor, Du hättest alle Möglichkeiten der Welt und Du müsstest keine Konsequenzen für Dein Handeln tragen. Was würde dann für Dich das größte Glück bedeuten?

Einmal um die Welt reisen. Ich glaube ich würde wahrscheinlich hier anfangen in Deutschland und dann erstmal in die östliche Richtung gehen, was dann halt gerade so auf dem Weg ist.  Also ich habe viele Ziele. Mich reizt Australien nach wie vor, mich reizen auch die nordischen Länder wie Norwegen, Schweden, Finnland usw.

4_Anna

Woraus schöpfst Du neue Kraft?

Meistens aus den Menschen. Ich sauge die Energie aus Menschen [lacht]. Ja, so ist es am Ende. Es sind weniger die Hobbys momentan, in denen ich mich auch komplett drin verlieren kann. Es ist meistens wirklich, wenn ich mich mit guten Freuden treffe und herzliche Gespräche habe. Du kommst da raus und hast eine reingewaschene Seele. Das gibt die meiste Energie.

Was ist Dein Lieblingszitat?

Was dich nicht umbringt, macht dich stärker. Immer wieder hinfallen, aufstehen, Krone richten, weiter gehts.

Ein besonderer Moment, von dem du uns berichten möchtest?

Ich kann nicht schon wieder sagen: Es ist schwierig [lacht]. Was sehr schön war letztens: Ich habe mich mit einer Longboardfreundin getroffen, wurde zu ihr eingeladen zum DVD-Abend und ich kannte die ganzen Leute eigentlich nicht wirklich. Es war also eine bunte Mischung aus fremden Menschen und wir haben uns auf Anhieb so gut verstanden, als würden wir einfach schon immer zusammengehören in so einer Clique. Das war echt krass. Ich habe mich schon lange nicht mehr so amüsiert, komplett eine Wellenlänge, gleicher Humor und alles. Das hat mich auf jeden Fall geflashed, dieses Herzliche und wie ich aufgenommen wurde.

2_Anna

Was ist Deine letzte WhatsApp-Nachricht/SMS?

Das Letzte, was ich abgeschickt habe, war ein von mir aufgenommenes Geburtstagsständchen für die besagte Longboardfreundin.

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Wenn ich abends ins Bett gehe, … dann muss es ganz doll warm sein. Da wird auf jeden Fall erstmal die Heizung aufgedreht.
  2. Meine Familie … bedeutet mir zwar viel, aber ich habe momentan keinen Kontakt.
  3. Als ich das letzte Mal am Computer war, … habe ich mal wieder tausende YouTube-Videos mit DIY-Bastelanleitungen gesehen.
  4. Wenn ich koche, … sieht es danach aus, als ob irgendwas explodiert wäre, aber es schmeckt.
  5. Gestern Nacht … war ich nicht zu Hause.
  6. In Leipzig … fühle ich mich unglaublich wohl und habe auf jeden Fall mein Zuhause gefunden.
  7. Mein Leben … ist sehr bunt, wie das meine Freunde immer sagen.