… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Antonia

Schöpft Kraft aus der Arbeit mit den Kindern als Sozialpädagogin

Antonia | Sozialpädagogin in einem Kinderheim in Grünau | 23 Jahre | aus Leipzig | wohnt in Neuschönefeld

Jetzt wird es ja langsam wieder wärmer… Wo hältst Du Dich im Frühling am liebsten auf?

Wenn es Frühling wird, lasse ich mich gern ein bisschen durch die Stadt treiben, einfach mit der Straßenbahn irgendwohin fahren. Das ist dann meistens in Richtung Südvorstadt oder Lindenau und dann laufe ich da durch die Straßen. Das finde ich ganz schön. Ich guck dann einfach, wo ich rauskomme. Ansonsten bin ich im Park. Entweder hier in Neuschönefeld im Mariannenpark oder im Clara-Zetkin-Park.

Gab es einen besonderen Moment bei Deiner Arbeit als Sozialpädagogin?

Ich finde die Arbeit ist an sich etwas ganz Besonderes. Ich arbeite dort, wo die Kinder für einen gewissen Zeitraum zuhause sind. Ich wecke sie früh auf, frühstücke mit ihnen, schicke sie in die Schule, bringe sie abends ins Bett … im Prinzip gestalte ich den Alltag mit ihnen. Sie ein Stück ihres Lebens zu begleiten und so nah an ihrem Leben dran sein zu dürfen ist etwas, das mich bereichert.

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Was macht Neuschönefeld aus?

Ich glaube, dass es nicht auf den ersten Blick so ganz hübsch hier ist. Der Stannebeinplatz gehört jetzt zum Beispiel nicht zu den Orten, über die man denkt „Oh, hier fühl ich mich wohl und hier bleibe ich“. Aber trotzdem finde ich, dass man hier gut wohnen kann. Es gibt viele schöne Wohnungen, die nicht zu teuer sind. Das zieht auch immer mehr Studenten her. Und ich mag die Nähe zum Grün. Im Mariannenpark und im Abtnaundorfer Park kann man wunderbar Zeit draußen verbringen. Man glaubt das immer gar nicht, was es hier für grüne Gegenden gibt.

Gibt es einen Unterschied von Leipzig gegenüber anderen Städten?

Ich mag an Leipzig, dass es nicht allzu groß wie Berlin ist, aber trotzdem ist für jeden was drin, was er für sich finden kann. Was ich auch besonders schön finde, ist diese Kleinkunstszene, kleine Theater oder Konzerte. Man kann eigentlich jeden Tag irgendwo hingehen und abends was machen. Kleine Kinos sind auch toll. Das hat man in anderen Städten auch, aber ich denke hier ist das alles besonders reich angesiedelt. Ich gehe zum Beispiel gerne in die Cammerspiele oder ins Theater der jungen Welt. Wenn es ums Kino geht, bin ich wirklich gern im Passage Kino oder im Regina Palast. Das hat noch so einen älteren Kinocharme.

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Wünschst Du Dir eine Veränderung für Leipzig?

Ich finde, Leipzig ist noch ein bisschen im Dornröschenschlaf und wacht immer mehr auf. Aber ich wünsche mir, dass es trotzdem diese Art von Gemütlichkeit behält, die es gerade noch hat. Ich wünsche mir auch, dass noch weitere Leute herkommen, die Lust darauf haben, die Stadt mitzugestalten auf ihre kreative Art und Weise. Das passiert ja jetzt gerade immer mehr, zumindest habe das Gefühl.

Kannst Du von Deiner Arbeit als Erzieherin für Dich selbst etwas von den Kindern lernen? 

Ja. Mit den Kindern kann man als Erwachsener die Welt immer wieder ein Stück neu sehen, neu entdecken, sich neu erklären. Kinder stellen so unglaublich viele Fragen, betrachten die Dinge intensiv und nehmen sie nicht einfach so hin. Alltägliches ist für sie oft noch mit so viel Zauber und Geheimnis verbunden. Einem Kind zum Beispiel zu erklären, was Nebel ist, kann ganz schön kompliziert sein. Ich denke, dass das etwas Wichtiges ist, was ich von ihnen lernen kann. Die Umwelt wieder intensiver wahrzunehmen, daran erinnern sie mich jeden Tag. Und an das Leben im Moment, im Augenblick.

Woraus schöpfst Du neue Kraft?

Tatsächlich auch aus den Kindern. Auch wenn ich sie manchmal auf den Mond schnipsen könnte, dann gibt es doch wieder die Momente, die schön sind und wir wieder zusammen lachen können, nachdem wir einen Konflikt hatten. Ansonsten wohne ich mit meinem Freund zusammen und das ist schon mein Fels in der Brandung. Das ist ein ganz ausgeglichener Typ. Da schöpfe ich auch viel Kraft draus und weiß das auch ganz genau.

Was ist Dein Lieblingszitat oder Deine Lebensweisheit?

Als ich noch in die Schule gegangen bin, hatte mir eine Freundin eine Postkarte mitgebracht. Darauf stand: Was machen Sie? Nichts. Ich lasse das Leben auf mich regnen. Ich fand das so schön. Ich weiß jetzt nicht, von wem das Zitat ist, aber das begleitet mich bis heute. Ich habe auch heute noch die Postkarte.

Wenn Du eine Sache in unserer Gesellschaft ändern könntest, was wäre das?

Ich finde, wir leben gerade in einer Zeit, in der alles ganz schnell gehen muss und von allem muss immer ganz viel da sein. Wir müssen noch mehr schaffen in noch weniger Zeit. Mir erscheint oft alles so vollgestopft. Vielleicht würde ich der Gesellschaft gern etwas von dieser Hektik nehmen, die sie gerade hat.

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Was ist deine letzte SMS, die du gesendet hast?

Jetzt?

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Wenn ich nochmal klein wäre, … dann wäre ich gern mutiger als ich es war.
  2. Wenn ich am Bahnhof bin, … dann sitze ich manchmal auf einer Bank und gucke mir die Leute an, die vorbeilaufen.
  3. Wenn ich abends ins Bett gehe, … brauche ich ganz lange zum Einschlafen.
  4. Wenn ich aufstehe, … dann komm ich ganz schwer aus dem Bett.
  5. Wenn ich nicht in Neuschönefeld wohnen würde, sondern in Plagwitz, … dann hätte ich einen viel kürzeren Weg zu schönen Cafés.
  6. In Leipzig … kann man schön leben.
  7. Mein Leben … ist hoffentlich kein Wartesaal.