… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Lindenau Plagwitz

Erik und Jeronim

Halle elf, erster Stock

Erik Swars | 27 Jahre | Maler | aus Zwenkau bei Leipzig | wohnt in der Südvorstadt
Jeronim Horvat | 24 Jahre | Künstler | aus Berlin | wohnt in Lindenau

Wie habt Ihr entschieden Künstler zu werden?

Erik: Ermutigt durch meine Kunstlehrerin, bewarb ich mich mit 17 an der Abendakademie der HGB und kam in die Klasse von Jochen Plogsties. Er zeigte mir Wege auf, Farbe und Form zu betrachten und zu hinterfragen. So wuchs in mir ein Bedürfnis, dem ich heute noch nachgehe. Es gab also irgendwann den Moment, in dem dieses Bedürfnis entstand.

Jeronim: Durch das Arbeiten wird aus dem Hobby ein Beruf – nicht nur ein Beruf. Ich habe viele Sachen in meinem speziellen Umfeld beendet und nur gemalt. Man will auch, dass etwas passiert und dass es voran geht. So etwas entsteht nicht in vier Stunden. Dafür muss man sich die Zeit nehmen. Und das ist dann auch die Entscheidung.

Ihr studiert beide in Halle an der Burg. Weshalb wohnt Ihr nicht in Halle, sondern in Leipzig? 

Erik: Nach anfangs 6 Monaten Pendeln zog ich nach Halle und wohnte dort für ungefähr ein Jahr. Danach kam mein Auslandssemester in Japan. Zurück in Halle war der Reiz verloren und es zog mich Wochenende für Wochenende nach Leipzig, um Ausstellungen zu besuchen oder mit Freunden zu feiern. Ich blieb drei Monate in Halle arbeitete viel und bekam dann die Möglichkeit hier in der Halle 11 zu arbeiten. Nach der passenden Wohnung war die Sache beschlossen und nun bin ich seit einem Jahr zurück in Leipzig.

Jeronim: Ich werde auf jeden Fall für das Studium nach Halle ziehen. Ich denke, für das Grundstudium sollte ich anwesend sein und ich habe Lust auf die Werksätten. Ich glaube, der Abstand ist mal ganz gut.

Erik Swars Malerei

Ist die Spinnerei eine kleine Community? 

Jeronim: Also wenn du Bock hast dich einzubringen, dann helfen dir die Leute hier. Es gibt aber auch Leute, die arbeiten schon fünf Jahre hier, aber keiner weiß, wer sie sind.

Erik: Ja.

Was erwartet uns am Samstag zum Spinnereirundgang in Eurem Atelier? Wie unterscheiden sich Eure Arbeiten?

Jeronim: Für mich wird das der letzte Rundgang hier sein. Ich werde eine Rauminstallation zeigen. Da kann man sich auf etwas sehr Lustiges gespannt machen – mit Liegestühlen.

Erik: Ich zeige Malerei. Am Samstag jährt sich unser Arbeiten nebeneinander und gleichzeitig ist es das vorerst letzte Mal, dass wir hier zusammen in der Spinnerei ausstellen. Bisher haben wir zu jedem Rundgang unser Atelier geöffnet und es mit mehr oder weniger Aufwand vorbereitet, was immer stark abhängig war von unserer aktuellen Arbeitssituation. Momentan arbeiten wir viel. Ich werde diesen Samtag nicht so viele Arbeiten zeigen, da ein großer Teil meiner aktuellen Bilder in Tokyo ausgestellt wird.

Jeronim: Halle 11, erster Stock – seid dabei. [lachen]

Wann ist für Euch ein Bild fertig? 

Jeronim: Wenn alles perfekt ist, so wie ich das will. Es stellt sich so eine Zufriedenheit ein.

Erik: Sobald dieser kurze Moment der Befriedigung eintritt.

Was ist für Euch der wichtigste oder emotionalste Ort in Leipzig, mit dem Ihr etwas verbindet? 

Erik: Das Atelier und mein Bett.

Jeronim: Das Atelier und das Gelände der Spinnerei. Das ist für mich wie eine kleine Stadt.

Jeronim Horvat - Spinnerei

Was macht Euer Stadtviertel aus, in dem Ihr wohnt? 

Erik: Hauptsächlich meine WG und die zentrale Lage zwischen Osten und Westen. In der Südvorstadt reizen mich nur wenige Orte, außer einem sehr guten koreanischen Restaurant und dem Institut, was das Konsumieren und Ausgehen betrifft. Andere Orte sind der Fockeberg, die Straßen, das Licht und die Alte Messe.

Jeronim: Ich habe vorher immer in Vierteln gewohnt, die nicht wirklich belebt waren. Und hatte letztes Jahr Bock mal in so ein Szeneviertel zu ziehen. Ich habe das zu schätzen gelernt. Es hat natürlich seine Vor- und Nachteile. Man kann abends schön weggehen in die Bars und ich bin schnell im Atelier. Dagegen spricht, dass man hier schlecht rauskommt. Man bleibt dann doch sehr in seinem Viertel, was natürlich an mir liegt. Da schleicht sich dann so eine „Viertelfaulheit“ ein, weil man alles hat und hier die coolen Sachen passieren. [lacht]

Ist Leipzig eine gute Stadt für Künstler, auch dahingehend seine Bilder hier zu verkaufen? 

Erik: Man kann in Leipzig freizügig arbeiten. Es gibt Räume und Menschen, die sich dafür interessieren das sind eigentlich gute Voraussetzungen.

Was macht für Euch einen Künstler aus? Könnt Ihr das Wort definieren? 

Erik: Kunst ist Arbeit, wie andere Tätigkeiten also ist ein Künstler auch ein Arbeiter. Ein Arbeitgeber. Doch anders als ein Maurer zieht er nicht die Mauer hoch, so wie schon immer Mauern hochgezogen wurden, sondern schafft Dinge, die erst durch andere Bedeutung erhalten. Er sitzt da und malt sein Bild.

Stellt Euch vor, Ihr hättet alle Möglichkeiten der Welt und müsstet keine Konsequenzen für Euer Handeln tragen. Was würde dann für Euch das größte Glück bedeuten? 

Erik: Es könnte Freiheit sein, doch diese würde auch Unfreiheit bedeuten, deswegen wird es mit dem größten Glück schwierig. Zufrieden bin ich, wenn ich stetig arbeiten kann. Wenn das bleibt, ist es gut.

Jeronim: Ich hätte Bock, überall etwas zu machen.

Erik Swars - Malerei

Habt Ihr ein bestimmtes Lebensmotto? 

Jeronim: Minimalismus. So wenig wie möglich zu besitzen.

Erik: Auf sich hören und achten.

Wenn Ihr etwas an unserer Gesellschaft ändern könntet, was wäre das? 

Jeronim: Mehr Ehrlichkeit fände ich cool.

Erik: Etwas Entschleunigung, bitte.

Vervollständigt bitte folgende Sätze:

  1. Wenn ich früh aufstehe, …mache ich die Augen auf (Erik) | …komme ich direkt hierher. (Jeronim)
  2. Am Wochenende … arbeite oder feiere ich. (Jeronim)
  3. Wenn ich meinen Pinsel in die Hand nehme, … arbeite ich. (Erik)
  4. Wenn ich ein neues Projekt starte, … dann bin immer ganz, ganz aufgeregt. (Jeronim)
  5. In Leipzig … atme ich (Erik) | … Punkt. (Jeronim)