… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

Die letzten Fünf
Reudnitz Volkmarsdorf
Waldstraßenviertel Gohlis
Südvorstadt Connewitz
Alle
Lindenau Plagwitz
Grünau & Rand
Leipzig rauscht...

Leipzig rauscht...

Frère

Mit der Viertelrausch-Akustik-Session durch den Sommerregen

Alexander | Singer Songwriter bei Frère | 24 Jahre | aus Coesfeld | wohnt in Bochum

Vor dem letzten Tapetenwechsel trafen wir Frére am Leipziger Hauptbahnhof und ließen uns von seiner Musik verzaubern.

 

Welchen Anteil hat Deine Tätigkeit als Musiker in Deinem Leben?

Ich habe letztens in einem Buch gelesen, in dem ein Autor geschrieben hat, dass man nichts wirklich so ernst nehmen kann wie das Schreiben. Das zieht sich irgendwie auch durch mein Leben. Ich habe immer mal probiert etwas anderes als Musik zu machen, aber habe das tatsächlich einfach nie gemacht. Alles drapiert sich in meinem Leben um die Musik.

Wenn Du vor Publikum spielst, hast Du Angst, manchmal zu viel von Dir zu zeigen?

Darüber habe ich nie nachgedacht. Bis ich mal gefragt wurde, ob das anstrengend wird auf Dauer oder der Reiz verloren geht. Seitdem denke ich darüber ein bisschen nach. Das Gefühl hat sich noch lange nicht in mir eingestellt. Ich kann verstehen, wenn andere Musiker dieses Problem tatsächlich bekommen. Für mich ist das alles noch sehr intensiv. Ich mache das, worauf ich Lust habe. Ich schreibe diese Lieder gern und spiele sie natürlich gern. Ich mag Musik, die sehr nah geht und bei der man spürt, was gemeint ist. Es muss sehr nah gehen, damit es auch gut sein kann.

Frère

Gibt es einen Musiker, mit dem Du gern einen Tag tauschen würdest?

Ich habe immer Angst vor dieser Träumerei. Egal in welcher Band du spielst, du träumst immer davon, dass du irgendwann Headliner bei Rock im Park bist oder eine Welttournee spielst oder so. Ich war noch nie der Typ, der darüber nachgedacht hat und habe mich da immer mal ein wenig mitreißen lassen. Aber mittlerweile denke ich, dass ich das nehme, was kommt, einfach spiele und damit ganz zufrieden bin. Und mir nicht wünsche anders zu sein.

Wie entdeckst Du für Dich neue, junge Musiker, die gerade erst anfangen?

Also manchmal habe ich das Glück und spiele mit denen. Es gibt zum Beispiel eine Band, die heißt Giant Rooks, mit der habe ich mal mit meiner alten Band vor langer Zeit zusammen gespielt. Die waren sehr viel jünger als wir. Die waren unglaublich gut. Mit denen habe ich vor ein paar Monaten noch mal zusammen gespielt und festgestellt, dass sie noch besser geworden sind. Teilweise triffst du auf andere Songwriter. Ich genieße es, Leute zu treffen, die ich gut finde. Von denen lässt du dich inspirieren. Ich gehe selbst viel auf Konzerte, wenn ich Zeit habe. Ich hänge den halben Tag im Internet und höre ich mir alles an, was mir in die Quere kommt und was mir gefällt. Ich interessiere mich schon für neue Musik.

Frère

Gibt es einen Wunsch, den Du Dir erfüllen würdest, würden Dir alle Türen offen stehen?

Bestimmt. Ich wünsche mir natürlich einiges. Ich hoffe einfach, dass man sich in dem Leben, was man führt, einige Wünsche erfüllt. Ich erfreue mich eher so an kleinen Sachen. Für mich war es zum Beispiel schön, festzustellen, dass ich immer mehr spielen kann. Dass sich meine Musik so langsam zum Beruf entwickelt.

Gab es ein Erlebnis, dass Dir besonders nahe ging oder Dir im Gedächtnis geblieben ist?

Also kein besonderes Erlebnis, aber ich habe letztens ein Zitat von Joan Baez gelesen, eine sehr bekannte Songwriterin. Sie wurde gefragt: „Woran merkst du, dass ein Song funktioniert?“ Und sie sagte: „Wenn ich einen Song, den ich noch nie irgendwo gespielt habe, vor Menschen spiele, die ihn noch nicht kennen, kann ich darauf reagieren.“

Wenn ich vor Leuten spiele, die ich noch nicht kenne und die mich nicht kennen, dann merke ich an deren Reaktion, ob es angekommen ist. Und wenn das so ist, dann bin ich auch selber irgendwie angekommen. Ich genieße live immer den ersten Moment, an dem du festmachst, ob du ankommst oder nicht. Das kann der Wahnsinn sein. Kann aber auch schiefgehen, wenn du in irgendeiner Kneipe spielst, wo nur Wattenscheid-Fans sind.

Wie gehst Du mit Kritik um?

Es passiert öfter mal, dass nach dem Konzert jemand kommt und meint, dass es ihm gefällt und dass das auch an andere Songwriter rankommt, aber ich mehr aus mir herauskommen sollte, bisschen besser Gitarre spielen oder weniger nuscheln, lauter singen oder mal schreien sollte. Ich nehme mir das auch an. Ich finde konstruktive Kritik von Freunden, anderen Musikern und Künstlern immer gut und genieße den Austausch. Aber wenn jemand kommt, der mich nicht kennt und mir erzählt, was ich alles falsch mache oder richtig, dann komme ich aus dem Nachdenken gar nicht mehr raus, wenn ich das zu ernst nehme. Es bleibt im Kopf hängen, aber man muss sich davon freimachen. Dieses Songwriterding ist etwas sehr Intimes. Du spielst allein in deinem Zimmer und schreibst Lieder über Sachen, die dir gerade durch den Kopf gehen. Letztendlich sollte man sich nicht von jemandem sagen lassen, wie man es besser machen sollte, weil derjenige das am Ende gar nicht weiß. Nicht, dass ich das selber wissen würde.

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Meine Gitarre … ist ein sehr guter Freund.
  2. Meine Familie … ist wahrscheinlich der Grund, warum ich das immer noch mache.
  3. Die Musik, die ich spiele, … kann ich selber gar nicht so genau beschreiben.
  4. In Leipzig … genieße ich es, immer Freunde zu treffen, Zeit in dieser Stadt zu verbringen und ärgere mich, dass ich letztes Jahr nicht hergezogen bin.
  5. Mein Leben … ist okay.

 

Frère – Viertelrausch Akustik-Session