… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

Die letzten Fünf
Reudnitz Volkmarsdorf
Waldstraßenviertel Gohlis
Südvorstadt Connewitz
Alle
Lindenau Plagwitz
Grünau & Rand
Leipzig rauscht...

Lindenau Plagwitz

Jörg, Christel und Franzi

Wundervolle Begegnungen in der Philippuskirche

Jörg | Altenpfleger, macht Musik, gibt Kindern und Erwachsenen Violinenunterricht, organisiert Konzerte | 40 Jahre | aus Sachsen-Anhalt | wohnt in Neustadt-Neuschönefeld

Christel | ist in gemeinnütziger Tätigkeit, betreut alles rund um die Philippuskirche | 70 Jahre | aus Thüringen | wohnt in Markranstädt

Franzi | im Veranstaltungsbereich tätig, arbeitet in der NaTo | 29 Jahre | aus Magdeburg | wohnt in der Südvorstadt

Was ist Music with Friends?

Franzi: Die Idee war, einen Konzertabend in einer besonderen Atmosphäre in einem besonderen Raum mit besonderem Klang zu organisieren. Und dafür Musik zu finden, die das übermittelt. Deshalb hatten wir uns vorerst Künstler aus dem Singer-Songwriter-Folk-Bereich gesucht, die melodisch und gefühlvoll singen und den besonderen Klang in der Kirche transportieren.

Jörg: Music with Friends waren ursprünglich Freunde und befreundete Musiker aus den Leipziger Kreisen von Franzi und mir. Die ersten beiden Veranstaltungen bestanden nur aus Freunden und deshalb kam es auch zu dem Namen Music with Friends. Jetzt möchten wir einen Schritt weitergehen und Künstler aus dem nationalen und internationalen Bereich holen.

Mit der Philippuskirche habt Ihr den Ort gefunden, den Ihr gesucht habt. Welche Bedeutung hat denn dieser Ort für Euch?

Jörg: Er hat eine sehr starke Bedeutung. Zum einen ist der Raum in seiner Art und Weise sehr selten. Er strahlt unheimlich viel Ruhe aus. Die Künstler sagen immer wieder, dass es etwas ganz Besonderes ist hier zu spielen. Ein Künstler meinte sogar, das war eins seiner besten Solokonzerte, die er gespielt hat. Man merkt das auch am Arbeiten im Team – alle sind bedächtig und entschleunigt.

Music With Friends

Spielt der Glaube an sich auch eine Rolle?

Christel: Schon allein, dass man in diesen heiligen Hallen ist, gibt dem Ganzen eine Atmosphäre und einen Bezug zur Kirche. Da muss man nicht unbedingt christlich veranlagt sein. Die Leute haben Ehrfurcht und kommen mit einer bestimmten Erwartungshaltung hierher und genießen diese Räume. Für alle ist das einmalig und es ist ein Respekt vor den Räumen da.

Jörg: Ich stamme aus einer Kantorenfamilie, das heißt mein Vater war Kirchenmusiker. Ich habe einen Bezug zur Kirche, aber nicht den Glauben. Dennoch sehe ich die Kirche als etwas Einmaliges, um zur Ruhe zu kommen.

Wir sind jetzt hier in Plagwitz / Lindenau. Wie unterscheidet sich denn der Ort hier zu dem Stadtviertel, in dem Ihr wohnt?

Jörg: Ich wohne im Osten. Der Osten entwickelt sich gerade und wird etwas trendy. Plagwitz ist ja schon fast fertig und ist ein begehrtes Stadtviertel. Und der Osten braucht noch ein wenig Zeit. Es bleibt spannend, was da passiert. Hier in Plagwitz passiert kulturell schon mehr. Ich hoffe, die aus dem Osten schlagen mich jetzt nicht tot [lacht].

Christel: Der Kanal fließt hier, viele junge Leute kommen her. Es gibt viele Leute, die aus finanziellen Gründen hier gewohnt haben und vielleicht auch noch wohnen. Das waren günstige Mieten. Das hat sich verändert aufgrund der Reize, die das Umfeld bietet und der ganzen Kultur, die sich hier ansiedelt. Die ganzen alten Fabriken, die Baumwollspinnerei usw. Das hat sich alles zu künstlerischen Know-Hows entwickelt. Es ist nicht so teuer wie Dresden und zieht dadurch viel Publikum an.

Music With Friends

Gibt es für Euch einen Lieblingsplatz in Leipzig?

Christel: Mein Lieblingsplatz ist hier in der Kirche. Ich fühle mich wohl und bin von früh bis abends hier.

Franzi: Für mich ist es der Kanal und der Clara-Park. Rausgehen, spazieren, einen Ruheort suchen.

Jörg: Es ist schwer zu sagen. Ich fühle mich in Leipzig komischerweise überall wohl. Ich kann mich nicht festlegen. Ich bin sehr nachtaktiv in der Szene, gehe gern in jedes Stadtviertel. Wenn ich mal zur Ruhe kommen will, bin ich gern in meiner Jogginghose zuhause.

Stellt Euch vor, Ihr hättet alle Möglichkeiten der Welt und müsstet keine Konsequenzen für Euer Handeln tragen. Was würdet Ihr machen?

Jörg: Ich würde gern eine große Villa kaufen, unten ein Studio einbauen lassen und Bands die Möglichkeit geben für wenig Geld Aufnahmen machen zu lassen, Proberäume zu schaffen, miteinander zu wohnen. Mit einem großen Garten, in dem man Veranstaltungen machen kann. Und die Konzerte weiterhin zu organisieren.

Franzi: Mein Wunsch geht in die ähnliche Richtung. Ich hätte Lust auf ein unkonventionelles, verrücktes Haus, was man selber mit aufbaut. Vorzugsweise mit Bergen drum herum.

Christel: Die Vorstellungen ähneln sehr meinen, obwohl ich bedeutend älter bin. Ich würde mir eine Villa oder einen Dreiseitenhof holen, wo man junges und altes Wohnen verbindet, sich selber versorgt, Gemüse anbaut, miteinander lebt, die Kinder von den Jungen betreut werden und die Alten mit einbezogen werden. Ich bin schon auf der Suche, ob es so etwas gibt und man Interessensgemeinschaften findet oder ältere Leute, die noch fit dafür sind.

Music With Friends

Gibt es etwas, das Euch an Leipzig stört?

Jörg: Mich stört dieser Hype. Weil ich Angst habe, dass vieles dadurch verloren geht dieser Charme. Wir stehen in der New York Times als das ,neue Berlin‘. Das finde ich nicht gut und das macht mir Sorge. Gerade in den künstlerischen Bereichen kann viel kaputtgehen. Leipzig lebt von dieser alternativen Szene. Lass mal noch ein paar Immobilienspekulanten ihr Unwesen treiben.

Christel: Deutliches Beispiel ist der Kanal 28. Das war wunderbar und der Ort, an den wir immer gern gegangen sind. Von heute auf morgen bekommen sie die Kündigung und es wird irgendwas Neues hingesetzt. Das Alte wird missachtend weggenommen, um mehr Einnahmen zu generieren.

Vervollständigt bitte folgende Sätze:

  1. In der Philippuskirche … gibt es wundervolle Begegnungen. (Jörg)
  2. Als wir die erste Veranstaltung gegeben haben, … waren wir noch super naiv. (Franzi)
  3. In fünf Jahren … bin ich 45. (Jörg)
  4. In Leipzig … wird neben der Philippuskirche das erste Integrationshotel entstehen. (Christel)
  5. Unser Leben … könnte nie besser sein und verknüpft sich hier.