… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Kaed

Zwischen Krieg und dem neuen Leben

Kaed | war Student und Betreiber eines Computerladens | 23 Jahre | aus Syrien | wohnt im Zentrum

Seit wann bist Du in Leipzig?

Seit sechs Monaten.

Wie lange hat der Weg nach Deutschland gedauert?

Das hat sehr lange gedauert. Das war bevor die Regierungen die Wege vorgegeben haben. Als ich geflüchtet bin, musste ich alles alleine herausfinden und das war sehr, sehr schwer. Ich war zwei Monate in der Türkei, danach einen Monaten in Griechenland und dann hat es noch einen Monat nach Deutschland gedauert.

Woher wusstest Du, wohin Du gehen musst?

Das war ein großes Problem. Du musst jemanden finden, der dir sagt, wohin du gehen musst. Bevor sie dir sagen, wo es lang geht, gibst du ihnen Geld und sie schicken dich dann zu der nächsten Station. Ich bin mit dem Boot von der Türkei nach Griechenland gefahren und den Rest gelaufen. Als wir dann auf dem Festland in Griechenland waren, haben wir Gruppen gebildet und sind losgelaufen. Wir haben immer wieder Leute gefragt, wo wir lang müssen und sie haben uns geholfen.

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Wie hast Du die Entscheidung getroffen nach Deutschland zu kommen?

Ich habe angefangen mir Gedanken darüber zu machen, als mein Vater gestorben ist. Dann musste ich ausreichend Geld verdienen, damit ich und meine Familie überleben konnten. Das hat nicht geklappt, weil unser Land am Ende ist. Deshalb musste ich die Entscheidung treffen nochmal neu anzufangen, irgendwo, wo ich arbeiten kann, studieren kann und in einem Land, in das man vertrauen kann.

Du bist mit Deinen zwei kleinen Brüdern und Deiner kleinen Schwester hergekommen. Wie bist du mit den Kindern diese lange Strecke gelaufen?

Das war wirklich nicht einfach. Ich hatte Hilfe von meinen Freunden aus der Gruppe, mit der ich gelaufen bin. Manchmal hat jemand meine Schwester auf den Arm genommen, meinen kleinsten Bruder hatte ich im Rucksack und der dritte musste laufen.

Was ist für Dich mittlerweile typisch Leipzig?

Leipzig ist meiner Heimatstadt nicht sehr ähnlich. Ich habe Freunde, die mir so sehr helfen. Meine Freundin hilft mir im Moment sehr und ist einfach wunderbar.

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Vermisst Du im Moment etwas?

Es tut mir leid, aber ich vermisse gar nichts. Das Letzte, an was ich mich aus meinem Heimatland erinnere, ist Krieg und an die Situation, wie mein Bruder gestorben ist, wie mein Vater gestorben ist. Ich habe keine guten Erinnerungen mehr an Syrien, weil wir von klein auf kämpfen mussten. Wir mussten hart arbeiten, um in die Schule gehen zu können und auf der Straße kämpfen. Der Krieg hat alles weiter zerstört. Die Leute, die noch in Syrien sind, haben alles zerstört.

Was macht Dich heute glücklich?

Wenn ich meinen Bruder in die Schule gehen sehe. Das macht mich glücklich. Ich werde auch etwas für mich machen.

Was möchtest Du Dir selbst Gutes tun?

Ich möchte studieren, etwas lernen.

Was ist Dein Lieblingsplatz in Leipzig?

Die erste Unterkunft, in der ich war am Richard-Wagner-Hain. Das war wirklich sehr schön.

Was bedeutet das Wort Zuhause für Dich?

Es ist ein Ort, an dem mich jemand liebt, an dem ich träumen kann und an dem ich etwas für andere und für mich machen kann.

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Ist das im Moment Leipzig für Dich?

Ja. Ich habe hier alles, was ich brauche. Es ist unterschiedlich zwischen den Leuten. Ich hatte keine schöne Kindheit, aber wenn ich meinen Bruder sehe, der nun viele Dinge hat, die ich nicht hatte, ist das für mich genug. Meine Geschwister müssen nicht jeden Tag kämpfen und noch nicht arbeiten.

Musstest Du in Syrien kämpfen?

Wenn ich kämpfen sage, meine ich im Leben generell kämpfen. Das fängt in meinem Heimatland sehr zeitig an. Mit 8 Jahren musste ich für mich und meine Familie anfangen zu kämpfen. Es fragt keiner, was man braucht, man muss für alles selbst aufkommen.

Ist das hier anders?

Ja, es ist sehr unterschiedlich. Hier sagen die Menschen: „Willkommen.“ Das ist sehr schön.

Sind Demonstrationen wie die von Legida für Dich beängstigend?

So etwas gibt es überall. Wenn ich irgendwo hinkomme, gibt es Leute, die sagen: „Schön.“ Andere werden sagen: „Blabla.“ Ich denke darüber nicht nach.

Gibt es eine Sache, die Du selbst noch ansprechen möchtest?

Danke. Danke, dass es Menschen gibt, die uns helfen. Danke Leipzig. Ich weiß nicht, wie wir danke sagen können, wie ich danke sagen kann, aber ich hoffe, dass ich für Leipzig und für Deutschland etwas Gutes tun kann. Ich sage das nicht, weil ich nett erscheinen möchte, das ist wirklich das, was ich fühle.

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Als ich nach Leipzig gekommen bin, … waren alle Probleme, die kamen, keine wirklichen Probleme mehr.
  2. In zehn Jahren … möchte ich mit meiner Familie zusammen sein. Wenn ich das sage, meine ich Freunde, eine Frau und ein eigenes Kind.
  3. In Leipzig … läuft alles gut.
  4. Mein Leben … ist gerade sehr gut, ohne Lügner und so weiter.