… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Lars

Bassist bei LOT und Zen Zebra … und später vielleicht mal Ingenieur

Lars | Bassist bei Zen Zebra und LOT | Wirtschaftsingenieur | 30 Jahre | aus Flöha bei Chemnitz | wohnt in der Südvorstadt

Welcher Platz in Leipzig hat für Dich die größte Bedeutung?

Es gibt gewisse Orte, wie den Clara-Zetkin-Park, mit denen ich sehr viele schöne Momente verbinde – zum Beispiel Sommernachtsgrillen. Einen speziellen Platz könnte ich jetzt nicht fest machen. Ich habe keinen Platz, zu dem ich fahre, wenn ich nachdenken muss oder so.

24h Leipzig – Was darf man auf keinen Fall verpassen?

Ich würde einen Spaziergang durch den Clara-Park machen. Irgendwo im Westen auf der Karl-Heine was zum Mittag essen und abends ein bisschen feiern gehen oder was trinken gehen in einer Bar. Man könnte sich aber auch das Völkerschlachtdenkmal oder das Museum der Bildenden Künste ansehen.

Wo oder wie hast Du Leipzig lieben gelernt?

Direkt in meiner ersten Zeit. Ich bin 2004 nach Leipzig gezogen und musste mich erst einmal ein bisschen orientieren. Ich bin nach Gohlis gezogen, weil mir Bekannte eine Wohnung dort angeboten haben. Für junge Leute in Leipzig eigentlich das falsche Viertel. Wir sind oft im Westen oder in der Südvorstadt gewesen. Der Weg durch die Innenstadt mit seinen Gründerzeithäusern, die schönen Gebäude und Parks – das Gefühl hat mich seit damals nicht verlassen. Was ich an Leipzig mag, ist erhalten geblieben, sodass ich es hier gut aushalte.

Typisch Leipzig – Was ist Dir aufgefallen?

Durch die Bands kommt man viel rum. Mir ist vor allem im Norden aufgefallen, dass die Mentalität da oben eine ganz andere ist. Sehr unterkühlt. Freunde und Bekannte, die uns hier in Leipzig besuchen, sagen: „Die sind hier alle übelst freundlich.“ Wenn man hier wohnt, fällt einem das gar nicht so auf. Aber wenn man mal ein bisschen darauf achtet, kann man erahnen, was die Leute an Leipzig so besonders finden. Allgemein sind die Ostdeutschen ein sehr lockeres Volk, sehr zugänglich, für jeden Spaß zu haben. Aber auch hilfsbereit, wenn es um eine Frage geht oder jemand ein Problem hat.

Was macht die Südvorstadt aus?

Aus meiner Sicht war die Südvorstadt bis vor ein paar Jahren das beliebteste Wohnviertel für junge Leute. Der Trend hat sich mittlerweile ein gutes Stück geändert und der Westen sowie Osten sind nun gerade die heißen Ecken der Stunde. Ich sehe das immer relativ pragmatisch. Wenn ich auf Wohnungssuche war, habe ich geschaut, wo ich die kürzesten Wege habe. Da war die Südvorstadt für mich immer perfekt gelegen. Zum Feiern gehe ich meist in andere Viertel, wie den Westen oder Osten. Aber zum Leben ist die Südvorstadt einfach sehr bequem – und ich mags bequem.

Gibt es denn einen bestimmten Club, in dem man Dich oft trifft?

Eigentlich nicht. Es gibt viele schöne neue Clubs, die ich gern mag. An den Tierkliniken gibt es einen relativ neuen Club, der durch sein Konzept besticht und wo ich öfter mal vorbei schaue. Das war es aber auch mehr oder weniger im Süden. Zum Feiern dann auch wieder Osten und Westen für meinen Musikgeschmack. Auch weil diese Viertel und ihre Clubs musikalisch ein bisschen mehr am Zahn der Zeit arbeiten als die meisten Clubs hier im Süden.

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Wie hat sich Leipzig in den letzten Jahren verändert?

Ich habe gerade erst wieder festgestellt, dass die Mieten vor allem im Süden gestiegen sind. Aber das ist ja nicht nur ein Leipziger Problem. Hier wohnen wir alle im Verhältnis zu anderen Städten ja noch sehr günstig. Tja, hat sich sonst was verändert? Ich finde, Leipzig ist sich in seiner studentischen und allgemein entspannten Art relativ treu geblieben und hat sich im Vergleich zu anderen Städten eher noch zum Positiven entwickelt. Künstlerisch ist so viel passiert in den letzten Jahren, was die Stadt unglaublich interessant macht. Es gibt noch immer viele Freiflächen im Westen und Osten. Ateliers können sprießen, Proberäume können entstehen. Leipzig hat immer noch Potenzial nach oben, es gibt noch viel Raum für Kreativität.

Stell Dir vor, Du hättest alle Möglichkeiten der Welt und Du müsstest keine Konsequenzen für Dein Handeln tragen. Was würde dann für Dich das größte Glück bedeuten?

Ich muss sagen, ich bin sehr glücklich mit meinem Leben. Um etwas auszuschweifen: Ich habe meine Kommilitonen, die auch Wirtschaftsingenieurwesen studiert haben, in ihrem Job gesehen. Die mögen das alle, auch um Geld zu verdienen. Ich kann mir nicht so richtig vorstellen, aus Leipzig wegzugehen. Zumindest nicht für einen Job, für den ich Montagmorgen um 6 Uhr auf den Bau gehe und Freitagabend wieder rauskomme. Ich bekomme da wirklich Bauchschmerzen, wenn ich daran denke. Ich habe für mich entschieden, so nicht zu arbeiten. Es würde mich nicht glücklich machen. Ich bin seit ein paar Jahren in verschiedenen Projekten selbstständig, komme sehr gut über die Runden und kann mir meine Freizeit einteilen. Ich bin wunschlos glücklich und kann mich über meine derzeitige Situation nicht beklagen.

Woraus schöpfst Du neue Kraft?

Ich bin ein ziemlich schlechter Verlierer. Wenns scheiße läuft, dann passiert mir das kein zweites Mal. Natürlich muss man eine Niederlage akzeptieren, aber es ist mein Ansporn, es beim nächsten Mal besser zu machen. Aber natürlich auch das soziale Umfeld, wie Freunde und Mitmusiker. Das ist für mich ungemein wichtig.

Gibt es einen besonderen Moment, den Du mit einer deiner Bands erlebt hast, von dem Du uns erzählen möchtest?

Es gab viele schöne und einzigartige Momente. Unglaublich besonders für mich war die Libanon Clubtour 2007 mit meiner ersten Band Gammalapagos. Gammalapagos hat damals an der Bandförderung Popcamp teilhaben dürfen. Das ist eine mehrwöchige Veranstaltung, zu der jedes Jahr deutschlandweit fünf Bands eingeladen werden. 2007 hatten wir das Glück, auserkoren zu werden. Da haben wir mit mehreren Produzenten, Coaches und anderen Künstlern zusammen gearbeitet und musiziert. Allein das war schon eine großartige Erfahrung. Nach dem Popcamp haben wir dann vom Deutschen Musikrat und Goethe Institut gemeinsam eine Einladung in den Libanon erhalten. Das war eine wirkliche „Wow-Erfahrung“. 2007 war die politische Lage im Libanon durch den letzten Krieg mit Israel noch immer nicht wieder stabil und wir wussten nicht, wie gefährlich ein Aufenthalt für uns sein kann. Letztendlich wurde für uns super gesorgt, auch wenn die Spuren des Krieges vor allem in Beirut überall deutlich zu sehen waren und große Kreuzungen von Panzern unter Tarnzelten gesichert wurden. Wir wurden mehrmals vom Sohn des ehemaligen Präsidenten zum Essen nach Hause eingeladen und die Clubs waren brechend voll. Wir konnten uns die Tempel von Baalbek anschauen, eine der größten Tempelanlagen des Römischen Reiches. Das war einfach unglaublich. Jonas hat seine Kamera in einem typisch abgekämpften Taxi vergessen, in dem Seitenscheiben fehlten und die Scheinwerfer nachts nicht funktionierten. Der Fahrer hat die Kamera ins Hotel gebracht! Die Menschen waren unglaublich nett und zuvorkommend. Im Januar bin ich 3 Wochen mit LOT und Teesy auf Tour und ich freue mich auf Städte wie Salzburg und Zürich, in denen ich noch nicht gespielt habe. Da werden sicher wieder ein paar schöne Momente entstehen, wenn auch anders und nicht so impulsiv wie damals.

Besteht die Band Gammalapagos noch?

Die Band hat sich 2009 aufgelöst. Auch schon bisschen länger her. Ich vermisse es manchmal, weil es meine erste und einzige Band war, die mir musikalisch so aus der Seele gesprochen. Das war eine Mischung aus Independent mit elektronisch-technoiden Einflüssen, aber auch mit jazzigen und folkigen Anteilen. Unsere Arbeitstracks bekamen Titel wie Techno-Track, Soul-Track, und HipHop-Track. Wir haben uns alle Freiheiten genommen. Der rote Faden für ein größeres Label hat dann letztendlich dadurch gefehlt. Natürlich können Alben abwechslungsreich sein, aber wir haben es über die gesamte Zeit nicht geschafft, eine gewisse Sound-Homogenität in die Sache reinzubringen. Wir hätten unsere Einflüsse einfach konkretisieren und festlegen sollen, aber das hielten wir damals nicht für nötig. Letztendlich haben wir dann beschlossen, wir brechen das ganze Ding jetzt ab.

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Du bist noch Mitglied in anderen Bands – Welche sind das?

2009 wurde ich von Zen Zebra angefragt, die gerade einen Bassisten gesucht haben. Das hat zeitlich super gepasst, da ich quasi arbeitslos war. Wir hatten kurz davor Gammalapagos aufgelöst. Zen Zebra macht eine komplett andere Musikrichtung. Postcore – relativ harte Musik. Aber ich fands irgendwie interessant, weil ich bis dato noch nicht solche Bands gehört hatte. Ich wollte eine neue musikalische Beschäftigung, kannte die Jungs bereits und habs dann einfach ausprobiert. Nach einer Weile habe ich dann gesagt: „Ich bleibe dabei“.

2011 habe ich dann Lothar kennengelernt. Nach der Auflösung seiner Band Flimmerfrühstück schrieb er mehrere hundert Songs und hat mittlerweile ein neues Album geschrieben, was er unter seinem neuen Alias LOT im April bei Chimperator veröffentlichen wird. LOT ist mittlerweile seit zweieinhalb Jahren mein Mitbewohner, und so kam es auch, dass ich der Bassist von LOT wurde.

Des Weiteren höre ich sehr gern Techno. So habe ich mit drei anderen musik- und technoaffinen Freunden eine neue Band kreiert. Wir haben angefangen, einfach live im Proberaum Techno zu spielen und das auf dem Rechner weiter zu produzieren. Jedoch nur soweit, dass man es live auch umsetzten kann. Das Projekt heißt MY TRIP IS MY TRIP. Es ist noch relativ frisch. Es wird demnächst erste Veröffentlichungen geben. Chimperator, das Label von LOT, hatte angefragt, ob wir für die Remix EP von LOT was beisteuern wollen und so haben wir zu dem Song Packe meinen Kram einen Remix geschrieben. Außerdem werden auch erste eigene Songs demnächst veröffentlicht.

Also insgesamt drei musikalische Projekte, in denen ich momentan eingebunden bin. Es macht einfach unheimlich Spaß, sich immer wieder aufs Neue auszuprobieren.

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Letztes Jahr, … habe ich mein Studium abgeschlossen und bin sehr froh darüber, noch nicht in meinem Berufsfeld angekommen zu sein.
  2. Wenn ich nach Hause komme, … freue ich mich über meine WG-Mitbewohner in meiner Küche.
  3. Wenn ich nicht gerade Musik mache, … dann liege ich im Bett und schlafe oder bin auf dem Weg zum Club, um zu feiern.
  4. In Leipzig … ist es immer noch am schönsten.
  5. Mein Leben … mag ich.