… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Lisa

Ihr Herz schlägt für viele Städte

Lisa | English Language Professional, english-with-lisa | 33 Jahre | aus Philadelphia, USA | wohnt in Leipzig-Wiederitzsch

 

Welchen Weg bist Du bisher in Deinem Leben gegangen?

Ich bin in Philadelphia in den USA geboren. Ich habe bis ins Teenagealter in den USA gelebt und bin dann als Austauschschülerin nach Deutschland gekommen. Mir hat das ziemlich gut gefallen und für mich hat es sich dann so angefühlt, dass mein Leben in Europa sein sollte. Nachdem ich die Schule abgeschlossen hatte, habe ich mich entschlossen, dass ich mein Studium auch hier anfangen wollte. 2000 habe ich mein Studium in Leipzig angefangen. Ich habe mich anfangs für Germanistik entschieden, aber dann ist mir aufgefallen, dass ich das nicht so mag. Ich hatte nebenbei einen Dänischkurs belegt und habe mich dann entschieden, dass ich mich lieber darauf konzentrieren möchte, mehr Dänisch zu lernen. Darum habe ich mich entschieden in Dänemark zu studieren, habe aber weiterhin in Deutschland in Flensburg gewohnt. Das habe ich absolut geliebt und habe die Sprache gelernt und meinen Abschluss als Kultur- und Sprachmittler gemacht. Das qualifiziert mich Erwachsene zu unterrichten und das ist auch genau das, was ich dann auch getan habe. Später bin ich dann nach Dublin und habe dort den Master in Zweitsprachenerwerb abgeschlossen. Ende 2012 bin ich dann wieder nach Deutschland gekommen, aber für mich fühlt es sich so an, als hätte ich alle meine Sachen gepackt, aber mein Herz und meine Seele in Dublin vergessen. Für mich fühlt es sich noch immer so an, als wäre ich noch in Dublin, obwohl ich schon über drei Jahre in Leipzig bin.

Du kommst ursprünglich aus den USA und hast an verschiedenen Orten in Deutschland gelebt. Was ist vor diesem Hintergrund typisch Leipzig für Dich?

Das ist eine sehr schwierige Frage für mich. Das hat viel damit zu tun, wo ich mich selbst befinde und nicht mit der Welt um mich herum. Meine Zeit in Leipzig ist hauptsächlich durch Einsamkeit und Reflektieren geprägt. Ich habe mir eher Zeit für mich selbst genommen und bin bis jetzt weniger mit der Leipziger Szene in Berührung gekommen. Von daher kann ich schlecht sagen, was typisch Leipzig ist. [lacht]

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Wie hat sich Deine Businessidee herausgebildet?

Ich habe Erwachsenen schon seit 2002 Englischunterricht gegeben und ich schreibe Werbetexte und Übersetzungen nebenher. Unter Freiberuflern ist bekannt, dass man einmal zu viel Arbeit hat und zu einem anderen Zeitpunkt zu wenig und das ist auf Dauer sehr stressig und darum habe ich mir überlegt, dass es besser wäre, etwas Stabileres und Nachhaltigeres aufzubauen. Außerdem hat es viel damit zu tun, was ich meinen Kunden bieten möchte. In vielen Einrichtungen, auch in denen, die ich als sehr gut erachte, kommen die Lerner zu kurz, als Menschen und auch als Lerner mit eigenen Bedürfnissen. Ich möchte gar nicht behauptet, dass das etwas Schlechtes ist, das liegt einfach an den Strukturen einer Einrichtung. Ich möchte den Unterricht von den Strukturen befreien und somit den Lernenden besser helfen.

Was ist die größte Herausforderung in Deinem Job?

Ich glaube in dem letzten Jahr war einfach die größte Herausforderung eine eigene Präsenz zu gründen. Ich muss viele Sachen lernen, von den ich noch keine Ahnung hatte, zum Beispiel wie man eine Webseite erstellt, SEO oder Marketing. Es ist eine Herausforderung, sich selbst sinnvoll zu vermarkten, ohne dass man sich schleimig oder ‚salesy‘ vorkommt.

Hast Du noch Ziele im Leben?

Absolut! Ich liege noch nicht im Sterbebett! [lacht] Vor ein paar Jahren habe ich mir eine Liste mit Sachen erstellt, dass ich später glücklich sterben kann. Das Erste, was auf der Liste steht, ist ein paar Jahre in Irland zu leben. Das hat viel damit zu tun, dass meine Familie irisch-amerikanisch ist und mir war es wichtig, Zeit mit meinen Wurzeln zu verbringen. Jetzt bin ich sehr eng mit Irland verbunden. Der nächste Punkt auf der Liste war, dass ich etwas Gemeinnütziges tun wollte. Ich habe das auch getan, aber es fühlt sich so an, als hätte ich den Punkt noch nicht ganz erfüllt. Ich wollte mindestens ein Jahr Freiwilligenarbeit leisten – ich habe das neun Monate gemacht und dann hatte ich kein Geld mehr und habe wieder mit Arbeiten angefangen. Ein anderes Ziel ist es, meine kreativen Texte-Kurzgeschichten, Gedichte usw. zu veröffentlichen. Ich schreibe unter einem Pseudonym, was ich euch hier aber leider nicht verrate [schmunzelt]. Ich habe schon ein paar Sachen veröffentlicht und möchte einfach weiter in die Richtung gehen. Das letzte Ziel ist, dass ich täglich meine Spiritualität und meine Seele pflege. Aber das ist ja eigentlich ein Vorgang und kein Ziel, weil das kein Ende hat.

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Stell Dir vor, Du hättest alle Möglichkeiten der Welt und Du müsstest keine Konsequenzen für Dein Handeln tragen. Was würde dann für Dich das größte Glück bedeuten?

Es wird immer Konsequenzen geben, sonst würden wir in einer nihilistischen Welt leben. Ich denke, das größte Glück für mich persönlich würde bedeuten, dass ich an einem Ort voll Freude und Zufriedenheit lebe. An einem Ort, an dem ich in der Lage bin auf meine Vergangenheit zu schauen und nichts bedauere. Wenn ich in die Zukunft schaue, möchte ich in der Lage sein, mich eher darauf zu freuen, als davor Angst zu haben. Ich hoffe, dass die Menschen um mich herum sich wohl fühlen und ich anderen Gutes tun kann.

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Wenn ich früh aufstehe, … genieße ich die Stille.
  2. In zehn Jahren …  keine Ahnung soweit kann ich gar nicht denken. [lacht]
  3. Zuhause, … ähm, wo?
  4. In Leipzig … bin ich zwar physisch, aber mein Herz ist noch in Dublin.
  5. Mein Leben … ist schön.