… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Liv

In Gedanken mit dem Foodtruck durch Leipzig

Liv | Studentin, Foodbloggerin | 22 Jahre | aus Markkleeberg | wohnt im Zentrum-Südost, das ist ein Katzensprung bis zur Südvorstadt

Welcher Platz in Leipzig hat für Dich die größte Bedeutung?

Oh, das ist schwer. Am wichtigsten zurzeit ist der Bahnhof für mich, wegen meiner Fernbeziehung, aber eine große Bedeutung hat immer noch meine Schule (das Kant-Gymnasium), weil da so viel passiert ist – gute und auch ein paar schlechten Sachen. Aber wenn ich da vorbeifahre werde ich dann meistens ganz sentimental.

24h Leipzig – Was darf man auf keinen Fall verpassen?

Ach, am besten wäre es einfach sich in eine Straßenbahn zu setzen und irgendwohin zu fahren, vielleicht erstmal in der 11 die Karli langfahren und irgendwo aussteigen, wo es schön ist – also wo man es selber schön findet. Und dann wieder von der Südvorstadt zurück einmal in die ganz andere Richtung, ein bisschen den Norden erkunden und dann an den Karl-Heine-Kanal gehen und den Abend dann vielleicht in der Innenstadt ausklingen lassen, damit man schnell wieder zum Bahnhof kommt [lacht].

Wo hast Du Leipzig lieben gelernt?

Ich bin in Markkleeberg aufgewachsen, also der ,kleinen Schwester‘ von Leipzig. Und lieben gelernt habe ich es, als ich das erste Mal so richtig auf dem Uniriesen drauf war – was eigentlich erst relativ spät war. Dieser Blick über ganz Leipzig… das ist dann einfach so „boahr“ – da kriegt man ein bisschen Gänsehaut.

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Dunkel, feucht, verraucht – eine Leipziger Clubnacht. Was ist Dein liebster Spot?

Früher war es das Sweat. Das hat jetzt leider zugemacht. Das hat mir das Herz gebrochen. Das war wirklich mein absoluter Lieblingsclub und jetzt ist es immer noch die Tille. Da werde ich wahrscheinlich auch Silvester wieder verbringen. Das ist einfach so meins. Ich bin nicht der Nachtcafé-Gänger oder sowas. Ich brauche ein bisschen was Lässigeres, wo ich mich nicht so auftakeln muss, wo ich einfach hingehen, chillen und natürlich tanzen kann.

Typisch Leipzig – Was ist Dir aufgefallen?

Wir sind manchmal ein bisschen „typisch Ossi“, weil wir nicht gleich sofort megafreundlich sind. Ich merke es selber an mir, dass ich erst mal skeptisch bin, wenn irgendwas passiert, aber wir werden ganz ganz schnell warm mit anderen Leuten und man merkt dann, wie superfreundlich wir eigentlich sind. Und typisch Leipzig ist auch irgendwie, dass es – also es ist nicht so wie in Berlin, wo es jedem scheißegal ist, wer du bist und was du bist – nicht so eine Anonymität ist, sondern du läufst hier lang und du siehst immer irgendjemand, den du kennst. Du verlierst dich nicht in der großen Masse. Aber gleichzeitig ist es den Leuten realtiv egal, ob du jetzt in einer Jogginghose langläufst oder in einem Anzug, weil jeder wird so angenommen, wie er ist.

Was macht die Südvorstadt aus?

Die Karli ist hier für uns prägend. Das ist so unser Herzensding hier. Aber es gibt auch abseits von der Karli viele, viele kleine Läden, die sich lohnen zu besuchen. Allein Marshalls Mom. Das ist eines der schönsten Cafés, die es derzeit hier gibt.

Wie hat sich Leipzig in den letzten Jahren verändert?

Das ist so teils teils. Auf der einen Seite haben sich Viertel, gerade so wie Plagwitz, extrem zum Guten verändert. Es gibt jetzt einfach viel mehr Läden oder Wohnungen. Auf der anderen Seite passieren hier gerade Sachen, wie die Renovierung der Karli, wo ich ganz schön sentimental werde. Wenn ich diese ausgetretenen Steine vom Fußweg sehe und mir denke, dass die weg kommen – da denke ich immer puhhh nein. Es gibt gute und schlechte Seiten.

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 Wo findet man Dich an einem sonnigen Wochenende?

Zuerst in meinem Bett, ganz lange – ich schlafe aus. Und dann, wenn Flohmarkt ist auf der Agra, also immer am Ende des Monats, bin ich dort zu finden.

 Winter, lange Nächte, es ist kalt – Wo trinkst Du am liebsten ein Heißgetränk um Dich aufzuwärmen?

Wenn ich etwas trinken gehe, dann lieber um was Richtiges zu trinken – also keinen Tee. Aber so am liebsten halte ich mich derzeit im Jet auf. Das ist so eine Mischung aus Kickerbar, Shishabar und Kneipe.

Würdest Du an Leipzig etwas ändern?

Das ist eine gute Frage. Ich glaube, ich würde einfach den Einfahrtsweg nach Leipzig, wenn man mit dem Zug reinfährt, ändern. Das ist, glaube ich, wirklich der hässlichste Teil von Leipzig. Ich weiß nicht genau, was das alles ist, aber es ist abgrundtief hässlich. Das würde ich ändern.

Stell Dir vor, du hättest alle Möglichkeiten der Welt und Du müsstest keine Konsequenzen für Dein Handeln tragen. Was würde dann für Dich das größte Glück bedeuten?

Derzeit hätt ich total gern einen eigenen Foodtruck. Ich habe zwar keinen Führerschein und ich kann auch nicht Auto fahren, aber ich hätte total gerne einen eigenen Foodtruck, wo ich irgendetwas zu essen anbieten würde. Ich wüsste noch gar nicht was, aber ein Truck mit dem ich einfach so durch die Stadt fahren und den irgendwo hinstellen könnte, um mein Essen an die Leute zu verteilen.

Kannst Du uns erklären, was ein Foodtruck ist?

Man kennt es vielleicht aus den USA. Das sind meistens umgebaute Lieferwagen oder Schulbusse und dort ist eine Küche integriert, wo dann einfach das Mittagessen oder Abendessen – meistens für Firmen auf dem Firmengelände – ausgeschenkt wird und somit verdienen manche Leute ihr Geld und machen andere Leute satt.

Woraus schöpfst Du neue Kraft?

Aus meinen Katzen jetzt gerade. Und sonst wahrscheinlich aus meinen Freunden. Wir treffen uns jeden Donnerstag, schon seit unserer Schulzeit. Das ist so mein Ruhepol.

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Wenn Du eine Sache in unserer Gesellschaft ändern könntest, was wäre das?

Wenn ich darüber nachdenke, würden mir viele, viele Sachen auffallen, die mich in letzter Zeit sehr gestört haben. Man kann jetzt die großen Sachen nennen, wie die Armut und den Welthunger und alles. Aber hier und jetzt stört es mich, dass der respektvolle Umgang zwischen Eltern und Kindern verlorengeht. Das merke ich an meinen Freunden. Die werden Lehrer und erzählen mir, wie wenig sich die Eltern um die eigenen Kinder kümmern. Ich würde mir wünschen, dass man sich einfach mehr Zeit füreinander nimmt.

Was ist im Moment Deine größte Leidenschaft?

Zurzeit sicherlich das Bloggen. Es ist einfach so, dass ich mich damit am besten ausdrücken kann. Ich schreibe total gerne und beim Essen – da kann ich die Menschen erreichen. Also wenn ich Freunde einlade und wir essen etwas Leckeres zusammen, dann ist jeder glücklich und das ist das, was mich glücklich macht.

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Ein besonderer Moment, von dem Du uns berichten möchtest?

Was mich jetzt wirklich in der letzten Zeit am glücklichsten gemacht hat, war, dass meine Oma mich abends mal anrief und mir gesagt hat, dass sie bei ihrer Nachbarin war. Ich hatte ihr damals eine Visitenkarte von meinem Blog Thank you for eating gegeben. Und sie hat angerufen und meinte, sie hätte bei der Nachbarin meinen Blog angeschaut und das war das erste Mal in 3 Jahren, dass sie meinen Blog gesehen hat und sie meinte: „Das finde ich so toll. Das machst du so schön.“ Das war für mich so: „Jaaa!“ Das ist viel mehr wert als 1000 Fans auf Facebook, wenn die Oma sowas sagt. Und sie meinte dann: „Immer wenn ich jetzt zu meiner Nachbarin gehe, dann muss ich nur einmal klicken und dann habe ichs gleich offen.“ Also sie hat das wahrscheinlich als Lesezeichen oder so gespeichert [lacht].

 Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Wenn ich groß bin, … dann wünsche ich mir manchmal, wieder klein zu sein.
  2. Letztes Jahr … war der Winter irgendwie scheiße.
  3. Wenn ich abends ins Bett gehe, … dann ist das Licht meistens schon aus.
  4. Wenn ich jemand Neues kennenlerne, … dann wirke ich meistens ganz schön aufgedreht.
  5. Am Bahnhof … treffe ich jedes Wochenende meinen Freund.
  6. Wenn ich koche, … dann höre ich ganz laut Musik.
  7. In Leipzig … kann man am schönsten leben.
  8. Mein Leben … ist derzeit genau so, wie ich es mir wünschen würde.