… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Marcus

Hat Spaß am Leben

Marcus Hendel | Personalleiter bei Mercateo | 42 Jahre | aus dem 'Bermuda-Dreieck' zwischen Leipzig, Dresden und Chemnitz | wohnt in Zentrum Süd

Wir sind heute am Markleeberger See, weil das ein Ort ist, an dem Du Dich gern aufhältst. Was hat es mir diesem Ort auf sich?

Ich genieße es, nach einem spannenden und aufregenden Arbeitstag den Kopf freizukriegen. Segeln ist mein Hobby und demnach nutze ich meine freie Zeit ab und zu dafür, um in den Markleeberger See zu stechen. Für mich ist das Segeln eine gute Kombination aus Entschleunigung und der Abhängigkeit von Wind und Wetter.

 

Was machst Du in Deiner Freizeit, wenn gerade mal kein Wind zum Segeln da ist?

Meist bekomme ich dann bei einem Spaziergang im Wald meinen Kopf frei. Das ist etwas, das man allein oder mit Familie und Freunden zusammen tun kann. Und um wieder ein wenig Beschleunigung in meine knappe Freizeit zu bringen, mache ich Musik in einer Coverband. Dafür ist meist der Freitag- und/oder Samstagabend geblockt, um mit den Top-Hits der vergangenen 60 Jahre Bierzelte und andere Feierlichkeiten zu bespielen. Unser Repertoire reicht dabei von den Rolling Stones über a-ha bis hin zu R.E.M.

 

Wie heißt Eure Band und seit wann bist Du dabei?

In den 90er Jahren gab es eine Retrophase, wo die Leute sich wieder an ihren Jugendtanz erinnert haben. Und so haben wir das mit unserer Band RBII wieder aufleben lassen und ich bin seit mittlerweile 22 Jahren dabei. Der Name RBII leitet sich von der Band unserer Großeltern ab.

 

Spielst Du ein Instrument?

Ja, ich habe sehr früh angefangen, Klavier und Trompete spielen zu lernen. Eine Trompete brauchte es aber in der Band nicht, demnach widme ich mich nur noch den Tasten am Keyboard.

 

Wo trinkst Du in Leipzig am liebsten Dein Bier?

Hin und wieder gern mal im Tonelli’s, das auch ganz in der Nähe unseres Büros ist. Ich mag das Konzept der Live-Musik-Kneipe. An fünf oder sechs Tagen in der Woche gibt es dort Auftritte von Live-Bands. Das reicht vom Rock’n’Roll bis zu experimentellerer Musik. Ich finde es ganz schön, nach Feierabend gute oder interessante Musik zu hören. Ansonsten bietet die Südvorstadt genügend hippe und spannende Locations, wo man den Feierabend ausklingen lassen kann.

 

Hast Du Dich bewusst dafür entschieden in Leipzig zu wohnen oder brachte das Dein Job mit sich?

Ich habe mich bewusst dafür entschieden. Leipzig ist keine große Metropole, sondern sehr überschaubar und trotzdem bietet die Infrastruktur alles, was man braucht. Genauso schnell ist man aber auch draußen im Grünen, wenn man das möchte.

 

Welche ist Deine Liebslingsjahreszeit in Leipzig und warum?

Nach den kalten und meist verregneten Wintertagen in Leipzig freue ich mich am meisten über den Frühling. Bei einem Spaziergang kann man sehen, wie die Natur erblüht und der Vitaminhaushalt kommt wieder in Wallungen. Man schätzt solche Spaziergänge durch die Natur heute wesentlich mehr als damals mit 18 Jahren.

 

Wer warst Du mit 18?

Ich war ein Suchender, weshalb ich mich damals für ein Psychologiestudium entschieden habe, da ich mich und andere verstehen wollte. Das Finden habe ich allerdings aufgegeben, denn das muss ich nicht mehr. Ich war mit 18 wild und ein Berufsrevoluzzer, der viele Dinge in Frage gestellt hat. Mittlerweile ist bei einigen Dingen die Einsicht gekommen, aber ein paar Fragen bleiben weiterhin offen in Bezug auf Gesellschaft und Veränderung.

 

Was beschäftigt Dich dabei am meisten?

Das Zusammenleben von Gesellschaft in Gesellschaft und alles, was sich unter dem Label ‚Diversity‘ fassen lässt – auch über politische Konnotationen hinaus. Das ist das, was unsere Gesellschaft ausmacht und wo es noch immer Aufklärungsbedarf gibt. Viele Dinge, die ich als selbstverständlich betrachten würde, sind für andere noch keine Selbstverständlichkeit.

 

Was würdest Du an unserer Gesellschaft gern verändern, wenn Du könntest?

Ich würde mir wünschen, dass wir wieder lernen miteinander zu reden anstatt übereinander. Durch unseren Medienkonsum gingen bestimmte ‚Antennen‘ wie Empathie verloren, was ein gutes Miteinander ausmacht. Man sollte die Themen und Probleme der anderen erkennen, reflektieren und sich den anderen mit seinen eigenen Themen öffnen.

 

Kennst Du ein positives Beispiel, bei dem Du denkst, dass sich Deine Idee so umsetzen ließe?

Ich habe Bekannte, die sich bei dem KosmosFestival engagiert haben. Das war ein Musikfestival, das ein wenig von dem Druck, der zur Zeit in Chemnitz anzutreffen ist, ablenken sollte. Wenn sich aber das Programm anschaut, merkt man, dass da viel mehr dahintersteckt als nur ein Konzert mit Bands. Das fand ich gut, denn das war eine ganzheitliche Betrachtung des Themas und zeigte, dass man gemeinsam Projekte vorantreiben und man sich für andere Meinungen öffnen kann.

 

Wie greift Ihr das Thema in der Firma auf?

Wir haben viele Workshops, bei denen wir uns das Thema Diversity auf die Agenda geschrieben haben. Uns geht es dabei nicht darum, die Meinung unserer Mitarbeiter umzubilden, sondern wir wollen mit ihnen über das Thema ins Gespräch kommen. Wir möchten Akzeptanz wecken und vermitteln, dass es eben viele Religionen und Lebensweisen gibt, die uns zu dem machen, was wir sind. Wir sind eine bunte Truppe, die noch viel mehr Diversity verträgt und sich trotzdem als starke Gemeinschaft sieht und sich für die Beteiligten Gruppierungen starkmachen kann.

 

Was sollte man in Leipzig alles gesehen haben, wenn man 24 Stunden hier verbringt?

Man sollte unbedingt auf dem Uni-Riesen gewesen sein, um sich einen Überblick zu verschaffen und zu sehen, wie groß und klein Leipzig in der Realität ist. Auf einer Hop-On-Bustour kann man die üblichen verdächtigen Touri-Fallen einmal im Vorbeifahren sehen. Plagwitz sollte man als Kunst- und Kulturszene auch einmal gesehen haben. Die Seen im Süden sollten man sich anschauen und vielleicht noch ein paar spannende Museen. Und zum Ausklang kann man abends in der Frau Krause eine Soljanka essen gehen.

 

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Mein Zuhause … ist da, wo früh meine Zahnbürste steht.
  2. Wenn ich auf dem Wasser bin, … muss ich entweder meinen Kurs anpassen oder kann einfach bei Windstille in den Himmel schauen.
  3. Wenn ich mit meiner Band unterwegs bin, … ist das eine andere von Entertaining, als das, was ich als Personaler den ganzen Tag tue. Aber trotzdem erreich ich Menschen.
  4. In Leipzig … steht meine Zahnbürste und darum fühle ich mich hier zu Hause. 
  5. Mein Leben … macht mir ganz viel Spaß und soll irgendwann für mich und vielleicht auch für andere ein sinnstiftendes gewesen sein.