… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Maria

Das „allesfreundliche“ Leipzig

Maria | Veranstaltungskauffrau | 30 Jahre | geboren in Sankt Petersburg | 13 Jahre auf der Eisenbahnstraße aufgewachsen | wohnt in Gohlis

Du bist eine der Veranstalterinnen von Lumière Bleue. Was hat Euch dazu bewegt, die Veranstaltung ins Leben zu rufen?

Wir haben vor zehn Jahren schon angefangen, Veranstaltungen aus den Bereichen Grufti/Punk zu organisieren. Wir haben da ein sexuell sehr offenes Publikum, das sich aber auf anderen Veranstaltungen nie wohlgefühlt hat. Wir dachten uns dann irgendwann, dass es schade ist, irgendwo hinzugehen, wo man sich nicht wohlfühlt – wo das Publikum uns nicht akzeptiert, wo man schief angeschaut wird. Also haben wir eine Veranstaltung gegründet, wo Leute wie wir sich wohlfühlen und jeder sein kann, wie er ist.

Du hast eben gesagt „Leute wie wir“ – was bedeutet das für Dich?

Leute, die aus dem Konzept fallen. Individualisten. Leute, die sich ausleben, die nicht mit dem Strom schwimmen. Eigentlich ist es blöd, wenn man sich separiert, denn es gibt kein „Ihr“ oder „Wir“.  Es geht ganz einfach um Leute, die offen sind und Leute, die weniger offen sind.

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 Wenn ich Lust habe am Samstag vorbeizuschauen was erwartet mich im IFZ?

Das IFZ ist mittlerweile mehr für Techno bekannt. Wir sind da musikalisch ein bisschen anders. Normalerweise bauen wir immer eine Performance mit ein, sodass man live etwas miterlebt. Leider wird es diesmal keine Performance geben, aber dafür haben wir drei Floors, die musikalisch sehr breit gefächert sind. Es gibt einen Floor, der tatsächlich etwas härteren Techno spielt. Auf den anderen haben wir Gast-DJanes aus Berlin und Paris und zwei aus Leipzig. Zum einen Claire, die relativ bekannt in Leipzig ist. Sie macht so Elektropop und gut tanzbares Zeug. Und Schicka’a’delic, die auch ganz tanzbaren Kram macht. Es ist einfach nur eine ganz große Party auf drei Floors.

Wer ist alles willkommen?

Alle, die nicht homophob sind, nicht sexistisch, nicht rassistisch, … – und man könnte die Kette ewig fortsetzen. Jeder, jede, der, die, das, weltoffen ist.

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Was ist für Dich eine der schönsten Seiten an Leipzig?

Leipzig ist großartig. Leipzig zählt in Deutschland statistisch gesehen zu den Städten mit der höchsten Lebensqualität. Und ich glaube, das liegt tatsächlich an der Offenheit der Leipziger. Gerade die etwas jüngere Generation ist unglaublich migrantenfreundlich, „allesfreundlich“ und superweltoffen. Die ganze Veggie-Kultur. Das ist großartig und eine schöne Entwicklung.

Du wohnst jetzt in Gohlis und bist auf der Eisenbahnstraße aufgewachsen. Vermisst du etwas von der Eisenbahstraße in Gohlis?

Es nimmt sich nicht viel. Es sind beides sehr ruhige Viertel. Mittlerweile ist in der Ecke Eisenbahnstraße kulturell mehr los. Gohlis ist ja eher so naja. Aber wenn man ständig damit zu tun hat, ist man froh, wenn man mal nicht soviel um sich herum hat. 13 Jahre Eisenbahnstraße und ich hatte nie Probleme. Ich hatte ein einziges Mal einen Konflikt vor meiner Haustür und das waren deutsche Nazis, die mich nach Schutzgeld erpresst haben.

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Gibt es eine Sache, die Du in unserer Gesellschaft ändern würdest, wenn Du es könntest?

Da gäbe es so vieles zu ändern. Ein sehr geläufiges Problem ist, dass die Menschen ein bisschen das Ziel vor Augen verloren haben, dass jeder um sich herumschaut und zu wenig auf das, was man selbst schafft, wie man ist, wie man zu anderen ist und was man ist. Man vergleicht sich viel mehr mit anderen, um von seinen eigenen Defiziten abzulenken. Das ist ein sehr gängiges Problem.

Wenn Dir alle Türen offen stehen würden und Du alle Ressourcen hättest, welchen Wunsch würdest Du dir erfüllen?

Mir selbst würde ich keinen Wunsch erfüllen, weil ich dafür eine viel zu geringe Rolle in diesem ganzen globalen Ding spiele. Aber wenn mir alle Ressourcen zur Verfügung stehen würden, würde ich sehr vieles auf globaler Ebene ändern. Wenn es da funktioniert, dann geht es dem Einzelnen auch gut.

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Am Samstag … freue ich mich über jeden Einzelnen, der da ist.
  2. Im IFZ … ist es sehr dunkel.
  3. Meine Familie … ist mir sehr wichtig.
  4. In Leipzig … fühlt man sich manchmal wie auf dem Dorf.
  5. Mein Leben … ist viel zu kurz.