… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Marie

Vom Sonnenschein begleitet durchs Leben

Marie | Unternehmerin im Bereich der Personal- und Organisationsentwicklung | 30 Jahre | aus Leipzig | wohnt in der Südvorstadt

Was ist Dein Lieblingsplatz in Leipzig?

Es gibt so viele schöne Orte, an denen man sich wohlfühlen kann. Ich arbeite relativ viel und wenn ich dann morgens – egal bei welchem Wetter – aus der Südvorstadt durch den Clara-Park ins Bachviertel fahre, sind das sehr wertvolle Momente. Dazu kommt auch noch, dass Leipzig für mich ein unglaublich sicherer Ort ist. Ich bin vorgestern erst aus Panama wiedergekommen, wo ich vor 13 Jahren als Austauschschülerin gelebt habe. Dann komme ich wieder hierher und fühle mich so unglaublich wohl. Das sind die Schönheiten, die gar nicht so recht zu benennen sind, die die Stadt zu bieten hat. Diese Freiheit und Sicherheit.

Was hat Dich als Urleipzigerin dazu bewegt in Leipzig zu bleiben?

Ich war in der Schule im Austauschjahr in Mittelamerika und dann war ich zum Studium nur in Dresden. Dann bin ich nach Paraguay, Sri Lanka und Budapest gegangen. Als ich mit dem Studium fertig war, stand alles offen. Dann kam die Frage meiner Mutter, ob ich mir vorstellen könnte nach Leipzig zu kommen, weil meine Oma schwer dement geworden ist. Wir haben sie nach Leipzig geholt und sie in ein Altenheim einquartiert. Das war der Auftakt einer unglaublich schönen Verabschiedungsprozedur. Wenn man als alter Mensch einmal Demenz hat, geht der Weg nicht mehr zurück, sondern nur noch Richtung Tod. Den Weg konnten wir aber gemeinsam mit ihr gehen. Mein Bruder ist damals auch extra in Leipzig geblieben. Er war mit der Schule fertig und hatte ,nur‘ in Halle angefangen zu studieren. Letztendlich haben wir die Pflege meiner Oma übernommen und haben noch drei richtig schöne letzte Jahre mit ihr verbracht. In der Zeit habe ich hier meinen Master gemacht. Dann habe ich im letzten Studienjahr angefangen bei Zarof als Praktikantin zu arbeiten und bin darin dort hängen geblieben. Ich bin jeden Tag richtig glücklich mit dieser Entscheidung, weil die Stadt einfach ein unglaubliches Faszinosum auf mich und auch offensichtlich auf so viele andere hat.

Marie

Was hat sich zwischen dem Leipzig, was Du aus deiner Kindheit kennst, und dem Leipzig, wie wir es jetzt kennen, verändert?

Leipzig ist jetzt auf einmal cool und hip. Was ich schön finde ist, dass es voller Leute ist, die eigentlich nicht von hier sind, aber das genauso auch lieben und schätzen, wie es hier ist. Daraus hat sich eine nette Infrastruktur aus Bars und Kneipen entwickelt. Von der kann man natürlich auch super profitieren, wenn man hin und wieder einen After-Work-Drink braucht.

Hast Du noch einen Wunsch an Leipzig?

Ich würde mir manchmal wünschen, dass die Leute cooler sind. Dieser ganze rechte Dunst, der über dieser Stadt bzw. Sachsen liegt, dass der sich verzieht und das was auch als jung und cool und hip wahrgenommen wird, dass sich das auf alle erweitert. Ich nehme das als eine sehr erschreckende und auch sehr ernüchternde Tendenz war, was in diesem Bundesland und auch in dieser Stadt in dieser Hinsicht passiert.

Außerdem würde ich mir manchmal wünschen, dass die Menschen mehr nachdenken, wenn sie zum Beispiel Straßen bauen. Der Kreisverskehr an der Beethovenstraße ist das sinnloseste Bauprojekt, was ich mir vorstellen kann. Es wurde unglaublich lange daran gebaut und jetzt gibt es nicht mal einen Fahrradweg, weshalb mehr oder weniger alle dem Tod von der Klippe springen, wenn sie einmal im Kreisverkehr sind.

Marie

Stell Dir vor, Du hättest alle Möglichkeiten der Welt und Du müsstest keine Konsequenzen für Dein Handeln tragen. Was würdest Du dann tun?

Ich würde, wie so viele, erstmal ein bisschen weg und reisen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich dann wieder hierherkommen würde und mich vielleicht sogar langfristig politisch engagieren würde, um etwas für die Stadt zu erreichen.

Wie hast Du es geschafft über einen richtigen Tiefpunkt hinwegzukommen?

Ich habe es immer gut gehabt im Leben. Deswegen hatte ich nicht so viele Tiefpunkte und bin immer etwas vom Sonnenschein begleitet durchs Leben gegangen. Wenn es mir mal nicht gut geht, sehne ich mich sehr danach wegzugehen und einfach mein eigenes Ding völlig unabhängig von meinen Freunden und meiner Familie zu machen, um herauszufinden, wer ich wirklich alleine bin. Ich versuche mir das manchmal im Kleinen zu erfüllen, selbst wenn es nur ein Abend allein zu Hause ist. Da kann ich mich sehr gut sammeln und finden und mir meiner Stärken bewusst werden. Außerdem habe ich das große Glück, eine großartige Familie und coole Freunde zu haben, die mich immer auffangen. Ich habe auch einen sehr netten Freund, der da auch seinen Anteil zu beiträgt [lacht].

Was macht Dich jeden Tag glücklich?

Mich macht jeden Tag glücklich, dass ich eine ziemlich erfüllende Aufgabe im Leben, was meine Arbeit anbelangt, habe. Dort schaffe ich Dinge, die wiederum Auswirkung auf die Arbeit anderer Menschen haben, im günstigsten Fall eine positive. In diesem Fall bekomme ich auch positive Rückmeldung und das ist durchaus beglückend. Was mich auch sehr glücklich macht, ist diese Freiheit, mit der ich entscheiden kann, was ich als nächstes machen kann. Wenn ich sage, dass ich mal ein Sabbatical für drei Monate machen möchte, ist das alles organisatorisch möglich. Ich kann hier sein und voll und ganz aufgehen, kann dem aber auch entfliehen und mich woanders installieren. Das ist sehr schön ausgewogen. Was mich am meiste glücklich macht ist, dass es keine Grenzen gibt und nur ich allein dafür verantwortlich bin, den nächsten Schritt zu machen und das entscheiden kann.

Marie

Gibt es eine Sache, die Du selber gerne ansprechen würdest?

Vielleicht die Zukunft Leipzigs. Ich habe mir jetzt nicht unendlich viele Gedanken gemacht, aber ich frage mich schon, wenn man sich die Bevölkerungsprognosen anschaut, dass es bis 2020 750.000 Leute sein sollen usw. Da frage ich mich schon, ob Leipzig seinen Charme behalten kann, weil gerade das, was es ausmacht, der günstige Wohnraum ist. Wir merken alle wie der sich auch jetzt schon verändert hat. Es ist nicht mehr so einfach eine Gründerzeitbutze für 300 Euro zu schießen. Wenn wir grillen haben wir nicht mehr alle Platz auf der Wiese. Da frage ich mich schon wie das jetzt werden wird, wenn Leipzig immer voller und voller wird. In Berlin finde ich es zum Beispiel auch sehr, sehr stressig, weil ich das Gefühl habe, dass jeder sehr auf sich allein gestellt ist. Da kommt auch ein relativ hoher Aggressionsgrad für mich rum. Das ist hier immer alles noch so nett, weil jeder noch so entspannt ist. Auf der anderen Seite sehe ich auch ein riesiges Potential darin, wenn viele spannende, schlaue Leute in die Stadt kommen und das städtische Leben mit ihren Ideen bereichern.

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. In fünf Jahren …  möchte ich noch genauso unbefangen, glücklich und frei sein wie heute.
  2. Gestern …  war Dienstag. Da war ich erst arbeiten, dann habe ich mich mit einer Freundin auf ein Eis getroffen hier im Park. Dann war ich essen und anschließend im Sommertheater im Grassi und das war sehr nett.
  3. Wenn ich nach Hause komme, …  bin ich glücklich darüber, dass ich auch mal zu Hause bin und freue mich, wenn mein Freund da ist.
  4. In Leipzig …  kann man sehr frei und sehr glücklich sein.
  5. Mein Leben …  ist ziemlich gut so wie es ist und soll auch so bleiben und daran glaube ich ganz fest.