… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Reudnitz: Ist das die Gentrifizierung?

Martin Meißner | Azubi im Büromanagement | 27 Jahre | gebürtiger Leipziger | wohnt in Reudnitz

Welcher Platz in Leipzig hat für Dich die größte Bedeutung?

Puhh, also ich würde schon sagen, der Lene-Voigt-Park ist mein Lieblingsplatz und der Platz, wo ich mich häufig aufhalte und den ich oft durchquere. Der hat immer seinen Charme – immer anders mit jeder Jahreszeit. Im Winter ist es das weiße, weite Land, wenn man so will. Es ist immer so eine freie Fläche – im Gegensatz zu allen anderen Parks. Und wenn man Pech hat, ist es die Rutschpartie.

24h Leipzig – Was darf man auf keinen Fall verpassen?

Das Völkerschlachtdenkmal von oben. Am besten abends beim Sonnenuntergang. Man sollte sich einfach ein Fahrrad schnappen und die Stadt durchqueren und ansonsten das ganze Touri-Zeug: einfach mal durch die Innenstadt schlendern, die ganzen Passagen und so weiter. Er sollte aber nicht den Fehler machen und dort in irgendeine Kneipe gehen.

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Wo sollte man denn besser hingehen, um ein Bier oder einen Wein zu trinken?

Substanz ist natürlich immer ganz nett, das 4rooms, aber ich weiß nicht, ob das was für Touris ist. Ich gehe ganz gern zum Franzosen dort – das wäre dann doch wieder Innenstadt. Das wäre so meine Empfehlung oder halt so für richtig sächsisch, gutbürgerlich und richtig geiles Bier, wäre der große Gasthof und Gosebrauerei Bayerischer Bahnhof. Das ist zentral, aber nicht in der Innenstadt, aber voll mit Einheimischen.

Wo oder wie hast Du Leipzig lieben gelernt?

Ach, immer wieder aufs Neue. Ich fahre auch gern in andere Städte und lebe mich da in superkurzer Zeit ein und freue mich dann und mag das auch. Aber wenn man wieder nach Leipzig kommt, schon am Hauptbahnhof aussteigt und das pulsierende Leben dort erlebt, dann ist das immer wieder schön. Abends durch die Brücke … – lässt sich schlecht sagen. Also wirklich immer wieder aufs Neue. Es gibt keinen Moment, wo ich sage: Das ist es! Liegt auch daran, dass ich schon immer hier war.

Typisch Leipzig – Was ist Dir aufgefallen?

Grundsätzlich freundlich eigentlich. Jetzt aber auch nicht superoffen oder so, aber trotzdem freundlich. Schwierig zu sagen. Ich komme halt von hier. Für mich ist das ganz normal. So eine Auswärtsperspektive, die ich habe, wenn ich z. B. nach Berlin komme und denke: Man sind die alle scheiße drauf. Und dann in Hamburg überrascht zu sein, dass die da auch nett sind – das ist für mich schwierig zu sagen. Für mich ist das halt normal.

Was ist an Reudnitz besonders?

Besonders an Reudnitz war zumindest immer, dass es nicht besonders ist. Es war immer voll normaler Menschen und mittlerweile ist es ein Stadtteil im Wandel, also auch dieser Normalteil. Früher, nach der Wende, war es voll mit Nazis und wirklich dunkel und dreckig, wenn man so will. Dann war es voll mit Studenten und Familien und so weiter und mittlerweile sind es wirklich immer mehr Studenten, immer mehr junge Familien. Also sonntags, wenn die Sonne scheint, stehen die Leute an der Rutsche an. Es ist halt fast alles saniert zu moderaten Mieten. Man kann hier ganz gut leben. Es ist sehr zentral. Fürs tägliche Leben ist es ganz wunderbar.

Wünscht Du Dir eine Veränderung für Reudnitz?

Nö.

Stell Dir vor, Du hättest alle Möglichkeiten der Welt und Du müsstest keine Konsequenzen für Dein Handeln tragen. Was würde dann für Dich das größte Glück bedeuten?

Ruhig, satt und zufrieden neben meiner Freundin einzuschlafen.

Woraus schöpfst Du neue Kraft?

Einer kalten Flasche Bier [schmunzelt].

Wenn Du eine Sache in unserer Gesellschaft ändern könntest, was wäre das?

Rassismus.

Wie ist denn Dein Hobby dunkeldreckig.de entstanden?

Aach – wie entsteht so was? Also, das war nicht großartig geplant. Das war vor anderthalb Jahren. Da hat hier der vegane Späti „zu spät“ aufgemacht. Ich habe einfach aus Gag, um eine Freundin zu ärgern, eine Facebookseite gegründet: Dunkel Dreckig Reudnitz. „Gentrifizierung – Nein danke“ und so. Deren Familie gehört ein Haus und sie haben sich gefragt, „wenns jetzt anfängt mit veganen Spätis: Ist das die Gentrifizierung?“ Ja, jetzt klopft sie an, jetzt kommen noch die Galerien und hör mir auf. Ja, und nach und nach haben tatsächlich Leute die Seite gelikt, obwohl ich da nie was gemacht habe. Dann habe ich halt auch mal ein, zwei Fotos gemacht. Es wurden immer mehr Leute, die das liken. Und dann habe ich gedacht: „Ach, ich habe mal Lust zu bloggen.“ Auch einfach, weil ich ein großer Fan der Seite Heldenstadt.de bin und da immer die Leipziger Blogs gezeigt werden – passt ja ganz gut eigentlich. Und dann habe ich den Blog aufgesetzt und das läuft jetzt so.

Was hat es mit der Blumenkastenstory auf sich?

Die Hummelbienchen hatten Blumenkästen, die ihnen mehrfach gestohlen wurden. Eines Tages schrieben sie mich an um ihren Frust loszuwerden. Ich entschied mich dazu, ihnen einfach neue Blumenkästen hinzustellen. Das Basteln aus Gemüsekisten war zwar deutlich schwieriger, als ich ursprünglich dachte, das Resultat kann sich aber durchaus sehen lassen. Leider wurden die Kästen nur für eine Woche in Ruhe gelassen. Eine Kiste ist verschwunden, wurde aber von einem Reudnitzer wiedergebracht. Warum das Ganze zu so einer großen Geschichte wurde, über die es sogar eine halbe Seite in der LVZ gab, kann ich mir nicht erklären.

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Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Wenn ich groß bin, … dann bin ich genauso planlos wie heute.
  2. Nächstes Jahr … wird auch schön.
  3. Wenn ich abends ins Bett gehe, … dann bin ich vorher wahrscheinlich schon auf der Couch eingeschlafen.
  4. Wenn ich jemand Neues kennenlerne, … dann gehe ich offen auf ihn zu.
  5. Meine Familie … finde ich ganz gut, aber muss nicht so oft sein.
  6. Wenn ich am Computer sitze, … ist es ein ganz normaler Tag.
  7. In Leipzig … bin ich geboren und möchte weiterhin zufrieden leben.
  8. Mein Leben … läuft nicht immer gerade, aber grundsätzlich bin ich ganz zufrieden.