… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Matthias Lehmann

„Jetzt kommt er wieder an und will socializen.“

Matthias Lehmann | Vorstand bei der Saxess AG | 35 Jahre | aus der Region Halle | wohnt in Gohlis-Süd

Wann hast Du Leipzig endgültig lieben gelernt?

Nach dem Studium, als ich nach Leipzig gezogen bin. Auch nicht sofort. Vor allem nach dem Vergleich mit anderen Städten. Ich bin recht viel in Deutschland und anderen Städten unterwegs. Da kann ich immer ganz gute Vergleiche ziehen. München ist auch eine schöne Stadt, also gewisse Bereiche, ebenso Hamburg. Meine Frau und ich hatten aus beruflichen Gründen parallel dreieinhalb Jahre eine Wohnung in Berlin. Dadurch konnte ich immer den direkten Vergleich zwischen Berlin und Leipzig ziehen. Aber nach einem Wochenende Berlin war ich schon immer froh, wieder in Leipzig anzukommen. Da merkt man erstmal richtig, was man hat.

Was ist im Vergleich zu Berlin typisch Leipzig?

Leipzig hat den Vorteil, dass man immer unmittelbar im Zentrum und direkt im Grünen ist. Ich erreiche alles per Fuß oder Fahrrad. Ebenso fasziniert mich immer die wunderschöne Architektur der Stadt. Das ist das, was es so attraktiv für mich macht. In Berlin war es okay. Man ist immer auf die U-Bahn angewiesen und die Architektur der Gebäude ist nur halb so schön. Berlin hat natürlich auch zahlreiche schöne Seiten, wie Parks, kulturelle Angebote oder preiswerte und gute Restaurants, so ist es nicht, aber Leipzig bietet aus meiner Sicht alles, was man benötigt. Viel zu viel Shopping [lacht], aber auch kulturelle Vielfalt sowie Parks und Seen zum Erholen.

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Du bist im Vorstand eines Software-Unternehmens. Die Programmierer wachsen nicht an Bäumen. Was tut Ihr dafür, um eure MitarbeiterInnen zu halten?

Wir stehen bereits relativ früh in Kontakt zu den Unis. Das heißt, wir haben im Schnitt ein bis zwei Studenten, die bei uns meistens mit einem Praktikum beziehungsweise einer Werkstudententätigkeit beginnen und anschließend ihre Bachelor- oder Masterarbeit bei uns schreiben. Das war in den letzten Jahren häufig der Fall und alle Praktikanten, die bei uns ihre Abschlussarbeit geschrieben haben, konnten wir danach glücklicherweise für uns gewinnen. Oft können wir auch durch positive Empfehlungen von unseren eigenen Mitarbeitern, gegenüber Freunden und Verwandten, neue Mitarbeiter gewinnen.

Wie schätzt Du die Startup-Szene und die wirtschaftliche Situation in Leipzig ein?

Die wächst, aber schläft noch. Es wird besser. Natürlich, wenn man den Vergleich zu den alten Bundesländern zieht, ist Leipzig immer noch von der Wirtschaftskraft deutlich geringer aufgestellt. Wenn man  Sachsen für sich betrachtet, dann ist Leipzig ähnlich wie Dresden natürlich ganz weit vorne aufgestellt. Wir sehen es ja immer an den Zahlen und statistischen Berichten. Was fehlt, sind große Mittelständler und Konzerne, die auch hier tatsächlich eine Niederlassung haben und auch hier Steuern lassen. Aber von der Startup-Szene her entwickelt sich Leipzig gut. Vor allem in der Kreativszene, welche seitens der Stadt Leipzig in den letzten Jahren auch verstärkt unterstützt wird. Ich glaube, generell wird die Startup-Szene in Deutschland immer bekannter und es ist mittlerweile hip zu gründen.

Wenn Du alle Ressourcen hättest, die es gibt und Du müsstest keine Konsequenzen für Dein Handeln tragen, welchen Wunsch würdest Du Dir erfüllen?

Ich unterstütze gerne Personen oder Personengruppen wirtschaftlich gesehen. Das ist auch ein bisschen mein Hobby. Wie kann man Rahmenbedingungen für Ideen entwickeln, die nicht in den ersten fünf Jahren nachhaltig oder wirtschaftlich sinnvoll sind? Wo man sagt, die können gewisse Prozesse oder Dinge, die aktuell existieren, komplett ändern. Ich selbst bin nicht der Typ dafür, aber ich finde das grundlegend sehr interessant und würde solche Fälle gern verstärkt unterstützen. Es ist teilweise schade, dass sich Ideen, die aus der Region kommen, nur zu 50% durchsetzen. Es wäre schön, wenn es dafür Mittel gäbe, um solche Innovationen zu unterstützen.

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Was würdest Du in unserer Gesellschaft ändern, wenn Du es könntest?

Diese Neidgesellschaft wenn Dinge probiert werden und nicht immer zwingend zum Erfolg führen. Wenn bestimmte Personen einfach mal Dinge wagen, dann wird es hierzulande eher negativ ausgelegt, anstatt dass es positiv unterstützt wird. Das hat jedoch mit der grundlegenden Denkweise von Gründern oder der fehlenden Gründermentalität in Deutschland zu tun. Das Wagniskapital spielt, im Vergleich zu den USA, eine wesentlich geringere Rolle. Das passt auch zum Thema Legida Offenheit und Voreingenommenheit. Mehr Offenheit, weniger Vorurteile. Das wäre gut.

Woraus schöpfst Du neue Kraft, wenns mal nicht so läuft?

Zum einen aus meiner Familie, meiner Frau, und zum anderen aus meiner Arbeit. Weil ich einen großen Teil meiner Zeit auf Arbeit verbringe, sind es tatsächlich auch die Mitarbeiter. Ich bin extrem gern auf der Arbeit. Mit allen Mitarbeitern besteht ein sehr freundschaftliches Verhältnis. Es macht mir Spaß mich mit Ihnen zu unterhalten, sei es privat oder beruflich, gemeinsam zu arbeiten und ich freue mich jeden Tag darauf sie zu sehen. Es gibt natürlich auch schlechte Momente, dann laufe ich einfach im Büro herum und schaue in die einzelnen Zimmer rein. Dann wird schon immer gewitzelt: „Jetzt kommt er wieder an und will socializen.“

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Als ich geheiratet habe, …  fand dies heimlich, still und leise und ohne Gäste statt.
  2. Auf der Arbeit …  fühle ich mich wohl und von Freunden umgeben.
  3. In meiner Freizeit … mache ich viel bzw. gern Sport. [lacht]
  4. In Leipzig … möchte ich gern die nächsten Jahre verbringen.
  5. Mein Leben … gefällt mir gerade so wie es ist.