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Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Meta

Besitzt eine Orgel

Meta-Elisabeth | Master-Studentin an der Hochschule für Musik und Theater für Kirchen- und Schulmusik | 26 Jahre | aus Cottbus | lebt seit 2011 in Leipzig, heute in Plagwitz

Wie bist Du auf den Studiengang Kirchen- und Schulmusik gekommen?

Meine Mutter ist Kirchenmusikerin. Ich bin mit ihr allein aufgewachsen und war früh in der Kirche unterwegs. Schon als Kind habe ich im Alter von vielleicht drei Jahren auf der Orgelbank gesessen. Meine Mutter war in Görlitz auf dem Internat und ich habe einen großen Teil meiner Kindheit dort verbracht. Für mich gehörte Kirchenmusik also schon von klein auf zu meinem Alltag.

 

Was bedeutet Dir Dein Glaube im Alltag?

Zwischen meiner Arbeit mit der Kirchenmusik, den Chören, dem Orgelspiel zum Gottesdienst und meinem persönlichen Glauben gibt es für mich einen starken Unterschied. Ich habe eine kirchliche Erziehung genossen. Ich bin getauft und konfirmiert, aber ich habe keinen fest verankerten Glauben im Alltag. Ich bin eher durch die Musik zur Kirche gekommen.

 

Kannst Du auch Orgel spielen und wie spielt sich das?

Ja, ich spiele Orgel seit ich 10 oder 12 Jahre alt bin. Im Endeffekt sagen alle, es spielt sich wie ein Klavier – es hat Tasten, also eine Klaviatur – aber es ist grundlegend anders bedienbar. Das Klavier ist ein Saiteninstrument, wohingegen die Orgel ein Blasinstrument ist, weil dafür Wind gebraucht wird. Man setzt sich eben auf die Orgelbank und fängt an, auf dem Manual zu spielen – so nennt man die Klaviatur der Orgel – und auf dem Pedal, das mit dem Fuß bedient wird. Das sieht dann aus wie ein kleiner Tanz mit dem Instrument.

 

Wie übst Du? Man hat ja keine Orgel zuhause, oder?

Doch. Tatsächlich genieße ich den Luxus, eine Orgel besitzen zu dürfen. Vor zwei Jahren hat mir der Vater einer Freundin seine alte Orgel angeboten und das Angebot habe ich natürlich dankend angenommen. Von der Größe kann man sich die Orgel ungefähr vorstellen wie einen übergroßen Schreibtisch.

 

Das klingt eher klein für eine Orgel. Gibt es denn einen Unterschied beim Spiel, wenn Du zuhause spielst oder beispielsweise im Kölner Dom spielen würdest?

Auf jeden Fall. Der Reiz des Orgelspielens ist die Größe und dieses Majestätische der Orgel, das erst durch den Raum richtig zur Geltung kommt. Im Kölner Dom kommt ein ganz anderes sakrales Gefühl auf als in meinem Zimmer. Aber die Funktionen und Abläufe kann ich zuhause sehr gut üben.

 

Gerätst Du manchmal in einen Konflikt, weil Du Deinen zukünftigen Beruf und Deinen eigenen Glauben trennst?

Nein, gar nicht. Ich bin ja nicht losgelöst von dem Glauben. Wenn ich bspw. bei einem Gottesdienst spiele und dem Pfarrer bei der Predigt zuhöre, dann ist mir natürlich daran gelegen, den Text aus der Bibel, den der Pfarrer auslegt, für mich persönlich zu interpretieren oder für mein Leben anzupassen. Ich finde mich in einigen Passagen wieder, aber ich würde nicht sagen, dass jeder streng Gläubige sich in jeder Passage wiederfindet. Das ist immer sehr persönlich interpretierbar. Ich finde es spannend, mich damit auseinanderzusetzen, aber ich bin nicht ständig damit konfrontiert. Durch Texte in der Chorliteratur oder durch geschichtliches Hintergrundwissen von Orgelwerken komme ich damit aber schon in Kontakt und sehe, was damals wichtig war und wie man das auf die heutige Zeit übertragen könnte.

 

Was planst Du für Dein Abschlussprojekt?

Ganz allgemein kann man sagen, ich plane ein Experiment – eine Zusammenführung zwischen Groß und Klein, Jung und Alt durch die Musik. Ich habe einen Projekt-Erwachsenenchor gegründet, der zusammen mit dem MDR-Kinderchor zusammen musizieren darf und mit einem Ensemble des Orchesters für Musikpädagogik. Ich weiß nicht, was dabei herauskommen wird. Das weiß bisher noch niemand. Aber mein Ziel ist es zu beobachten, was der Unterschied zwischen der Arbeit mit Kindern und Erwachsenen ist. Dabei gibt es natürlich essenzielle Unterschiede. Mit einem Kinderchor muss ich ganz anders hantieren als mit einem Erwachsenenchor. Ich freue mich aber auf die Herausforderung, beide Gruppen zu vereinen, ohne dass sich die Kinder überfordert oder die Erwachsenen unterfordert fühlen.

 

Kannst Du Dich an eine Geschichte in Leipzig erinnern, die Dich besonders bewegt hat?

Ich bin vor drei Jahren in die Organisation Foodsharing eingetreten. Und es gab eine Situation, wo ich Essen aus einem Laden abgeholt habe. Da bin ich mit den Leuten am Bahnhof in Kontakt und ins Gespräch gekommen. Ich habe ihnen etwas zu essen gegeben, aber habe mich auch für ihr Leben interessiert und für beides waren sie unglaublich dankbar. In dem Moment habe ich die Scheu verloren, auf die Menschen zuzugehen, die vielleicht kein Dach über dem Kopf haben. Dieser Moment im Park des Bahnhofs war für mich sehr prägend. Der Chef der Gruppe hat mich sogar in Schutz genommen und hat sich für mich eingesetzt, wenn andere aus der Gruppe blöde Kommentare von sich gegeben haben.

 

Was macht Dich täglich glücklich im Leben?

Zwei Dinge: die Musik und das ständige und immer tiefer werdende Bewusstsein, dass ich ziemlich reich beschenkt bin, studieren zu dürfen. Und natürlich auch die Arbeit mit den Kindern im Kinderchor.

 

Aus welcher Situation in Deinem Leben konntest Du viel lernen?

Aus meinem Wechsel aus der Schulmusik und Englisch als Zweitfach zu Schulmusik in der Kombination mit Kirchenmusik. Als ich nebenbei noch mein Studium hatte mit Englisch und Bildungswissenschaft für Musik an der Universität und dann 2015 beschloss zur Kirchenmusik zu wechseln, eine Prüfung zu machen und mich bewusst dafür zu entscheiden, Kirchenmusik zu studieren. Noch ein Jahr zuvor hatte ich das abgelehnt und wollte das nicht studieren. Aber in dem Moment habe ich mich bewusst dazu entschieden und es war ein sehr harter und anstrengender Weg. Ich habe gemerkt, dass ich diesem Leistungsdruck nicht zu viel Wert beimessen darf und habe es letztendlich alles hinbekommen. Das hat mich persönlich weitergebracht.

 

Warum hast Du so lange an der Kirchenmusik gezweifelt?

Weil ich durch meine Mutter mitbekommen habe, was es bedeutet, Kirchenmusikerin zu sein – abends die Chöre zu leiten, jeden Sonntag den Gottesdienst zu spielen, an den Feiertagen wie Ostern und Weihnachten immer in der Kirche zu sein und dadurch die Zeit mit der Familie nicht nutzen zu können. Das brachte mich in die Situation, zu sagen, dass ich ein Studium der Kirchenmusik nicht möchte. Aber das ist so tief in mir verwurzelt, weil ich einfach damit aufgewachsen bin, dass ich letztendlich in die Fußstapfen meiner Mutter getreten bin.

 

Wo siehst Du Dich in zehn Jahren?

Ich möchte natürlich alles abschließen, aber ich denke im Moment darüber nach, Gärtnerin zu werden oder irgendetwas zu tun, was mich zur Ruhe bringt. Ich möchte etwas schaffen und das auch sehen und das ohne Leistungsdruck, sondern mit Ruhe und Gelassenheit. Ich möchte mich nicht den Zwängen von außen hingeben und nicht das Gefühl haben, irgendjemandem etwas beweisen müssen. Obwohl ich weiß, dass ich von der Musik nicht loskomme und das auch nicht möchte, sondern ich auf jeden Fall im musikalischen Bereich arbeiten will, dann aber mit mehr Ruhe in mir selbst.

 

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Auf dem Weg hierher … musste ich mich ganz schön beeilen.
  2. Im Herbst … bin ich am liebsten draußen.
  3. Wenn ich nach Hause komme, … muss ich mir erst mal warme Socken anziehen.
  4. In Leipzig … bin ich total gerne.
  5. Mein Leben … ist superschnell und supercool.