… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Sibylla, André und Özlem

Junge Autoren am Deutschen Literaturinstitut

Sibylla Vričić Hausmann | Studentin am DLL, arbeitet als Hilfskraft und freiberuflich | 36 Jahre | aus Wolfsburg | seit 3 Jahren in Leipzig | wohnt im Musikviertel

André Patten | Student am DLL, arbeitet im Onlinemarketing | 31 Jahre | aus Neuss | seit 2014 in Leipzig | wohnt in Schleußig

Özlem Özgül Dündar | Studentin am DLL, arbeitet als Übersetzerin | 32 Jahre | aus Solingen | seit 1,5 Jahren in Leipzig | wohnt in Plagwitz

Was ist die Tippgemeinschaft?

Özlem: Die Tippgemeinschaft ist eine Anthologie, die hier am Deutschen Literaturinstitut herausgegeben wird  von Studenten, mit Texten ausschließlich von Studenten des Instituts. Jedes Jahr bildet sich dabei eine neue Redaktion. Wir machen das dieses Jahr auch zum ersten Mal und geben das im April wieder ab. Die Redaktion kann dabei selbst entscheiden, ob zum Beispiel Alumnis oder Erstsemester dabei sein können. Dieses Jahr gibt es eine Werkschau.

Sibylla: Werkschau bedeutet dabei, dass jeder, der etwas einsendet, ins Buch kann. Es gab vorher auch andere Redaktionen, die die Texte selektierten und nur die vermeidlich besten ins Buch kamen. Wir finden aber, dass alle, die dabei sein möchten, auch dabei sein können, denn die Grundidee der Tippgemeinschaft ist es, ein Forum für alle zu sein, die hier studieren. Dafür haben wir viel Zeit und Arbeit in das Lektorat und eine ausführliche Korrektur investiert.

Gibt es denn sonst etwas, dass dieses Jahr anders ist?

André: Es ist immer anders, aber im Prinzip ist das Ziel, eine gute Anthologie zu erstellen mit den Texten der Studierenden und diesen eine große Öffentlichkeit zu verschaffen. Dieses Jahr versuchen wir das Buch in verschiedenen Städten in Deutschland und im Ausland vor Ort vorzustellen. Es gibt nur dieses Institut in Leipzig und ein Literaturinstitut in Hildesheim, deshalb ist die Sache auch deutschlandweit interessant.

Özlem: Wir haben zum Beispiel Lesungen in Köln, München, Prag, Münster oder Wien und so eine Lesetour gab es vorher nicht.

Sibylla: Die Gestaltung ist dieses Jahr auch anders. Wir haben den Kontakt über André zur Köln International School of Design (KISD) bekommen und die Studenten haben innerhalb eines Projektes verschiedene Entwürfe für das Buch gemacht. Von denen haben wir dann den Entwurf von Vivian Wu ausgewählt. Wir hatten zwölf Entwürfe und die Entscheidung war wirklich nicht einfach.

Özlem

Was ist das Highlight Eurer Arbeit in der Tippgemeinschaft?

Özlem: Das ist die Releaseparty am 19. März im Institut.

André: Wir stellen das Buch zum ersten Mal vor, es gibt Lesungen und danach legen DJs auf. Es gibt eine große Party, die anlässlich der Buchmesse stattfindet.

Wie viele Bewerber gibt es jedes Jahr am Institut?

Özlem: Es gibt so um die 500 Bewerber. Im Bachelor werden 1220 Studenten angenommen und im Master 46.

Was bedeutet es Euch persönlich, hier am Deutschen Literaturinstitut angenommen worden zu sein?

Özlem: Ich habe früher schon überlegt mich zu bewerben, habe es dann aber ganz lange nicht gemacht. Ich habe vorher Germanistik studiert und dadurch ist das Institut sehr bekannt. Man weiß auf jeden Fall, dass es etwas Besonderes ist, ein Studium zu haben, in dem man sich nur mit dem Schreiben beschäftigt. Das bekommt man sonst nur in Hildesheim oder Wien. Der Austausch ist sehr wichtig. Man sitzt mit ganz vielen Leuten zusammen, die auch Schreiben.

André: Es bekommt diesen gewissen Reiz auch durch die hohe Zahl an Bewerbern. Es ist eine gute Zeit, weil man sich total fokussiert und dem Schreiben so viel Platz einräumt.

André

Was schreibt Ihr?

Sibylla: Ich habe, bis ich hier hergekommen bin, vor allem Lyrik geschrieben. Und das ist auch weiterhin meine Lieblingsgattung, aber ich wollte gern andere Sachen erproben, weshalb ich mich auch für dieses Studium entschieden habe. Für mich ist das das Schönste, dass ich mich dadurch getraut habe, auch andere Sachen zu probieren.

André: Der Kern des Studiums ist die Auseinandersetzung mit den Texten. Man kann verschiedene Gattungen ausprobieren und erhält viel qualifiziertes Feedback.

Was für eine Richtung schlägt man nach dem Studium ein?

André: Das ist ganz unterschiedlich. Da gibt es keinen Königsweg zum Berufsautor.

Özlem: Man kann schon sagen, dass viele beim Schreiben bleiben. Ob sie davon leben können, ist eine andere Frage. Viele veröffentlichen auch in großen Verlagen.

André: Das Schöne ist, dass die Chance, als Autor entdeckt zu werden durch das Institut steigt.

Sibylla: Es ist wichtig zu betonen, wie unterschiedlich die Leute sind, die hier studieren. Ich zum Beispiel habe eine Familie. Ich hätte bis kurz vorher gar nicht gedacht, dass ich das Studium hier noch machen würde und natürlich stehe ich an einem anderen Punkt als jemand, der mit 20 hier anfängt. Auch von den Typen, Schreibstilen, Biografien – das ist ganz unterschiedlich.

Was erwartet Ihr von dem Studium?

Özlem: Ich habe mir erhofft, dass ich manche Dinge, die ich nur selten probiert habe, wie zum Beispiel Prosa, hier austesten kann. Ich zwinge mich auch dazu, das wirklich zu machen. Dadurch, dass man sofort Feedback bekommt, überarbeitet man den Text unmittelbar, erhält wieder Feedback – das beschleunigt einfach vieles.

André: Der Kern ist, dass man sich über Sachen austauscht. In den Gesprächen passiert wahnsinnig viel.

Wo in Leipzig schreibt Ihr am liebsten?

André: Zuhause.

Özlem: Ich glaube, ich kanns am besten in der Bibliothek.

Sibylla: Zur Zeit auch zuhause mit Kuscheldecke.

Sibylla

Habt Ihr einen Lieblingsplatz in Leipzig?

André: Im Westen bin ich ganz gern, weil ich hier auch wohne. Im Sommer haben wir durch unseren Garten hinter meinem Haus Zugang zum Kanal. Da ist es sehr schön.

Sibylla: Ich mag ganz gern diese Strecke durch den Wald, wo es so doll nach Bärlauch stinkt oder duftet. In Berlin hat es mich zum Beispiel sehr gestört, dass man so weit fahren muss, um sich mal in der Natur zu fühlen.

Was ist für Dich der Unterschied zwischen Leipzig und Berlin?

Sibylla: Berlin ist ganz einfach viel größer. Für mich ist Berlin offener und internationaler. Ich habe dort mein erstes Studium gemacht und war viel unterwegs. Leipzig ist für mich gemütlicher. Aber das liegt wohl mehr an mir als an dem Ort.

Özlem: Hier gibt es viele Lesungen, wo man hingehen kann, die ganz locker sind. Zum Beispiel kleine Lesungen in Bars. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, es ist schon zu viel für mich, weil ich am liebsten überall hingehen möchte. In Berlin ist die Szene noch mal viel größer – aus der Literatur-Perspektive gesehen.

Was würdet Ihr machen, wenn Euch alle Türen offen stehen und Ihr keine Konsequenzen für Euer Handeln tragen müsstet?

Sibylla: Ich würde Erkältungskrankheiten abschaffen.

Özlem: Ich finde, man sollte mehr in Kultur investieren.

Gibt es eine Sache, die Ihr in Leipzig verbessern würdet?

André: Ganz allgemein finde ich, dass Leipzig sich als Stadt ganz gut macht. Hier ist man in einer sehr lebenswerten Stadt zu Hause.

Özlem: Die Nachtbusse öfter fahren lassen. Und mich nerven die Montagdemos.

Vervollständigt bitte folgende Sätze:

  1. Als Tippgemeinschaftwollen wir, dass möglichst viele Leute das Buch lesen und gut finden.
  2. Unsere Autoren und Autorinnen … haben alle super Texte.
  3. Im Deutschen Literaturinstitutsind wir gerne.
  4. In Leipzig … regnet es weniger als in Münster.
  5. Unser Leben … ist gerade die Tippgemeinschaft.