… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Philipp

Der Mzin Bookstore in Leipzig ist unser Glück

Philipp Neumann | Inhaber Mzin Bookstore | 39 Jahre | aus Leipzig | wohnt in Gohlis

Wie gestaltet sich Dein Leben in Leipzig?

Ich bin diplomierter, selbstständiger Grafikdesigner, genauso wie meine Freundin. Wir machen den Laden zusammen. Wir hatten den Wunsch, einen Laden in Leipzig zu eröffnen, wo eben Magazine und Bücher mit Schwerpunkt auf Grafik, Design, Kunst, Illustrationen, Mode, Fotografie und Architektur verkauft werden. Vor 6 Jahren haben wir dann diesen Laden gegründet. Vorerst in der Südvorstadt und vor einem Jahr sind wir hier her in die Kolonnadenstraße gezogen. Das Mzin bezieht sich als Kürzel, was etwas schwer auszusprechen ist, auf Magazinkulturen. Schwerpunkt sind Periodika, also Sachen die in einer Regelmäßigkeit erscheinen, und die – das ist eben auch Teil unserer Idee – erschwinglich sind. Wir sind kein Kunstbuchladen mit Preisen von 50 bis 100 Euro. Wir haben Magazine ab 5 Euro , aber auch ein gutes Magazin in Hochglanz für 30. Der Übergang vom Magazin zur Publikation oder Katalog ist fließend. Die meisten Bücher, die wir haben, sind Broschuren.

Welcher Platz in Leipzig hat für Dich die größte Bedeutung?

Conne Island. Weil ich denke, dass ich in der richtigen Zeit meiner eigenen soziologischen Ausprägung dort war. Wenn ich da heute hingehe, fühle ich das alles überhaupt nicht mehr und ich bin auch selten dort. Obwohl ich natürlich sentimental bin, wenn ich dort bin. Ich habe in der Zeit von 1995 bis 2000 bei diesem alternativen Jugendzentrum mitgemacht und da sind, glaube ich, ganz viele Entscheidungen gefallen. Jetzt nicht unbedingt Grafikdesign, aber im Sinne von, dass man selbstständig etwas macht und dass man sozusagen einen Gegenentwurf im Leben aufrecht erhalten möchte.

24h Leipzig – Was darf man auf keinen Fall verpassen?

Ich würde mir die Hochschule für Grafik und Buchkunst anschauen – einfach als Gebäude. Ist ein ganz wichtiger Ort für Grafik in Deutschland und Europa und ist ein unglaublich interessantes Gebäude. Da ist immer ein Rundgang oder eine Ausstellung. Man ist da nicht mit dem Pförtner allein. Das dauert eine Stunde und da hat man ein historistisch-klassizistisches Gebäude gesehen. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie dort gelehrt wird. Oben ist die Malerei, unten die Grafik und die Fotografie. Ist eine interessante Kunsthochschule. Aber zuerst würde ich zum Völkerschlachtdenkmal gehen, oben auf die Plattform und mich ein bisschen mit Geschichte beschäftigen. Das ist wirklich ein unglaublich imposantes Gebäude. Wenn man sich für Design und Kunst interessiert, dann würde ich noch ins Grassi gehen. Ist auch ein interessantes Gebäude von der Anlage her. Da gibt es hier und da auch langweilige Ausstellungen. Und natürlich kann man immer auf den Augustusplatz gehen und man kann sich den Hauptbahnhof ansehen. Ehemals einer der größten Querbahnhöfe Europas. Der ist aber mittlerweile, finde ich zumindest, im Kern nicht mehr so interessant.

Wo oder wie hast Du Leipzig lieben gelernt?

Also ich glaube, das hat immer viel mit dem zu tun, was man macht und wo die Frau ist, die man liebt. Wenn das woanders wäre, würde ich auch in eine andere Stadt gehen. Aber da das nicht so ist, sehe ich natürlich auch die ganzen Vorteile an Leipzig und da gibt es einige. Ich bin überzeugter Fahrradfahrer. Ich habe vor zwölf Jahren mein Auto verkauft. Und das Schöne an Leipzig ist, es ist wirklich eine tolle Fahrradfahrerstadt. Ich fahre ganz häufig zu meinen Eltern, die aus Schkeuditz, kurz vor Leipzig, kommen. Da fahre ich über den Damm, das ist wunderbar dort durchs Grüne. Ich fahre hierher auf die Arbeit, durchs Rosental, durch den Clara-Zetkin-Park, Johannapark. Man kann die Straßen sehr gut umgehen, weil man hier sehr viel Grün hat. Und wo ich Leipzig lieben gelernt habe: In seinen schönen grünen Parkecken.

Ist Dir seit der Gründung Deines Ladens eine Veränderung Deiner Kunden aufgefallen?

Wir sind erst im Januar hierher gezogen, d. h. das könnte ich wahrscheinlich besser beurteilen, wenn wir die Jahre an dem einen Ort verbracht hätten. Hier ist alles neu oder etwas anders, aber ich denke schon zu merken, dass es internationalere Gäste gibt. Ich glaube nicht, dass die Leute hier wohnen. Aber am Wochenende haben wir schon mal Leute aus Holland, Dänemark, aus der Schweiz hier natürlich viel durch die Grafik bedingt. Das hat sich die letzten Jahre beschleunigt.

Gibt es einen besonderen Moment, den Du in Deinem Laden hattest?

Ich bin persönlich sehr geprägt von so einem Fantum, dass ich sozusagen Fan von dem bin, was ich hier mache. Das ist auch Voraussetzung, sonst braucht man das alles gar nicht zu machen. Wenn ich Leute entdecke, deren Sachen ich kenne und wo ich weiß, dass die so ein internationales Standing in dem Bereich haben, dann freut mich das immer sehr. Ich komme auf der Frequenz, die wir hier haben auch ganz häufig ins Gespräch mit den Leuten. Ich will das auch nicht alles aufzählen, aber wir hatten bekannte Künstler, DJs oder Grafiker da, wo ich mir denke: „Wow, der hat jetzt auch bei uns gekauft!“ Das bedeutet mir selbst ganz schön viel, weil ich die Position, die ich hier habe, spannend finde und nicht nur aus einer ökonomischen Sicht betreibe. Wenn man das Gefühl hat, dass ein bisschen zurück kommt und „It‘s a nice shop!“ oder „Nice selection!“ von jemandem zu hören, der nicht nur Leipzig gesehen hat.

Stell Dir vor, Du hättest alle Möglichkeiten der Welt und Du müsstest keine Konsequenzen für Dein Handeln tragen. Was würde dann für Dich das größte Glück bedeuten?

Das ist mein Laden. Natürlich würde ich mir manchmal mehr Sicherheit wünschen, weil wir auch viele Monate haben, wo das alles ein wenig schwierig ist. Aber ich kann mir das zum Teil auch erklären, warum das so ist und ich glaube, dann fängt man an, das alles als Glück zu akzeptieren. Ich kann nicht erwarten, dass eine Stadt mit 500.000 Leuten sich auf einmal komplett für Grafik und Design interessiert. Unsere Gesellschaft funktioniert anders und wir funktionieren auch auf eine bestimmte Weise. Wir sind nicht niederschwellig angelegt wie andere bekannte Buchläden, wo völlig klar ist, was das für ein Setting ist. Wir appellieren an eine bestimmte Einstellung. 99 Prozent der Leipziger haben diese nicht und wenn ich das weiß, kann ich mit der Situation umgehen. Wir sind keine gelernten Einzelhändler und wissen nicht, was sich gut verkauft. An erster Stelle ist es der eigene Geschmack, der entscheidet. Wenn man das alles einschätzen kann, dann muss man die Situation so nehmen, wie sie ist. Wir werden immer mehr wahrgenommen, unser Online-Shop läuft immer besser. Und das alles über 6 Jahre zu machen, ist unser Glück.

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Letztes Jahr  … wars kälter.

  2. Mein Computer und ich … haben kein Verhältnis.

  3. In Leipzig … bin ich gern.

  4. Mein Leben … ist anders als deins.