… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

Die letzten Fünf
Reudnitz Volkmarsdorf
Waldstraßenviertel Gohlis
Südvorstadt Connewitz
Alle
Lindenau Plagwitz
Grünau & Rand
Leipzig rauscht...

Grünau & Rand

Rudi und Lea

Leipzig lässt alles verfallen. Es zählt nur Geld, Geld, Geld.

Lea Strielitz | Schäferin, Maschinenfahrerin, Post-und Versand, in Israel als Kindergärtnerin und im botanischen Garten gearbeitet | 60 Jahre | aus Leipzig | wohnt in Grünau
Rudi Strielitz | Rentner, war mit 18 an der Front, dann für die Zeitung gearbeitet im Bereich Text und Bild | 88 Jahre | offiziell 6 Kinder, aber eigentlich 7 | aus Leipzig | wohnt in Grünau

Welcher Platz in Leipzig hat für Sie die größte Bedeutung?

Lea: Also die größte: Der Kulkwitzer See [lacht laut]. Erstmal, weil da viel Natur ist. Das ist das, was man am wenigsten hat und die Umweltverschmutzung ist so stark geworden. Ich muss sagen: Die Leute leiden wirklich darunter. Das ist extrem, was sich da abspielt und die einzige Ecke, wo man wirklich noch Sauerstoff atmen kann – das ist beim Kulkwitzer See auf der Südseite, noch nicht mal die Nordseite. Sonst gibts keine saubere Luft mehr in Leipzig.

24h Leipzig  Was darf man auf keinen Fall verpassen?

Lea: Das ist natürlich schwierig, denn das sind ja auch Ansichtssachen. Sagen wir mal, wenn jemand für Stadtgeschichte ist, dann würde ich sagen, dass das Zentrum unheimlich interessant ist, vor allem diese Innenhöfe in Leipzig. Die sind von der Struktur her schon unverschämt interessant. Das haben sie auch wunderbar restauriert und das war auch früher von der Geschichte her interessant, weil das hier eine Handelsstadt war. Dieses Umfeld wäre erstmal ganz interessant. Und dann finde ich, wenn jemand noch ein kleines bisschen mehr Zeit hat und sehr flexibel ist, nicht unbedingt das Völkerschlachtdenkmal, sondern eher die Kanäle. Dass man sich so einen Kanal mal anguckt, weil das ist genauso ausgefallen. Naja, und was jetzt rundherum noch sehenswert ist, ist der Zoo auf alle Fälle. Den würde ich auf keinen Fall verpassen. Vor allem das Gondwanaland ist wunderschön. Das ist wirklich etwas Ausgefallenes. Und ansonsten reichen die 24h nicht mehr für was anderes.

Rudie_vier

Wie hat sich in Leipzig in den letzten Jahren verändert?

Lea: Sehr! Aber ich muss sagen positiv, weil eben viel investiert wurde, auch viel renoviert und restauriert wurde und das ist positiv. Also das äußere Bild. Aber für die Bevölkerung, was mich wirklich ärgert und was sich eben verändert hat, das ist durch diesen Kommerz jetzt, dass ganz viel kaputt gemacht wird und die Natur zerstört wird. Es wird keine Rücksicht mehr genommen auf Kinder, auf ältere Leute. Die machen wirklich alles kaputt, was mal wirklich schön war in Leipzig. Und dann ist eben diese ganze Kultur, die lebendig war in Leipzig  das war ja eine Hochkultur kann man bald sagen. Das ist alles kaputt. Wenn man mal rausschaut: Markleeberg ist insgesamt gesehen ein wunderschönes Grundstück, wo nichts gemacht wird. Da machen wir keine Blumenschau. Früher haben sie Tierschauen gemacht. Ich meine, das kommt noch ab und zu, aber nicht mehr in dem Umfang, wie das mal früher war und auch nicht mehr so schön gestaltet und gar nichts. Leipzig könnten sie viel besser gestalten. Wer das ausgenutzt hat, ist Markleeberg, nicht Leipzig. Leipzig lässt alles verfallen. Es gilt nur: GELD, GELD, GELD. Hier regiert nur der Mammon – das ist eigentlich schade. Die Leute sind dadurch frustriert. Die sagen, ich soll mit den Ausländern zusammenkommen. Aber mal Veranstaltungen machen, die dafür da sind, kommt nicht in Frage. Hier ist ein Café, aber eine Monokultur da drin. Die bringen nur Hottentottenmusik, aber die alten Leute machen eh bald den Hintern zu  so ungefähr. Aber was man eigentlich erwartet, wäre ein arabischer Gruppenabend oder ein türkischer oder die würden mal ihre Folklore vorstellen. Das wäre mal was ganz anderes. Das Volk wird immer dumm und dümmer, muss man mal ganz ehrlich sagen: So verblödet wie heute waren sie noch nie. Das kann man nur in großem Abstand mitkriegen. Die sagen, wir investieren nur dort, wo wir Geld reinkriegen. Da könnt ihr ruhig die Menschheit verblöden lassen  Hauptsache das Geld stimmt. Da muss ich mich fragen, wie lange wird Deutschland noch bestehen?

Was macht Grünau aus?

Lea: Was mir am meisten gefällt ich habe schon in mehreren Vierteln gewohnt  ist erstmal überall die Nähe zum Grünen. Man kann schnell irgendwohin wandern. Und dann spielt noch etwas sehr Entscheidendes eine Rolle: alle werden älter und alles wird schneller. Hier ist alles behindertengerecht gemacht, der ganze Stadtteil. Grünau hat eine sehr gute Infrastruktur, ist alles wunderbar ausgebaut, wunderbar zugänglich. Man ist auch flexibel, wenn man in die Stadt will oder so aufs Land. Das kann man sich dann alles raussuchen. Und dann ist rundherum die ganze Ladenkultur, die auch zurechtgemacht ist für arme Leute, denn es gibt auch sehr viele Arme hier. Hier sind überall Schulen, Behindertenheime und was weiß ich  das ist auch sehr gut gemacht. Das macht Spaß. Wer nicht viel laufen kann oder sportlich ist – für jeden was dabei. Es ist auch alles kinderfreundlich gemacht: Spielplätze, man kann hier Sport machen, spazierengehen, man kann relaxen in den Parks. Es gibt viele Bänke im Verhältnis zu anderen Stadtteilen. Hier gibts auch eine Kulturlandschaft, die zwar momentan reduziert wird durch den Geldmangel, aber das ist ja ein anderes Problem. Hier ist es noch schnell erbaubar, weil hier viel Leerstand ist. Grünau ist ein sehr attraktives Viertel zum Wohnen, obwohl es schlecht gemacht wird.

Rudi: Es gibt selbstverständlich auch Negatives zu berichten. Wir arbeiten ehrenamtlich sehr auf der Seite der Kultur, halten Vorträge, aber da kommt man so schlecht an. Was kriegen wir heute von den Rentnern für Antworten? Wir haben gemerkt, dass das Internet die Leute sehr abbauen lässt. Die Interessen gehen kaputt. Das ist nachteilig, das ganze Internet – das zerstört die ganze Kultur.

Rudi_fünf

Stellen Sie sich vor, Sie hätten alle Möglichkeiten der Welt und müssten keine Konsequenzen für Ihr Handeln tragen. Was würde dann für Sie das größte Glück bedeuten?

Das kann ich Ihnen ganz genau sagen: Frieden auf der Welt! Das ist das Schönste, was es geben könnte. Wenn wir Frieden haben, eine Harmonie, soziale Gerechtigkeit. Man könnte das ja wirklich umsetzen, wenn die Menschen wollen würden. Die wollen aber nicht. Es ist jeder egoistisch. Wenn nur der elendige Egoismus aufhören würde, dass jeder nur an sich denkt.

Rudi_drei

Woraus schöpfen Sie neue Kraft?

Das kann ich Ihnen sagen: Aus der Religion, nur aus der Religion, sonst nichts. Sonst kriegst du in der ganzen Landschaft hier nix geboten. Ich bin monotheistisch. Ich bin eigentlich sehr tolerant, ich bin jüdisch, gehe aber jetzt zu den Zeugen Jehovas, weil die das am besten leben und das macht das eigentlich aus. Es geht nicht darum, an was man glaubt oder wie man glaubt, sondern wie man es lebt. Wenn das in humanistischen Bahnen läuft, also, dass man für den anderen da ist. Es gibt nur zwei große Gebote und die sind international kann man sagen: Das eine ist die Liebe zu Gott, dass man eine Schöpfung anerkennt, das man weiß „Aha, ich habe Grenzen“. Und das zweite ist diese Nächstenliebe, damit meint man, dass man für den anderen da ist. Also ich wünschte mir wirklich FRIEDEN, FRIEDEN und nochmals FRIEDEN.

Rudi und Lea

Vervollständigen Sie bitte folgende Sätze:

  1. Letztes Jahr … war voller Kriege.
  2. Wenn ich abends ins Bett gehe, … träume ich von Frieden.
  3. Wenn ich aufstehe, … bete ich zu Gott.
  4. Wenn ich jemand Neues kennenlerne, … dann wünsche ich mir einen Gesprächspartner, mit dem ich ein hin und her habe.
  5. In Leipzig … hat man Chancen.
  6. Mein Leben … ein Weg mit Gott.