… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Sandra

Genießt die Atmosphäre der Leipziger Innenstadt

Sandra | Lehramt-Studentin für Anglistik/Geschichte | 27 Jahre | aus Leipzig | wohnt in Neu-Schönefeld

Welcher Platz in Leipzig hat für Dich die größte Bedeutung?

Eine der vielen Bänke in der Innenstadt. Ich mag es total dort zu sitzen und Leute zu beobachten. Also ich muss nicht jeden Tag bzw. jedes Wochenende feiern gehen. Es reicht mir mit einem Gläschen Wein und Freunden einfach da zu sitzen, Leute zu beobachten, zu erzählen. Das würde ich am liebsten auch im Winter machen, wenns nicht so kalt wäre. Aber im Sommer ist das eine meiner Lieblingsbeschäftigungen.

24h Leipzig – Was darf man auf keinen Fall verpassen?

Das ist schwer. Leipzig hat wirklich viel zu bieten. Wenn du noch nie in Leipzig warst, sind das schon einige Punkte, wie das Völkerschlachtdenkmal oder eben Historisches, was Leipzig wirklich en masse hat, sehenswert. Was ich sehr schön finde, ist das DDR-Museum Runde Ecke sowie das Zeitgeschichtliche Forum – beides kostenlos. Und was für mich als Geschichtsstudentin wahnsinnig toll ist, ist das Alte Rathaus, wo man viel über die Stadtgeschichte erfahren kann. Ansonsten würde ich auch jedem Touristen empfehlen – das habe ich vor Kurzem erst selbst gemacht, obwohl ich schon 6 Jahre in Leipzig wohne – eine Stadtrundfahrt zu machen. Man sieht Leipzig aus einer völlig neuen Perspektive. Für 10 Euro ist das auf jeden Fall sehr lohnenswert. Ich finde es auch toll in einer der vielen Bars im Barfußgässchen zu sitzen, weil ich das sehr mag, dort Leute zu beobachten und da immer etwas los ist.

Wo hast Du Leipzig lieben gelernt?

Auf jeden Fall nicht in der Uni [lacht]. Ja, auch durch die ganzen Möglichkeiten, die Leipzig bietet. Es ist immer was los, du kannst jeden Tag in der Woche irgendetwas machen. Im Sommer am Cossi sein oder im Park mit vielen Leuten sitzen und grillen. So etwas mag ich unglaublich gerne.

Dunkel, feucht, verraucht – eine Leipziger Clubnacht. Was ist Dein liebster Spot?

Oje, das ist auch schwer. Am allerliebsten mag ich das Café Waldi, weil es kostenlos ist und es nicht allzu sehr meinen Geldbeutel strapaziert. Ansonsten bin ich gern im Spizz oder L1. Da ist die Musik sehr schön. Aber im Waldi fühle ich mich am wohlsten, weil es so urig ist und es da so schöne Menschen gibt.

Was hat Dich nach Leipzig gezogen?

Die Uni auf jeden Fall. Aber ich wollte schon immer nach Leipzig, weil ich die Stadt schon immer toll fand. Also es ist eine große Stadt, aber nicht zu groß, wie zum Beispiel Berlin. Da könnte ich nicht wohnen. Leipzig war schon immer interessant für mich, vor allem auch durch mein geschichtliches Interesse.

Typisch Leipzig – Was ist Dir aufgefallen?

Dass es hier ganz viele verschiedene Leute gibt. Ich mag dieses Sächsische total. Wenn Leute zum Beispiel ankommen und super sächseln, mag ich das sehr, obwohl das jetzt nicht typisch Leipzig ist. Man hat hier einfach viele unterschiedliche Menschen. Ist vielleicht eher typisch Großstadt. Aber auch die Herzlichkeit. In Berlin zum Beispiel ist alles schnell. Niemand kennt sich wirklich. Hier kennt sich zwar auch nicht jeder, aber man hat nicht das Gefühl, dass es so anonym ist. Es ist viel offener. Wenn man in der Stadt sitzt und etwas trinkt, dann kommen Leute und scherzen mit einem herum.

Was macht Dein Viertel aus? Was ist anders gegenüber der Leipziger Innenstadt?

Sehr viele Migranten, würde ich sagen. Es ist ein schönes Viertel. Ich finde die Straßen wirklich hübsch. Aber es ist sehr schwierig durch die niedrigen Mieten und dem daraus resultierenden Klientel, was hier herzieht. Obwohl ich das Gefühl habe, dass es immer mehr Studenten werden und es fast in eine Connewitz-Richtung einschlägt. Also gerade noch ein Stückchen weiter hinten in der Eisenbahnstraße ist das auf jeden Fall so. Es sagen auch ziemlich viele Leute, dass sich in den nächsten zehn Jahren sehr viel ändern wird. Bisher findet man hier kaum Cafés oder Kneipen, die man besuchen kann. Es ist wirklich so, dass ich nachts nicht mehr allein mit der Bahn fahre. Letztens passierte mir das wieder, es war 11 Uhr abends, und ich stand 10 Minuten an der Bahnhaltestelle. Ich hatte echt Herzrasen. Allein als Mädel fühlt man sich hier nicht so wohl. Ich hatte auch schon ein paar Situationen, in denen ich nicht wusste, was ich tun soll. So etwas ist mir in Plagwitz zum Beispiel nicht passiert. Es ist jetzt nicht so, dass ich tagsüber dumm angemacht werde, aber die Eisenbahnstraße hat einen bestimmten Ruf und den kann ich wirklich bestätigen.

Wo findet man Dich an einem sonnigen Wochenende?

Am Cossi oder im Park. Irgendwo, wo man sich hinsetzen und Leute beobachten kann. [lacht]

Winter, lange Nächte, kalt – Wo trinkst du am lieben ein Heißgetränk um Dich aufzuwärmen?

Auch im Park oder draußen – meistens to go. Als ich noch zur Uni ging, waren wir sehr oft in der Leipziger Innenstadt im Coffee Culture. Aber am liebsten nehme ich meinen Kaffee mit und setze mich irgendwohin, wo die Sonne scheint.

Sandra

Stell Dir vor, du hättest alle Möglichkeiten der Welt und Du müsstest keine Konsequenzen für Dein Handeln tragen. Was würde dann für Dich das größte Glück bedeuten?

Ich würde, auch wenn das total doof klingt, die Arbeit beiseiteschieben und nur noch Sachen machen, die mir Spaß bereiten. Und das ist für mich vor allem zu reisen. Keinen Stress und Druck zu haben, ich muss jetzt Geld verdienen. Wenn ich viel Geld hätte, würde ich ein paar Wochen das Arbeiten, was ich möchte. Also in dem Fall Lehrerin, was ich auch sehr gerne mache, aber wenn ich sagen kann, es reicht mir für den Moment, würde ich eine Weltreise machen.

Woraus schöpfst Du neue Kraft?

Ich bin ein Mensch, der die Gesellschaft von anderen braucht. Das zeigt sich wahrscheinlich auch, indem ich gern da bin, wo viele Leute sind. Mir hilft das wirklich, wenn es mal schwierig ist, mit Leuten darüber zu reden. Auch wenn ich meine Entscheidung schon fest beschlossen habe, hole ich mir gerne neue Einflüsse und Bestätigung, womit ich mir neuen Mut machen lasse. Und bei meinen Freunden ist es oft so, dass sie mich auf den richtigen Weg führen.

Was ist Dein Lieblingszitat? 

Ich mag aus dem Lied von Max Herre die Textzeile Vielleicht kann man nicht immer gewinnen, aber wie man verliert, kann man selber bestimmen. Also dass man quasi seines Glückes Schmied ist. Man kann traurig sein über bestimmte Sachen, aber man kann wahrscheinlich nichts daran ändern. Es ist manchmal gut, traurig zu sein, aber eigentlich lohnt sich das nicht, weil es die Situation nicht besser macht. Also muss man immer das Positive rausfischen.

Wenn Du eine Sache in unserer Gesellschaft ändern könntest, was wäre das?

Der Erfolgsdruck, der auf jungen Menschen lastet.

Wenn Du Dir einen Wunsch erfüllen könntest, welcher wäre das?

Viele Sachen anschauen und Einflusse auf sich wirken lassen. Und dadurch vielleicht ein Weltbild erhalten, welches ich dann als Lehrerin vermitteln kann, wie Offenheit. Ich habe auch festgestellt, dass das viel mit Reisen zu tun hat. Wenn Interesse für neue Sachen da ist, dann beleuchtet man auch ganz viel aus verschiedenen Perspektiven.

Ein besonderer Moment, von dem Du uns berichten möchtest?

Das Schönste, was ich bisher in meinem Lehrerdasein erlebt habe, war in einer fünften Klasse. Da haben wir Ägypten behandelt, speziell das Thema, wie man mumifiziert. Und es war so schön, dass man den kleinen Kindern von irgendetwas erzählen kann und sie trotzdem erstaunt zuhören. Als würden sie zuhause auf dem Bett sitzen und man würde ihnen eine Geschichte vorlesen. Das war wirklich eine schöne Erfahrung, dass man Wissen weitergeben kann und die Kinder so interessiert daran sind.

 Was ist Deine letzte WhatsApp-Nachricht?

Ich habe mit meiner Freundin Madlen geschrieben, die heute ihren ersten Arbeitstag hatte: „Happy erster Arbeitstag“.

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Wenn ich groß bin, … möchte ich einen Mann, ein Kind, ein Haus, einen Hund, ein Auto, ganz viel Zeit haben und möchte alles wissen, was man wissen kann.
  2. Letztes Jahr, … war ziemlich stressig für mich durch meine Masterarbeit, aber ich würde nicht sagen, dass es ein schlechtes Jahr war. Es war ein tolles Jahr.
  3. Wenn ich abends ins Bett gehe, … habe ich meistens den Fernseher zum Einschlafen laufen.
  4. Wenn ich aufstehe, … dann stelle ich mir 5-mal den Wecker, alle 10 Minuten noch mal. Dann mache ich mir einen Tee oder Kaffee und flitze los.
  5. Wenn ich jemand Neues kennenlerne, … bin ich erst mal ein bisschen verhalten und taue dann aber ganz schnell auf, wenn ich denke, dass ich mich gut mit jemandem verstehen könnte.
  6. Mein Computer und ich … sind ziemlich gute Freunde.
  7. Wenn ich nach Hause komme, … gehts mir gut.
  8. In Leipzig … habe ich ganz tolle Menschen kennengelernt und fühle mich hier superwohl.
  9. Mein Leben … ist vielleicht nicht perfekt, aber schön. Sehr schön.