… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Waldstraßenviertel Gohlis

Sebastian

Über Gründung, Lebensunterhalt und Nachhaltigkeit in unserer Gesellschaft

Sebastian | Geschäftsführer bei SIGNUU.COM | 33 Jahre | aus Fröttstädt in Thüringen | wohnt im Zentrum-West

Du wohnst im Zentrum-West. Was genau macht das Waldstraßenviertel aus?

Ins Waldstraßenviertel hat es mich von Anfang an durch meine erste WG gedrückt. Seitdem bin ich dem Zentrum-West treu geblieben. Ich finds hier ganz spannend. Man hat schöne alte Häuser – obwohl ich selber im Plattenbau wohne – aber ich mag den Kontrast und ich mags zentrumsnah.

Du bist Gründer in Leipzig. Wie beeinflusst die neu aufgekommene Startup-Szene Leipzig?

Hier in Leipzig passiert seit zwei, drei Jahren ziemlich viel. Es lassen sich immer mehr Startups nieder und das tut Leipzig sehr gut. Ich bin gespannt, wo sich das Ganze hin entwickelt.

Wie nimmst Du persönlich diese Gründerszene wahr?

Die Gründerszene in Leipzig ist auf jeden Fall bodenständiger als in Berlin, wo alles gehypt wird. Die Leute gehen hier etwas sachlicher ran. Leipzig bildet eine sehr gute Grundlage durch die günstigen Wohnungsmieten und Lebenserhaltungskosten. Man hat kurze Wege, es ist alles nah beisammen. Man hat eine gute Masse an Einwohnern bzw. potentiellen Kunden sowie Arbeitnehmern, die man einstellen könnte.

Du bist selbst Gründer. Woher kam Dein Mut direkt nach dem Studium ein eigenes Unternehmen zu gründen?

Im Prinzip ist das die beste Variante, die es gibt. Durch das Studienumfeld hat man eine super Grundlage. Man muss noch wenig für die Krankenkasse zahlen, bekommt BAföG oder kann einfach nebenbei jobben und man hat auch Zugang zu extrem viel Wissen. Man bekommt als Student viel schneller Informationen. Ich hatte verschiedene Praktika gemacht und beim letzten auch gemerkt, dass das „angestellt-sein“ nichts für mich sein wird. Mich hat es ziemlich demotiviert, wenn meine Ideen nicht umgesetzt werden. Dann habe ich mir gesagt, dass ich doch etwas Eigenes machen muss und war in Leipzig bei verschiedenen Gründerveranstaltungen und ein Thema war: „Einfach mal machen und Ideen umsetzen“. Daraufhin bin ich mit vier verschiedenen Ideen zu SMILE gegangen. Wir sind dann zu dem Entschluss gekommen, dass Lasergravuren zu dem Zeitpunkt die beste Idee war.

Gab es auch Momente, an denen Du gezweifelt hast?

Da kommt man nicht drum herum. Ein krasser Punkt war die Anfangsphase, als es um den Kredit ging. Wir hatten neben dem Kredit auch ein Gründerstipendium bekommen. Aber das erstmal hinzubekommen und sich durch die ganze Bürokratie zu kämpfen war echt hart. Wenn man dann den Kreditvertrag und somit 80.000 Euro Schulden unterschrieben hat und dann irgendetwas mit der Idee nicht klappt, muss man das Geld selber aufbringen – das Gefühl war schon heftig. Zu dieser Zeit hatte ich die ersten Nächte schon unruhig geschlafen, aber man gewöhnt sich daran.

Sebastian

Beim Gründen muss man wahrscheinlich bei seinem Privatleben viel zurückstecken. Wie sehr vermisst Du ein „normales“ Privatleben?

Kompliziert ist das, wenn man in einer Phase ist, in der man eine Deadline hat. Wenn alle Freunde am Strand sind und grillen und man selbst sitzt noch im Büro. Das sind Situationen, an denen man mit sich hadert, man würde selber gerne das soziale Leben genießen. Gerade, wenn das Unternehmen wächst und man Mitarbeiter hat. Die Mitarbeiter möchten auch ihren Lohn haben und alles andere möchte auch bezahlt werden. Man muss sich selbst dann mal hinten anstellen. Je länger man dabei ist, und alles in geregeltere Bahnen kommt, passt das auch mit dem Privatleben besser. Die ersten drei Jahre waren schon sehr chaotisch, aber seit dem letzten Jahr kommen wir in eine entspanntere Phase.

Kannst Du Dich an den bedeutungsvollsten Moment erinnern?

Als wir auf den Förderkredit gewartet hatten, war das eine Durststrecke von drei Monaten. Mein Konto war wirklich bis aufs Letzte erschöpft gewesen. Einen Tag vor meinem Geburtstag – ich war wirklich kurz davor meinen Geburtstag abzusagen, weil ich überhaupt nichts mehr auf dem Konto hatte – war das Stipendiumsgeld auf meinem Konto. Das war damals ein Moment, in dem ich dachte: „Krass, da wurde mein Geburtstag gerettet“. Das war ein schöner Moment.

Stell Dir vor, Du hättest alle Möglichkeiten der Welt und Du müsstest keine Konsequenzen für Dein Handeln tragen. Was würde dann für Dich das größte Glück bedeuten?

Weltweit gibt es einige Missstände. Ich habe gestern erst wieder etwas über diesen Boyan gelesen, der Niederländer, der das Ocean-Cleanup-Projekt umsetzt. Da wurde diese Woche der erste Prototyp ins Meer integriert. Ich finde, das ist ein super Projekt. So etwas würde ich unterstützen. Ich würde mir zwei, drei solcher Dudes suchen und mit denen versuchen, die Welt ein Stückchen besser zu machen. Gerade gegen die Umweltverschmutzung vorgehen. Elektromobilität pushen und voranbringen. Es gibt immer noch Leute, die der Meinung sind, dass Erdöl ganz schnell alle sein muss und die viel Auto fahren. Das ist nicht so cool. Und natürlich, dass jeder auf der Welt etwas zu essen bekommt.

Was würdest Du denn an unserer Gesellschaft ändern, wenn du es könntest?

Dass die Gesellschaft mehr darüber nachdenkt, wie sie handelt und was ihr Handeln für langfristige Folgen mit sich zieht. Unsere Gesellschaft ist immer noch sehr egoistisch. Jeder schaut, dass er am besten wegkommt. Das ist sehr schade. Wenn jeder etwas mehr auf den anderen schauen würde und bisschen nachhaltiger denkt, kann man schon viel bewirken. Ist eben nur die Frage, wie man die Menschen dazu bewegt. Viele bekommen es schon von ihren Eltern falsch beigebracht. Man könnte im Grundschulsystem schon andere Werte vermitteln und mehr Aufklärungsarbeit leisten.

Sebastian

Was erhält Dich jeden Tag glücklich?

Ich freue mich schon, wenn in diesem verregneten Sommer ab und zu mal die Sonne scheint. Das ist ein Highlight. Ansonsten freue ich mich immer mit anderen kreativen Menschen zu tun zu haben, die irgendwelche coolen Ideen haben. Oder wenn Leute zu mir kommen, die sich wirklich Gedanken gemacht haben und etwas umgesetzt haben wollen. Dafür ist das Konzept da. Es ist schön, wenn das geschätzt wird.

Wie kommst du wieder raus, wenn es mal schlecht läuft?

Ich hatte letztes Jahr im Sommer ein kleines Tief, wo ein paar Sachen schief liefen. Da habe ich mir ein tolles Fahrrad auf dem Flohmarkt gekauft und mit dem konnte ich quer durch die ganze Stadt düsen. Das war eine schöne Sache, weil man etwas für sich tut, sich Zeit nimmt und sich etwas gegönnt hat. Nachdenken und zur Ruhe kommen – da findet man eine Lösung. Das ist sehr wichtig.

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Der Leipziger Osten … ist das komplette Gegenteil vom Leipziger Westen und da bin ich ganz gern mal unterwegs.
  2. Wenn ich nach Hause komme, … ist es meist schon ganz spät nachts und ich freue mich, wenn ich schlafen kann.
  3. Als Kind … bin ich auf dem Dorf groß geworden und war viel im Wald spielen.
  4. In Leipzig … gefällt es mir echt gut und hier möchte ich bleiben.
  5. Mein Leben … ist seit der Gründung meiner Firma zielgerichtet und ich bin sehr glücklich damit.