… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Stefan

Wir bauen Schulen in Sierra Leone

Stefan Klenk | Zur Hälfte an der Uni im Projekt SMILE beschäftigt und in der anderen Hälfte der Woche ist er beim Forikolo e.V. | aus Baden-Württemberg | wohnt im Waldstraßenviertel

Was macht das Waldstraßenviertel für Dich aus?

Ich habe schon als Student Ende der 90er Jahre in zwei unsanierten Wohnungen in der Waldstraße gewohnt, dann viele Jahre in Lindenau und seit fünf Jahren wieder im Waldstraßenviertel. Ich mag dort besonders die wunderschönen Häuser, die Nähe zum Rosental, zum Auenwald und zur Elster. Zudem ist es nicht weit ins Zentrum und zu meinen beiden Arbeitsstellen.

Möchtest Du uns Deinen Lieblingsort in Leipzig verraten?

Das Krystallpalast Varieté.

Worum geht es denn beim Forikolo e.V.?

Forikolo ist der Name eines Dorfes in Sierra Leone. Das kann man auch übersetzen. Das heißt Respekt vor dem Alter. Wir bauen Schulen in Sierra Leone – haben derzeit elf Schulbauprojekte. Wir sind auch im Agrarbereich tätig und unterstützen den Aufbau von Modellfarmen. Und aufgrund der Ebola-Epidemie sind wir nun auch im medizinischen Bereich tätig.

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Warum helft Ihr lieber in Sierra Leone und fangt nicht in Leipzig vor der eigenen Haustür an?

Das ist eine berechtigte Frage. Ich selber habe Afrikanistik studiert und dabei einen Kommilitonen kennengelernt – Abu Mansaray. Zu der Zeit, das war 1999, war noch Bürgerkrieg in Sierra Leone. Er ist dann kurz nach dem Kriegsende wieder in seine Heimat zurückgekehrt und hat dort erstmal als Wahlbeobachter gearbeitet und ich hatte mich in der Zwischenzeit auch viel mit dem Land beschäftigt, auch mit der Problematik von Kindersoldaten. Dann bin ich auch nach Sierra Leone gereist – ursprünglich gar nicht mit der Absicht ein Projekt zu starten, sondern eher, um mir ein Bild über die Kinder und Jugendlichen zu machen. Ich habe Interviews geführt mit Kindersoldaten und anderen Menschen und das war dann eher ein Zufall, dass wir in dem Dorf Forikolo waren. Dort gab es eine provisorisch errichtete Schule aus Palmengras und Stöcken. Ich habe aber gemerkt, dass es einen großen Willen gab, den Kindern eine Schulbildung zukommen zulassen. Da ist dann zusammen mit Abu die Idee entstanden, dass wir uns dafür einsetzen könnten für eine moderne Schulbildung zu sorgen. Klar, man kann sich auch in Leipzig engagieren – für mich war das aber ein sehr eindrückliches Erlebnis. Sierra Leone zählt zu den ärmsten Ländern der Welt und dort bedeutet es nochmal etwas ganz anderes, sich für Bildungsprojekte einzusetzen als in Leipzig. Wobei man das nicht gegeneinander aufwiegen sollte.

Wie sieht es denn in Forikolo aus?

Wir sind ausschließlich in der ländlichen Region tätig. Dort ist es meistens so, dass es eine sehr wenig ausgeprägte Infrastruktur gibt. In dem Dorf selbst gibt es ein paar Häuser, eine Moschee und einen Brunnen. Forikolo ist unser Modellprojekt – dort gibt es mittlerweile eine Schule, eine Bäckerei, eine Schreinerei, eine Solaranlage. Außerdem haben wir dort die Menschen in der Landwirtschaft unterstützt. Das hing damit zusammen, dass nach dem Bürgerkrieg viele Felder nicht mehr neu bestellt wurden. Die Menschen hatten kein Geld oder das Know-how war durch den Krieg verloren gegangen. Außerdem liegt Forikolo im Regenwald. Die eine Hälfte des Jahres ist es ziemlich trocken und ab Mai beginnt die Regenzeit, dann kann man kaum die Straßen passieren.

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Stell Dir vor, Du hättest alle Möglichkeiten der Welt und Du müsstest keine Konsequenzen für Dein Handeln tragen. Was würde dann für Dich das größte Glück bedeuten?

Wir haben eine große Vision: Wir möchten allen Kindern in der Region, in der wir tätig sind, den Zugang zu einer Grundschulbildung ermöglichen. Wir haben jetzt aber auch schon zwei weiterführende Schulen gebaut.

Was würdest Du an unserer Gesellschaft ändern, wenn Du es könntest?

Eine meiner Herzensangelegenheiten ist, dass die Menschen hier in Deutschland mehr an der Politik partizipieren sollten. Ich würde mir wünschen, dass man in dem Viertel, in dem man wohnt, mehr Entscheidungsgewalt hätte. Ich könnte mir vorstellen, dass es einen Topf an Mitteln gibt und die Bewohner selbst entscheiden sollten, wohin das Geld geht, und sie auch aus einem Teil der Steuern selber Projekte anstoßen könnten. Da gibt es noch viel Potential.

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Bei uns im Forikolo e.V.kann man gerne mithelfen.
  2. Im Sommer … gibt es bei uns einen wunderschönen Garten, in dem man draußen sitzen kann.
  3. In Sierra Leone … gibt es ganz tolle Menschen und egal wo man hinkommt, wird man immer mit offenen Armen empfangen.
  4. In Leipzig … wohne ich seit 17 Jahren und es ist nach wie vor eine tolle Stadt, obwohl sich viel verändert.
  5. Mein Leben … ist nach wie vor sehr spannend.