… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Lindenau Plagwitz

Su

Die Karli sollte man mal gesehen haben, ist aber sehr touristisch

Su | gelernte Kinderkrankenschwester, Lehramtstudentin für Biologie und Französisch | 27 Jahre | in Leipzig geboren, hat 20 Jahre in Essen gelebt | wohnt in Lindenau

Was ist ein besonderer Ort für Dich in Leipzig?

Das Rosental zum Beispiel. Da hatte ich viele schöne Momente, als ich damals immer meine beste Freundin hier besucht habe. Der Zoo natürlich – da war ich viel als Kind. Die Innenstadt hat sich kaum verändert und das birgt viele Erinnerungen von der Architektur her.

24h Leipzig – Was würdest Du jemandem zeigen, der noch nie hier war?

Ich würde ihm auf jeden Fall das Zentrum zeigen. Man kann hier alles erlaufen: die Oper, das Gewandhaus, der gesamte Augustusplatz. Ich würde ihn direkt auf den MDR-Turm schicken, um sich Leipzig von oben anzusehen. Die Karli sollte man gesehen haben, aber in der Südvorstadt würde ich mich nicht allzu lang aufhalten. Nach Connewitz direkt durchlaufen  Plagwitz, Karl-Heine-Straße. Da hat man noch das Natürliche, das Urige und man lernt dort auch unheimlich schnell Leute kennen. Die Karli hingegen ist sehr touristisch geworden. Und man muss unbedingt den See gesehen haben.

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Typisch Leipzig – was ist Dir aufgefallen?

Das ist schwierig. Wenn man wirklich ,typisch Leipzig‘ erleben will, würde ich mal einen Abend auf die Sachsenbrücke gehen. Das ist für unsere Generation typisch Leipzig. Die Leute tummeln sich da, sitzen einfach zusammen, bringen sich ihre Getränke mit, feiern bis abends. Mit dem Fahrrad durch Leipzig ist für mich typisch Leipzig. Es gibt hier viele kleine Läden, zum Beispiel Bäcker, die noch richtig ,backen‘. Ich habe zum Beispiel einen Bäcker um die Ecke, dort kann ich morgens um 4 Uhr anklopfen, obwohl der noch gar nicht auf hat. Und der meint dann: „Na meine Kleene, was’n los? Komm mal rein!“ Diese Mentalität von Geben und Nehmen, diese Zusammengehörigkeit.

Wie hat sich Leipzig in den letzten Jahren verändert?

Hier ist unheimlich viel passiert und hier sind auf einmal wahnsinnig viele Menschen. In den Stadtteilen passiert viel mehr. Es ist nicht mehr nur die Karli. Es gibt viele Punkte, wie Reudnitz, die Eisenbahnstraße. Der Osten blüht gerade auf.

Würdest Du denn etwas an Leipzig ändern?

Manche Straßenverhältnisse würde ich als Radfahrer gern ändern. Die Holbeinstraße in Schleußig nenne ich gern „Brech-dir-ein-Bein-Straße“ – ein Schlagloch nach dem anderen. Aber sonst finde ich Leipzig, so wie es ist, super.

Was macht Lindenau / Plagwitz aus?

Zum einen die Ruhe und zum anderen das Authentische. Die Menschen schalten hier gern einen Gang zurück.

Stell Dir vor, Du hättest alle Möglichkeiten der Welt und Du müsstest keine Konsequenzen für Dein Handeln tragen. Was würde dann für Dich das größte Glück bedeuten?

Ich würde mir eine große Reise ermöglichen. Nach Indonesien und Südamerika am liebsten.

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Woraus schöpfst Du neue Kraft?

Viel aus meinen Freunden und dieser Bank hier. Ich nehme mir morgens einen Tee oder Kaffee mit raus und sitze hier. Ich gehe auch unheimlich gern durch den Wald. Fahre mal für zwei Stunden zum See, nehme mir ein Buch mit und schalte einfach mal ab.

Wenn Du eine Sache in unserer Gesellschaft ändern könntest, was wäre das?

Gerade als Kinderkrankenschwester läuft sehr, sehr viel falsch in unserem System. Was ich so schade in unserer Wirtschaft finde ist, dass der Mensch so aus dem Fokus gerät. Es geht nur ums Geld. Das macht nicht nur im Gesundheitswesen sehr viel kaputt, sondern auch im Bildungssystem. Es mangelt überall an Personal. Gerade wenn es um die Gesundheit des Menschen geht, ist das der falsche Sektor, wo man sparen sollte. Das wird sich in den nächsten Jahren auch nicht ändern. In Skandinavien wird dafür das Dreifache ausgegeben.

Gibt es einen besonderen Moment, den Du mit uns teilen möchtest?

Mir fällt der letzte Moment ein, als ich vor Rührung geweint habe. Ich war in Berlin auf einem Festival und habe mit den Füßen im Sand getanzt und meine beste Freundin sowie ihre Eltern waren dabei. Das sind quasi meine zweiten Eltern, da ich sie schon ewig kenne – seit 24 Jahren. Sie hatte damals viele Diskrepanzen mit ihrem Stiefvater. Ich habe das alles mitbekommen. Und beim Festival haben sie mir eröffnet, dass er sie adoptiert. Das war so süß, dass ich weinen musste. Es hat mich so berührt, als wäre ich persönlich involviert.

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Wenn ich noch mal jung wäre, … würde ich gerne wieder unerschrocken die Welt neu erobern, ohne Angst.
  2. Meine Familie … ist groß und nicht einfach.
  3. Wenn ich abends ins Bett gehe, … höre ich gerne noch Musik.
  4. Im Winter … freue ich mich auf heißen Kakao mit Sahne.
  5. In 10 Jahren … möchte ich viel von der Welt gesehen haben
  6. In Leipzig … fühle ich mich wohl, ist meine Heimat.
  7. Mein Leben … ist bunt und chaotisch. Es ist, so wie es ist, gut.