… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Südvorstadt Connewitz

Vivek

Ich bin Leipziger

Vivek Velamuri | Juniorprofessor an der HHL Leipzig Graduate School of Management | 35 Jahre | ist in verschiedenen Städten in Indien aufgewachsen | wohnt in der Südvorstadt

Was ist für Dich typisch Leipzig?

Die Hoodiekultur – fast jeder hat einen Hoodie in Leipzig. Die Parks und die Spätikultur finde ich super. Am Abend kann man sich ganz gemütlich bei einem Späti auf ein Bier treffen, zu anderen Spätis weiterziehen oder sich mit neuen und alten Freunden im Park treffen. Das ist die Südvorstadt-/Connewitz-Kultur  offen, nachbarschaftlich, sozial. Die Spätikultur und die vielen öffentlichen Räume leisten dazu einen großen Beitrag. Außerdem ist Leipzig die perfekte Fahrradstadt. Man braucht nicht mal Gänge am Fahrrad.

Was macht die Südvorstadt aus?

Das ist die Leipziger Gegend, in der immer was passiert. Das war schon immer so. Jetzt reden die Leute über das Waldstraßenviertel, aber das ist leider bei weitem nicht so lebendig. Der Karl-Heine-Kanal kommt langsam, aber 2005/06 war die Südvorstadt der einzige wirkliche Anziehungspunkt. Die Südvorstadt ist sehr divers. Die ganze Karli ist super, bunt und pulsierend. Ein Freund von mir ist zu Besuch gekommen und ich habe ihn mit auf die Karli mitgenommen und er meinte: Das hier ist wie in New York. Das ist cool. Das ist Leipzig.

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Hast Du einen Platz, der Dir viel bedeutet?

Die ganze Karli – vom Südplatz bis zum Connewitzer Kreuz.

Trägst Du eine besondere Verantwortung in Deiner Position als Professor?

Ja, klar habe ich einen Einfluss auf meine Studenten – nicht auf jeden, aber einige. Sicher nicht so groß wie Kindergärtner, trotzdem habe ich einen klaren Einfluss, dass sie zum Beispiel nachhaltig denken oder hinterfragen, was generell okay ist. Ein Bespiel dafür, dass ich Verantwortung übernehme, ist Chauvinismus. Manchmal machen die Studenten chauvinistische Witze und da sage ich: „Das geht nicht! Mädels, ist das witzig?“ Nein. Dann versteht derjenige das und macht das nie wieder. Das geht einfach nicht. Das ist kein Männerclub hier. Das sind Kleinigkeiten. Die Studenten von mir werden langfristig gesehen Manager. Meine Hauptmessage ist: Wenn ihr schlaft, müsst ihr gut schlafen. Das bedeutet, dass man nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen entscheiden muss. Es gibt mehr als nur Zahlen. Ich lehre im Bereich Entrepreneurship und da ist die Hauptmessage: Wenn ihr ein Problem findet, sucht eine Lösung. Nicht jammern, sondern schauen, wie man das verbessern kann. Das ist immer so und ich glaube, das ist auch mein Motto im Leben.

Du hast das Wort Lebensmotto selbst angebracht. Hast Du eins?

Leben und leben lassen. Hier geht es um Toleranz und jeder darf machen, was er möchte.

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Das hört sich nach einer freien Denkweise an. Denkst Du, dass Du so bist, weil Du schon in verschiedensten Bereichen der Welt gewohnt hast?

Das kann gut sein. In der Schulzeit habe ich alle zwei Jahre die Stadt gewechselt. Das bedeutet, dass ich alle zwei Jahre einen völlig neuen Freundeskreis aufgebaut habe. Das habe ich sehr oft gemacht. Den Kindergarten habe ich in einer Stadt gemacht neben Mumbai, dann erste und zweite Klasse in Haryana, dritte und vierte Klasse in Assam – ganz andere Stadt und Kultur, fünfte und sechste Klasse in Pondicherry – das ist ganz im Süden. Ab der siebente Klasse bis zu meinem Bachelorabschluss habe ich in Hyderbad, Süd-Indien, gelebt. Manchmal habe ich die Sprache in meinem eigenen Land nicht verstanden. Ich konnte nicht mit den Leuten reden. Das ist, wie wenn ein Deutscher ins Saarland geht und dort würden die Leute plötzlich Tschechisch reden. Ich habe immer wieder Ort und Kultur gewechselt. Auch in Wien habe ich in drei verschiedenen Bezirken gelebt. Dann war ich in Leipzig und in Nürnberg. Ich bin mein Leben lang mit Leuten aus verschiedenen Kulturen aufgewachsen – auch in Indien in verschiedenen Regionen.

Würdest Du an Leipzig etwas ändern, wenn Du es könntest?

Alles positiv – ich habe fünf Jahre in Nürnberg gelebt und wollte unbedingt zurück nach Leipzig. Leipzig lebt, es ist offen und ich hoffe, das bleibt so. Leipzig ist auch nicht unbedingt Sachsen. Das ist immer so bei Großstädten, München ist auch nicht Bayern.

Stell Dir vor, Du hättest alle Möglichkeiten und Geld der Welt und Du müsstest keine Konsequenzen für Dein Handeln tragen. Was würde dann für Dich das größte Glück bedeuten?

Wenn ich so viel Geld hätte, könnte ich viel kaufen – aber ich würde alle Kriege abschaffen. Mein Vater war selbst beim indischen Beurfsheer, drei Kriege hat er mitgemacht und er sagte: Sohn, Krieg ist nicht gut. Das ist sinnlos. Er hat drei Medaillen bekommen, aber er hat immer gesagt: No point. Krieg ist sinnlos. Ich habe viele Freunde aus Bosnien-Herzegowina, mit ihnen habe ich in Wien gelebt und sie sind alle direkt aus dem Krieg gekommen. Da habe ich krasse Geschichten gehört und jeder meinte, dass es sinnlos ist. Man hat keine Lebensqualität, du kannst nichts machen. Ja, Krieg abschaffen, das ist gut.

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Was hast Du Dir aus Deiner Heimatkultur beibehalten?

Gastfreundlich sein. Das mache ich auch immer. Ich koche und mache alles, was ich machen kann, dass meine Gäste glücklich sind. In Indien haben wir ein Sprichwort, das sagt: Gast ist Gott.

Ist Leipzig jetzt Dein zu Hause?

Immer. Seit 2005. Wenn mich jemand fragt, sage ich auch immer: Ich bin Leipziger. [lacht]

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Als ich nach Leipzig kam, … habe ich kaum Deutsch geredet.
  2. Wenn ich nach Hause komme, … mache ich Musik an.
  3. Meine Studenten … sind teilweise herausfordernd und gute Menschen.
  4. In Leipzig … ist das Leben schön.
  5. Mein Leben ... keine Beschwerden.