… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Willem

Von der Kunst zum eigenen Fahrradladen

Willem | Fahrradhändler | 33 Jahre | aus Utrecht | wohnt in Volksmarsdorf

Wie bist Du nach Leipzig gekommen?

Ich bin durch Zufall nach Leipzig gekommen. Ich habe Kunst studiert und nach meinem Studium bin ich nach Den Haag gezogen. Das ist die einzige Stadt in den Niederlanden, in der man am Meer wohnen kann. Als ich dort gewohnt habe, hat ein Freund von mir angerufen und mich gefragt, ob ich in Berlin arbeiten möchte. Das konnte ich mir schon vorstellen, aber es ist in Berlin nicht so einfach ein Zimmer zu finden. Zwei Wochen später hat mich eine Freundin aus Berlin angerufen und gefragt, ob ich ihre Wohnung für 3 Monate möchte. Zufällig hatte ich schon den Job und dann sagte ich: Warum nicht?! Dann bin ich nach Berlin gezogen und es hat mir auch gut gefallen, aber irgendwie hatte ich ein bisschen Heimweh und deshalb habe ich es nochmal mit den Niederlanden versucht. Danach habe ich in Rotterdam gelebt und festgestellt, warum ich weggezogen bin. Mir war es langweilig dort. Ich kenne dort schon alles.

Dann bin ich auf ein Rad gestiegen und in der Slowakei gelandet und dort habe ich die Idee aufgefasst wieder nach Berlin zu gehen, konnte aber keine Wohnung finden. In Leipzig aber schon. Und dann ist es Leipzig geworden.

Willem

Wie ging es dann weiter?

In den Niederlanden bin ich sehr provisorisch schon als Fahrradhändler gestartet und wollte dort auch einen Fahrradladen eröffnen. Hier in Leipzig hatte ich das erste Mal in meinem Leben die Chance ein Geschäft zu eröffnen. Ich konnte eine Ladenfläche anmieten, die ich bezahlen konnte. Die Werkzeuge hatte ich schon alle.

Vermisst Du die Kunst?

Manche Sachen vermisse ich. Aber an sich vermisse ich es nicht. Es ist ganz schön schwierig damit Geld zu verdienen. Da müsste ich Sachen machen, die ich nicht machen will.

Viele Leute sagen, dass Leipzig eine Fahrradstadt ist. Denkst Du das auch?

Ja, schon. Das finde ich auch. Obwohl ich das von der Verkehrssituation her nicht ganz verstehe. Es hat eher was mit der Demografie der Bevölkerung zu tun. Es gibt hier viele junge Leute. Das Fahrrad ist das Transportmittel der Vergangenheit und der Zukunft. Autos in der Stadt sind anstrengend und teuer. Eigentlich hat Leipzig gute Voraussetzungen als Fahrradstadt, aber nicht die beste Stadteinteilung. Die Fahrradwege sind manchmal sehr unpraktisch – vorausgesetzt es gibt sie [lacht]. Auch die Autofahrer sind weniger auf Fahrradfahrer eingestellt als bspw. in Berlin.

Willem

Was ist Dein Lieblingsort in Deiner neuen Heimat Leipzig?

Mein Laden, wenn die Rollläden unten sind. Wenn ich alleine hier bin, ist das eine ganz andere Atmosphäre. Wenn ich im Winter alle Lichter angemacht habe und es draußen kalt ist und hier drin warm, ist das echt schön. Ich fahre auch gerne an der Pleiße entlang. Das gibt es einen Vogellehrpfad. Der ist nur ganz schmal. Da kann man gut mit dem Crossrad langfahren. Das sieht megaschön aus. Da komme ich auch gut zur Ruhe.

Wie viele Fahrräder besitzt Du?

Mein Lastenrad. Mein Crossrad. Mein Rennrad und mein Bahnrad. Besitzen tue ich noch viel mehr  in meinem Laden.

Leihst Du Dir Deine eigenen Fahrräder aus?

Nein, das mache ich nicht. Da muss man auch aufpassen. Ich habe sowieso schon ein Problem meine Räder zu verkaufen, weil ich sehr an den Fahrrädern hänge. Ich bin auch ein bisschen fahrrad-verrückt. Wenn ich mir dann noch die Fahrräder ausleihen würde, könnte ich sie gar nicht mehr loslassen. Das ist nicht Sinn und Zweck der Sache.

Was würdest Du Deinem 16-jährigen Ich für einen Ratschlag geben?

Habe keine Angst das zu machen, was du machen willst.

Was macht Dich jeden Tag glücklich?

Mich macht es glücklich, dass ich meinen eigenen Laden habe. Meine Selbstständigkeit und Selbstbestimmung machen mich glücklich.

Willem

Stell Dir vor, Du hättest alle Ressourcen der Welt. Was würdest Du Dir oder unserer Gesellschaft für einen Wunsch erfüllen?

Ich hätte gern eine Welt ohne Angst. Ich denke, dass das alle Probleme lösen würde, die es gibt.

Gibt es eine Sache, die Du gerne an unserer Gesellschaft ändern würdest?

Ja, und dann ist es eigentlich eigenartig, dass ich kein Lehrer geworden bin. Es fängt viel bei der Aufklärung der Gesellschaft an. Das Schulsystem könnte ein bisschen geändert werden. Ich habe das Gefühl, dass gerade in Deutschland viele Kinder mit einer Art Trauma aufwachsen. Entweder kippt das dann in die eine oder andere Richtung. Es gibt auch eine große Mittelschicht, aber es gibt gerade in Leipzig viele Leute die extrem politisch korrekt sind und es gibt auch viele Leute, die in die andere Richtung sehr extrem denken. Ich glaube, das hat zum Großteil mit Bildung zu tun. Mein Vater war Lehrer und ich weiß, dass er es aus diesem Grund gemacht hat. Er wollte Kinder auf das Leben in der Gesellschaft vorbereiten.

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Wenn ich nach Hause komme, … habe ich Hunger.
  2. Ich koche mir dann … Pasta Pomodore.
  3. Zuhause … ist überall.
  4. In Leipzig … bin ich jetzt zu Hause.
  5. Mein Leben … ist voll im Gang.