… portraitiert Menschen aus Leipzig.
Es werden Leute in den verschiedenen Stadtvierteln interviewt und dazu Bildserien erstellt. Viertelrausch ist das ehrenamtliche Projekt von Effektrausch – einem Büro für Employer Branding und Storytelling.

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Willy

Die neue Karli in Connewitz

Willy Gräske | Marketing- und Kommunikationsmanager | 26 Jahre | kommt aus Leipzig | wohnt seit einem Jahr wieder in Leipzig, Connewitz

Du bist seit einem Jahr wieder in Leipzig. Welchen Weg bist Du gegangen, bevor Du wieder nach Leipzig kommen bist?

Ich wurde in Leipzig geboren und mit vier Jahren habe ich mich dann entschlossen umzuziehen – meine Eltern sind mitgezogen nach Grimma [schmunzelt]. Studiert habe ich im Erzgebirge und bin danach zwei Jahre nach Wolfsburg gegangen und habe da gearbeitet. Danach wollte ich wieder in die Tourismusbranche zurück und habe in Leipzig die Perspektive und Chance bekommen und bin deshalb wieder in Leipzig.

Du wohnst direkt am Connewitzer Kreuz. Es gibt das Vorurteil, dass am Connewitzer Kreuz immer Autos brennen. Ist das so?

Immer würde ich nicht sagen. Einmal habe ich es bisher erlebt, dass hier mitten in der Nacht mal ein Auto gebrannt hat, aber ich glaube, das war auch eher ein Unfall. Das Image von Connewitz ist schlechter als es eigentlich ist. Momentan lebt es wieder auf und ist verschrien als die neue Karli. In der Karli steigen die Mieten immer weiter und jetzt hat man das Urige der Karli eher in Connewitz. Ich hatte bisher auch noch nie Stress mit den Leuten hier. Ganz im Gegenteil, man grüßt sich, obwohl man sich nicht unbedingt kennt, hilft sich. Sehr angenehm.

Was ist typisch Leipzig für Dich?

Typisch Leipzig ist die Moderne – hier kann viel Neues entstehen, aber trotzdem behalten die Menschen hier die Ruhe. Die Mentalität ist hier: Bleib mal ruhig, wird schon alles werden. Wenn du hier einfach machst, dann kannst du hier auch was erreichen. Leipzig hat einfach alles: Das Niedliche von Paris, den Charme von Venedig, die Coolness von Berlin. Funktioniert ganz gut – sehr inspirierend alles.

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Was ist die heißeste Partylocation hier?

Für mich persönlich eher nicht irgendwelche Clubs, sondern eher die Möglichkeit Bar- und Clubhopping zu machen. Da hier alles so nah beieinander liegt und man nicht eine Stunde fahren muss, bis man zum nächsten Club kommt, finde ich das immer wieder toll. Was auch immer wieder toll ist – auch wenn es nicht so klingt – ist das Absturz auf der Karli. Das geht auf jeden Fall immer.

Was machst Du, um Dich der Sommerhitze zu entziehen?

Wenn ich nicht arbeiten muss, versuche ich mir ein schattiges Plätzchen zu suchen oder fahre zu Freunden an den Kulkwitzer See raus, nehme mir ein Blatt Papier und versuche den Gedanken freien Lauf zu lassen.

Bedeutet das, dass Du dichtest?

Ja genau! Ich schreibe in meiner Freizeit Gedichte und seit ein paar Jahren versuche ich die auf Facebook unter PoetWG zu veröffentlichen. Wenn ich da mal fünf Likes habe, mache ich manchmal schon ein Glas Wein auf. [lacht]

Wie würdest Du selbst Deine Gedichte beschreiben?

Das Hauptthema ist Melancholie. Das Schöne an der Traurigkeit.

Stell Dir vor, Du hättest alle Möglichkeiten der Welt und Du müsstest keine Konsequenzen für Dein Handeln tragen. Was würde dann für Dich das größte Glück bedeuten?

Ein Jahr kostenlos reisen wäre schon ganz cool. Wenn reisen nichts kosten würde, würde man mich hier so schnell nicht wieder sehen. Ich bin mehr der Städtetyp und würde ein paar Städte abklappern.

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Hast Du ein Lebensmotto?

Es gibt manchmal so ein paar Sprüche, die man eine Zeit lang gut findet. Einer ist von Lichtenberg: „Ich weiß nicht, ob es gut wird, wenn es sich ändert. Aber damit es gut wird, muss sich was ändern.“ Das finde ich eigentlich ganz gut. Einfach weniger zweifeln und einfach machen.

Wenn Du eine Sache in unserer Gesellschaft ändern könntest, was wäre das?

Ich glaube, dass man allein nichts ändern könnte. Das wäre vermutlich dann eine Diktatur, aber selbst die muss man erstmal erreichen. [lacht] Wenn man etwas ändern möchte, sollte man wahrscheinlich andere Leute versuchen mitzuziehen. Das wäre ganz gut.

Vervollständige bitte folgende Sätze:

  1. Als ich nach Leipzig gezogen bin, … habe ich mich gefreut wie Bolle.
  2. Ein Gedicht ist fertig, … wenn der Titel steht.
  3. Am Kulkwitzer See … lässt sich es gut aushalten und träumen.
  4. In Leipzig … ist es sehr persönlich.
  5. Mein Leben … ist recht unauffällig für die Leute, die mich nicht kennen. Alternativ lieber: Ein sexy Grinsen in der grauen Masse.